Anleitung zum Entlieben

28.03.2010 um 18:17 Uhr

Beruf: Energie-Raumpflegerin

von: Lapared

Es gibt ja diese Theorie, dass Räume die Energie speichern von allem, was sich in ihnen ereignet hat. Dass ein Haus oder eine Wohnung nicht nur durch chemische Altlasten kontaminiert sein kann, sondern auch durch die Schicksale seiner Bewohner. Um diese Theorie ranken sich die dollsten Mythen und noch dollere Partygeschichten.

Da schlief ein kleines Mädchen (kleine Mädchen gehören zum Stammpersonal dieser Geschichten), also, da schlief ein kleines Mädchen nach dem Umzug seiner Eltern plötzlich nachts nicht mehr durch, weil in dem Zimmer, in dem nun ihr Bettchen steht, im 18. Jahrhundert eine Jungfrau im Kindbett gestorben war. Das kleine Mädchen (kleine Mädchen sind besonders sensibel) vernahm nachts die Schreie, die noch in den Mauern gespeichert waren. Mein Reden, Altbauwohnungen sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Eine andere Wohnung ließ sich nicht vermieten, weil die Angst des ehemaligen Mieters noch in den Räumen hing. Dem Mann drohte die Zwangsräumung, weil er die Miete nicht mehr bezahlten konnte. Und als es eines Tages klingelte, bekam er einen Herzinfarkt. (Besonders tragisch: Es war eigentlich die Lottofee.) Ein klarer Fall von energetischer Altlasten-Verseuchung.

Das Gute an der Theorie ist, dass sie Arbeitsplätze schafft. Denn natürlich gibt es Menschen, die sich auf die Reinigung von energieverseuchten Wohnungen spezialisiert haben. Sie kommen, setzen sich auf einem Stuhl, schließen die Augen… und können dann sehen, was in diesem Haus passiert ist. Ja, der Hammer. Und natürlich können diese Menschen die Energien nicht nur spüren, sondern das Haus auch davon befreien - was nützt eine Reinigungskraft, die nur sagt, guck mal da, Dreck! Nein, diese Energie-Putzfrauen (meist sind es Frauen, auch hier!) machen ihn auch weg.

Wie komme ich drauf. Eine liebe Freundin von mir ist in eine neue Wohnung gezogen. Jeder im Haus wusste es. Eine Hellseherin wäre absolut nicht von Nöten gewesen. Aber sie erfuhr es erst, als ihr neues wunderschönes Designerbett dort stand: dass ihr Vormieter genau dort gehangen hat. Gute Nacht.

Meine Freundin tat natürlich kein Auge mehr zu. Nach sechs Wochen in der schönen neuen Wohnung sah sie selbst aus wie eine Ruine. Also wurde eine dieser speziellen Raumpflegerinnen gesucht. Nicht leicht. Raumpflegerinnen, die sich auf  die energetische Reinigung von Räumen verstehen, sind deutlich seltener als normales Putzpersonal. Aber mit ein bisschen Glück findet man sie, meistens im Umfeld von Bachblüten und Schüssler-Salzen in der Heilpraktiker-Sparte. Und jetzt kommt´s: Diese Frau war ein Segen.

Seitdem sie da war, kann meine Freundin wieder schlafen, sie und die Wohnung sind tatsächlich wie befreit. Allerdings riet die Energie-Raumpflegerin auch, das Bett umzustellen. Das hatte aber nichts mit dem Vormieter, sondern mit einer Wasserader zu tun, die sie bei gleicher Gelegenheit erspürte. Nun steht der Schreibtisch dort, wo vorher das Bett stand. Und ich persönlich frage mich, ob es wirklich Zufall ist, dass meine Freundin, die auch Autorin ist, nicht nur neuerdings wieder prima pennt, sondern auch Thriller schreibt.

