Anleitung zum Entlieben

28.09.2006 um 21:24 Uhr

Conrad & Rita

von: Lapared

Und um noch mal auf Olli zurückzukommen.

Es war gestern Nachmittag, wir saßen so da und sannen über Milchprodukte, als mich plötzlich ein Gedanke rammte wie ein Bus. Mir ging auf, dass mir genau vor der Nase sitzt, was die ganz Welt, sofern weiblich, ledig, heterosexuell, verzweifelt sucht: ein attraktiver Enddreißiger, intelligent, witzig, beziehungsfähig, erfolgreich, mit einem großen Herz unter der gepflegten Rauhbeinigkeit und einer gutgeschnittenen Altbauwohnung, die er allein bewohnt, nachdem seine Freundin wegen seiner asymmetrischen Ohrläppchen oder irgendeiner anderen Kleinigkeit, über die WIR natürlich leichterdings hinwegsehen würde, das Weite gesucht hat.

Ich starrte ihn an, es war Woche 12 n.D., und ich fühlte… nichts. Jedenfalls nichts in Richtung latent schwelender oder auch nur deprivationsbedingter Entflammbarkeit. Und ich bin sicher, ihm - obwohl seinerseits in Woche 10 n.C. (nach Carmen) - geht es genauso. Selbst wenn ich die Titten auf die Stirn hätte, würde er mich nicht als weibliches Wesen wahrnehmen. Die Asexualität unserer Beziehung ist geradezu sprichwörtlich, seit Olli, der es liebt, sich für seine Mitmenschen andere als die von ihren Eltern bestimmten Namen auszudenken und in Umlauf zu bringen, mir vor vielen Jahren die liebevolle Anrede Conrad zugedacht und konsequent angewandt hat. Bis mich am Ende selbst unser Chef so nannte.

„Olli“, sag ich, „hast Du eigentlich je daran gedacht, mit mir zu vögeln?“ – „Jetzt, wo Du´s sagst“, sagt Olli.“ – „Und vorher nie?“ – „Doch, vor 10 Jahren auf der Weihnachtsfeier zwischen dem 27sten und 28sten Tequila.“ – „Du brauchst 27 Tequila um mich fickbar zu finden?“ – „Das sind keine zwei Flaschen!“ – „Der Grund ist sicher, dass Du so viel Achtung vor mir hast.“ – „Da kannste einen drauf lassen.“ – „Nee, Olli, im Ernst, warum ist unsere Beziehung eigentlich so komplett unerotisch, wir verbringen so viel Zeit miteinander, das ist doch bedauerlich!?“ – „ Die Ehe ist nun mal unerotisch!“ (Anm.: In der Agentur nennen sie uns das alte Ehepaar) – „Hm. Und sind wir wenigstens glücklich?“ – „Aber klar doch. Conrad.“

Wir denken weiter an Milchprodukte. Aber dann kommt Olli doch noch mal darauf zurück.

„Und Du, denkst Du oft daran, mit mir zu vögeln oder ständig?“ Ich schaue ihn an, er grinst nicht mal und ich beginne mich zu fragen, ob es nicht doch irgendwann Zoom! machen könnte. „Ich weiß nicht, Olli,“ sage ich, „aber ich denke gelegentlich daran, Dir eins auf die Fresse zu hauen.“ – „Na, das ist doch erotisch gesehen schon ein Anfang.“ (An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für den treffenden Kommentar, der da hieß: Hauptsache, es bumst.) „Findest Du? Es wär mir aber lieber, ich würde gelegentlich daran denken, mit Dir zu vögeln, das wäre viel freundlicher...“ – „Hast Du es schon mal mit Tequila probiert?“

Nein. Aber plötzlich kommt mir eine viel bessere Idee. Vielleicht würde es helfen, wenn ich ihn Rita nenne! Es ist wirklich eine verdammt gutgeschnittene Altbauwohnung...


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenerphschwester schreibt am 28.09.2006 um 22:30 Uhr:sieh da! sie findet langsam zu ihrer alten form zurück. (auch wenn ich nie und nimmerlich behaupten würde, daß der übergang nicht amüsant gewesen wäre.)
  2. zitierenlucha schreibt am 28.09.2006 um 23:47 Uhr:Du hast sein Ego berührt, auch wenn er keine konkreten Absichten hat - hatte? Übrigens ein gefährliches Parkett, auf dass man sich bei so einer alten Beziehung über eine solche Thematik begeben kann; ich bin in dieser Beziehung hoffnungslos romantisch, es sollte -wenn schon nicht synchron - so doch mindestens bei beiden zeitversetzt schon mal ge"zoom"t haben!
  3. zitierenlucha schreibt am 28.09.2006 um 23:48 Uhr:Ich vergaß: Call ihn Rita, find ich klasse!
  4. zitierenMargit schreibt am 29.09.2006 um 06:28 Uhr:ich dacht nie im leben, dass es wirklich platonische freundschaften zwischen mann und frau gibt. *staun*
  5. zitierenTo01 schreibt am 29.09.2006 um 11:14 Uhr:und sie lebten glücklich bis ans ende ihrer tage, hach...

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