Anleitung zum Entlieben

11.02.2007 um 13:50 Uhr

Bettgeflüster

von: Lapared

Ein Sonntag im Bett wäre natürlich auch schön gewesen. Aber so...

„Was willst Du immer bei den beiden alten Schachteln?“ HK muss ausnahmsweise nicht in die Agentur. Konnte ich ja nicht wissen. „Sie sind nett und haben viel Scheiße erlebt, Du weißt, das zieht mich an.“ Außerdem bekomme ich dort Anerkennung (für mein sensationelles Blog) und Kuchen (für meinen schwindenden Arsch). „Eigentlich könntest Du auch zu mir ziehen und Dich ein bisschen um meine Mutter kümmern.“ – „Im Gegensatz zu Deiner Mutter können die Schachteln sich an die Scheiße noch erinnern, Deine Mutter erinnert sich noch nicht mal, wo die Toilette ist, die Art Scheiße reizt mich eigentlich nicht ganz so sehr.“ - „Und mal abgesehen von meiner Mutter? Könntest Du Dir vorstellen mit mir zusammenzuziehen?“ – „Klar. Irgendwann. Wenn Du trocken bist.“ – „Oh, Madame greifen zur Möhre, Du brauchst mir keinen Anreiz geben, so läuft der Hase nicht, mein Schatz.“ – „Zumal die Möhre meines Hasen ja bereits die Flasche ist.“ – „Punkt für Dich.“ - „Und davon abgesehen, geht es gar nicht um Dich, Hasilein. Es geht um mich. Deine abenteuerliche Reise zum Tiefpunkt möchte ich nicht unbedingt so hautnah miterleben, so weit geht mein Hang zur Scheiße nicht.“ – „Beckenrandschwimmer.“ – „Alkoholiker.“ – „Lusche.“ – „Flasche.“ – „Flasche? Ich liebe Dich.“

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierentakamine schreibt am 12.02.2007 um 08:22 Uhr:"Du suchst das Drama, Du bist süchtig nach Deinem Unglück, und Du brauchst davon immer mehr."

    Tja, hier ist noch so jemand.

    Bin gerade durch Zufall auf diesen Blog gestoßen und hab nur die letzten drei Einträge gelesen. Eigentlich habe ich nach einer Deutung für meinen Traum letzte Nacht gesucht. Ich habe von meinem Ex geträumt, den ich einfach nicht vergessen kann und der mich irgendwann noch in den Wahnsinn treiben wird. Denke es wird noch schlimmer, da er in zwei Wochen Geburtstag hat...

    Fand die Einträge auf jeden Fall klasse und werd mir ein Lesezeichen auf den Blog legen. Hoffe, Du kriegst Dein Leben in den Griff und dass wir beide irgendwann einen Job finden, der uns gefällt :-)
  2. zitierenMarc-Sebastian schreibt am 12.02.2007 um 14:30 Uhr:Liebe L.,
    ich lese nun schon seit 2005 in Deinem Leben herum; mein Kompliment für Deine Schreibe, die sogar das Private so darzustellen vermag, dass es erträglich ist, darüber zu lesen...

    Ich wünsche Dir, dass all die echten Probleme in Deinem Leben sich in einem guten Ende auflösen werden!

    Ich bin mal so aufdringlich und lasse ungebeten meine ganz eigene Meinung zu Deiner Beziehung mit HK. ab:
    M.E. ist es an Dir, Dich zu entscheiden, ob Du mit einem Alkoholiker kannst oder es besser läßt. Triff diese Entscheidung und dann sei konsequent.
    Der Entscheidungsprozeß ist schwierig, wahrscheinlich befindest Du Dich gerade mitten darin. Aber sorg dafür, dass Du ihn bald abschließt - und dann lauf, L.Punkt, lauf!
    Oder: Hör auf zu zweifeln und helfe, wenn ER es will. Es ist eine zu akzeptierende Entscheidung, wenn jemand sich mit seiner Sucht betäubt.

    Und es ist allein die Entscheidung des Betroffenen, ob sich etwas daran ändern soll.
    Und es ist ganz normal, dass man die eigenen Entscheidungen immer wieder in Frage stellt - natürlich jammert ein Trinker darüber, dass er trinkt. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass er damit aufhören muss/soll/will.
    Das alles wirst Du akzeptieren müssen, denn er hat Recht: Den Zeitpunkt, wann es reicht, wird ER bestimmen. Du kannst dabei nur Händchen halten, aber laß ihn mit seiner Entscheidung in Ruhe! Es erfordert eine starke Persönlichkeit, wenn man selbst (!) glaubt, dass der Partner sich mit seinem Verhalten zugrunde richtet, man aber hilflos daneben stehen muß. Aber letztlich - Beziehung hin - Partnerschaft her! - ist jeder in aller Konsequenz für sich selbst verantwortlich. Du hast eine Trinker kennen-/liebengelernt. Solange er Trinker bleiben will, hast Du das zu akzeptieren. Alles was Du tun kannst, ist tapfer und hilfsbereit zu sein, wenn ER tatsächlich irgendwann die Entscheidung fällt, die Sache mit der Sucht auszufechten. Frage Dich auch, wie Du dann mit der jämmerlichen Gestalt umgehen wirst, die der Entzug auch aus dem stärksten Menschen macht.

    Mit Wankelmut aber tust Du weder Dir noch ihm einen Gefallen.

    Ich persönlich würde Dir raten, es zu lassen. Der Weg eines Trinkers ist ein einsamer - und wenn der Sex nicht stimmt, dann wird dies auf Dauer nur frustierend sein. Mir würde die vorbehaltlose Nähe und auch der Sex sehr fehlen, was wahrscheinlich auf Dauer in die Entfremdung führt!

    Ich wünsch Euch beiden viel Glück, auch wenn Ihr beruflich für das Böse in dieser Welt arbeitet!

    Liebe Grüsse,

    Marc-Sebastian
  3. zitierenFrederike schreibt am 12.02.2007 um 14:59 Uhr:Zu dem was Marc-Sebastian gesagt hat möchte ich bemerken: Die jämmerliche Gestalt macht nicht der Entzug sondern das Trinken. Solange er trinkt kann er gar nicht klar denken weil sich alles nur um den Alk dreht. Der körperliche Entzug, je früher desto einfacher, bringt erst das klare Bewusstsein beim Alkoholiker hervor.
    Und wenn der körperliche Entzug nach einigen Wochen durchgeführt ist kommt auch der Rest. Die Entscheidung kann aber nur der Alkoholiker treffen. Leider kommt diese Entscheidung meistens erst zu spät wenn er wirklich ganz kaputt ist und auch alles andere zerstört hat.

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