So gut, dass ich manchmal denke, dass man gespeicherte Energien, wenn es sie wirklich gibt, vielleicht einfach dort belassen sollte, wo sie sind. Vielleicht ist es ja der Job von uns Nachmietern, etwas daraus zu machen. Und die Gespenster und Energien in Bestseller oder noch Besseres zu verwandeln. Meine Freundin, da bin ich mir sicher, schafft das. Toi, toi, toi.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPhaenomenin schreibt am 28.03.2010 um 19:55 Uhr:Mich würde - ganz ehrlich - brennend interessieren was die Energie-Raumpflegerin für ihre Dienste nahm...?
    Gibts da Überlieferungen dazu?
  2. zitierengutefee schreibt am 28.03.2010 um 22:53 Uhr:das war bestimmt nicht billig!!
    wäre da ein umzug nicht vielleicht billiger gewesen???
    ich glaube ich wäre umgezogen - was sowas angeht bin ich schisser!!!
  3. zitierenHedera schreibt am 29.03.2010 um 12:48 Uhr:Ich hätte mir meiner Freundin die Bude ausgeräuchert und wahrscheinlich hätte meine Freundin auch noch nebenbei eine kleine Feng-Shui Empfehlung ausgesprochen...als ich in meine Wohnung zog, schrie auch direkt alles auf, als ich mein Bett unters Fenster schieben wollte...bloß nicht !!!
  4. zitierenGeisslein schreibt am 29.03.2010 um 13:07 Uhr:Mal wieder klasse geschrieben! Aber ich denke, da ist auch was dran - wobei ich immer noch zwischen Glaube und Mißtrauen schwanke. Als ich mein altes geerbtes Häuschen bezog damals, dachte ich mir auch, hier sind ja auch schon Leute drin gestorben, also sicher is sicher, und bestellte eine solche Raumpflegerin. 2 Stunden und 150 DM später zog sie wieder ab und ich blieb verwirrt zurück. Ich weiß bis heute nicht wirklich, ob sie die alten Geister vertrieben hat mit ihren zig Räucherstäbchen und dem merkwürden Sing-Sang und Gemurmel und Gequatsche (mit geschlossenen Augen natürlich, is einfach auch dramatischer so...) - leider kannte sie sich mit Wasseradern nicht aus, allerdings schlafe ich meistens wie ein Stein in meinem Bett. Also was ich damit sagen will: Ich glaub, es schadet nix!
    Schönen Tag noch!
  5. zitierenSiri schreibt am 29.03.2010 um 13:18 Uhr:Und wenn man gern Thriller schreiben möchte, aber bisher aber gut schläft, bietet man dann seine Behausung an...?
  6. zitierenBritt schreibt am 03.04.2010 um 12:55 Uhr:Ohne Scheiß, ich habe auch mein Bett umgestellt, weil bei uns eine energetische Verwerfung oder wie das heißt, mitten durchs Schlafzimmer läuft. Und ungelogen, ich schlafe seitdem wie ein Baby. Also, was mich betrifft: Ich glaube an diese energetischen Zusammenhänge.

    Wenn man jetzt allerdings Gruselgeschichten schreiben möchte, dann fände ich es sogar angebracht, nach einer solchen Wohnung zu inserieren, wo sich mindestens einer aufgehangen hat und möglichst noch ein paar erdgebundene Seelen spuken. Das dürfte inspirieren. ;-)
  7. zitierenBea schreibt am 09.04.2010 um 14:36 Uhr:Ich arbeite im Bereich "K" der Polizei. Ich erfahre es als eine der ersten,
    wenn irgendwo eine solche Wohnung frei wird. Bei manchen müsste man allerdings
    vor Einzug die Wände streichen, aber wo muss man das nicht? Interesse?
  8. zitierenAmanita schreibt am 11.05.2010 um 17:06 Uhr:Hab mal in einer Wohnung gewohnt, deren Vormieterin sich den Strick gegeben hatte. Ihre Mutter sagte, sie habe es nicht dort (in der Wohnung) getan. Ich merkte nix von bösen Geistern etc., aber der junge Mann, der genau über mir wohnte, ist eines Tages völlig verrückt geworden, hat sich eine Judoanzug angezogen, eine komplette Salami in den Duschabfluss gestopft und ist laut deklamierend, wie auf einer Teaterbühne, durchs ganze Haus gegeistert, bis ihn jemand fortbrachte. Wegen der Salami in der Dusche platzten mehrere Leitungen, es mussten in meiner und in der unmittelbaren Nachbarwohnung jeweils 1 Wand aufgebrochen und die Rohre erneuert werden. Es stank ungeheuer nach Salami. Ein Jahr später waren beide Wohnungen restlos verschimmelt. Was aus der Wohnung oben wurde, weiß ich nicht.

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