Anleitung zum Entlieben

29.01.2007 um 18:01 Uhr

Beware of the Silence

von: Lapared

(Und schon wieder ein Reiserückblick)
Freitag, 16.01.07

Das „Wenn wir Ruhe haben, reden wir“ schwebte seit Tagen als nicht klassifizierbare Wolke über unserem kleinen Tripp. Schönwetter oder Scheißwetter? Nun, da die Reise angetreten ist, lauert es - eindeutig gutartig wie Kater Tom vorm Mauseloch – auf die passende Gelegenheit. Keule oder Keule? In dem Moment, wo sie erscheint, die kleine Urlaubsruhe, wo sie aus der Geschäftigkeit des Packens und Machens heraustritt und plötzlich Zeit wäre, erwarte ich, dass es eins vor die Rübe gibt. Woher nehme ich nur immer diese Zuversicht?

Wozu überhaupt reden. Ohne akute Not. Jetzt, wo die zu einem nächtlichen Konditoreimassaker kumulierten Ängste vor einem Leben, in dem Torte mein letzter Trost an der Seite eines quasi-impotenten Trinkers ist, eines Trinkers, den ich nicht verlassen kann, weil sein Saufproblem das Vakuum meiner unterspülten Werber-Seele so schön füllt... jetzt, wo diese Aussicht auf ein Dasein zwischen Sahne und Fahne nicht mehr ganz so drückt, da der Puffer des Tagesgeschehens sich dazwischen schiebt... jetzt will ich es eigentlich gar nicht mehr. Das in Ruhe geführte Gespräch. Die großen Versprechungen, er werde sich ändern. Werde aufhören zu Trinken. Und alles würde gut.

Denn Laparedchen, Kapt´n Hirni, in den Berechnungen ihrer ratternden Navigationsmaschine stets Seemeilen im Meer des Möglichen voraus, bei jedem Hafen, den das Dasein ansteuert, in Gedanken schon wieder bei der Reise, die von da aus vielleicht folgt, Laparedchen weiß auch um die Gefahren von Versprechen.

Was, wenn sie nicht gehalten werden? Was, wenn – und das ist wahrscheinlich, sagt das Selbstexperiment – die guten Vorsätze schwungvoll in die Hose gehen? Einmal, zweimal, immer wieder? Dann würde es doch Zeit für Konsequenzen. Konsequenzen, welch hässliches kleines Wort. Wenn ich zu einem unfähig bin, dann zu Konsequenzen. Vor allem dann, wenn sie mit sich bringen, das Leichtmatrose Lchen wieder alleine schwimmt im großen Ozean des Lebens. Das können wir, aber das wollen wir doch nicht. Nicht schon wieder. Das hatten wir doch schon so oft.

Aber die Ruhe, die Ruhe für das angekündigte Gespräch, sie kommt. Zum ersten Mal, als wir im Flieger sitzen, das Gepäck ist verstaut, die Fütterung überstanden, drei Stunden bleiben, um die Trockenheit zu planen, drei Stunden bis die Stewardess uns unterbrechen wird um darauf hinzuweisen, dass nun die Möglichkeit besteht zum zollfreien Spirituosenerwerb. Ich freu mich drauf. Doch da entpuppt sich HK überraschend als mein Verbündeter. Auch er weiß, in welches Karussell von großen Hoffnungen und grandiosen Reinfällen wir uns begeben mit einem Versprechen aufzuhören. Er weiß es, nimmt zwei Drinks und pennt.

(Fortsetzung folgt)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensnufkyn_blues schreibt am 29.01.2007 um 18:32 Uhr:oh man, ja, diese kleenen hässlichen wörtchen
    du glaubst gar nicht, wer hier über alle massen mit dir fühlt, oder mit sich selbst, oder beides.
  2. zitierenElRayo schreibt am 29.01.2007 um 20:07 Uhr:Soviele Wörter hast Du gebraucht, um einen Begriff zu beschreiben:

    Co-abhängigkeit.

    Zum ersten mal mache ich mir wirklich Sorgen um Dich, Red.
  3. zitierenLexa schreibt am 29.01.2007 um 20:44 Uhr:Manchmal bedingen die Konsequenzen aber, dass sie den alltäglichen Prioritäten unterstellt werden, ohne Versprechen aus dem Auge zu lassen, wenn diese unter der Berücksichtigung aller Umstände und ohne Verschweigen gewisser bizarren Geflechte abgenommen wurden. Es grüßt ein Leichtmatrose zu Land. LG Lexa
  4. zitierenShyloo schreibt am 30.01.2007 um 10:55 Uhr:Das tut weh, dass selbst Lapared das immer wieder nicht nicht abgezählt kriegt.

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