Anleitung zum Entlieben

07.03.2010 um 22:15 Uhr

Curd vermieten?

von: Lapared

Curd ist besser als ein Hund. Soweit bekannt. Er ist intelligenter und sieht besser aus. Er haart nicht und riecht neutral. Selbst, wenn er pupst, ist das bei Curd kein unkontrollierter stinkender Abwind, sondern ein wohlüberlegter, fein gesetzter Kommentar. Pfffffff f ff t. Also, Curd ist dem gemeinen Haustier in vielerlei Punkten überlegen. Einen weiteren habe ich an diesem Wochenende entdeckt: Curds „Flirtfaktor“, nennt so etwas wohl die BRIGITTE.

Er ist enorm. Höher als bei einer Golden Retriever-Welpe, wage ich zu spekulieren. Zumindest war er das heute, als ich mit Curd ein paar Stunden im Park und der näheren Umgebung unterwegs war, um schon mal Fotos fürs nächste Buch zu machen. Vielleicht lag´s auch am freundlichen Wetter - endlich mal wieder Schnee, wie schön – jedenfalls habe ich bei diesem Spaziergang mehr Bekanntschaften gemacht als damals, nach drei dürren Singlejahren, mit fünfzehn Promille auf meiner ersten und letzten “Fisch-sucht-Fahrrad“-Party.

Es war fantastisch. Fast jeder, der mich Curd fotografieren sah, hat mich angesprochen. Die meisten (etwa 98%) sprachen betont langsam, weil sie offenbar von einer geistigen Beeinträchtigung auf meiner Seite ausgingen. „Der…  ist… ja… drollig.“ Und laut, weil die Doofen ja auch meist nicht richtig hören. „HAT… DER… EINEN… NAMEN?“ Ich antworte dann immer sehr freundlich und betont flüssig: „Ja, das ist Curd Rock, ein Stofftier, das ich für ein Weblog fotografiere, aus dem auch schon zwei Romane entstanden sind. Schönen Sonntag, Ihre Mütze ist aber auch pfiffig!“ Ich gebe zu, diese Kontakte sind nicht flirtmäßig nicht so ergiebig, es handelt sich meistens um nette ältere Damen mit Strickhüten, die sich noch mal anstupsen, wenn sie an mir vorbei sind. Und eine erzählt dann den Witz von Tünnes, der ins Irrenhaus muss, weil er eine Zahnbürste an der Hundeleine hinter sich herzieht…* Das ist die eine Gruppe von Kontakten, die ich Curd verdanke.

Die zweite Gruppe (1,9%) sind Familie. Also, welche von uns. Menschen, die begriffen haben. Sie stellen keine Fragen, sie wissen, dass Stofftiere, die im Schnee rumstehen, einfach ihren Job machen wie wir alle. Diese Menschen sagen schlicht und unaufgeregt: „Soll ich ihn mal halten?“ Oder sie wenden sich an Curd direkt, Begegnungen auf Augenhöhe: „Gute Schuhe, Mann, ich hab die gleichen.“ Und manche wissen sogar, wen sie vor sich haben und sagen: „Hallo Curd, du arme Sau, musst du heute arbeiten?!“ Und gehen dann einfach weiter. Sehr nett, sehr angenehm.

Und dann gibt es da noch eine ganz besondere Gruppe. Ich gebe zu, eigentlich war es eher eine Einzelperson. Er heißt Gerry (also ich nehme an, ein gebürtiger Gerhard) und er hat mir heute, als ich unter seinem Fenster im Schnee rumkroch und Curd beim Flanieren auf dem Bürgersteig fotografierte, eine halbe Isomatte rausgebracht zum Unterlegen. Ich könnte sie irgendwann zurückbringen, wenn ich fertig sei. Ja, das war nett. Ein sehr nettes Zurückbringen (deshalb - und wegen der Scheißmigräne - bin ich so spät). Ein sehr netter Mensch. Und die Isomatte ist nicht bei einem Scheidungskrieg halbiert worden, die Scheidung sei ganz harmonisch verlaufen, hat er beteuert. (Den wahren Grund für die Halbierung der Matte will er mir ein anderes Mal verraten.) Warum ist mir so was nie passiert, als ich Single war? Und vor allem, was fange ich mit Curds enormen Flirtfaktor an, welche Verschwendung… eigentlich schade… ärgerlich… das beschäftigt mich irgendwie… Curd vermieten?

* Den Witz von Tünnes im Irrenhaus habe ich glaube ich schon mal erzählt. Es ist der einzige, den ich kenne, das macht ihn aber nicht besser. Also, Tünnes wird ins Irrenhaus eingeliefert. Fragt der Irrenarzt: „Herr Tünnes, Sie ziehen eine Zahnbürste hinter sich her, würden Sie mir den Grund verraten?“ Sagt der Tünnes: „Herr Doktor. Das ist keine Zahnbürste, das ist ein Hund!“ Oh Gott, denkt der Doktor, der ist eindeutig bekloppt, wegschließen! Ein paar Wochen vergehen. Tünnes zieht immer noch die Zahnbürste hinter sich her. Der Doktor bei der Visite: „Na, Tünnes?! Wie geht´s dem Hündchen?“ Darauf Tünnes: „Das ist doch kein Hund, Herr Doktor, das ist eine Zahnbürste.“ Sofort wird er als geheilt entlassen. Kaum ist Tünnes draußen, dreht er sich um: „Was Fifi, den haben wir angeschmiert!“

Ich hab doch gesagt, er ist schlecht ;) Schönen Sonntagabend.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenClaudia Toman schreibt am 08.03.2010 um 09:32 Uhr:Hihi! Ich muss ja zugeben, ich bin da furchtbar g'schamig, die Fotos vor der Tower Bridge sind entstanden, indem ich immer wenn grade keiner in unmittelbarer Nähe war den armen Junior aus der Tasche gewurschtelt, hingesetzt und dann so getan habe, als täte ich nicht fotografieren, sondern nur zufällig dort rumstehen, Fotoapparat in der Hand und hin und wieder heimlich abdrückte. Trotzdem waren Blicke, manches Gekicher und sich anstupsende Pärchen nicht zu verhindern. Ähnliches Verhalten lege ich bei Selbstporträts an den Tag, also wenn ich mich auf Armeslänge vor irgendeiner Sehenswürdigkeit knipse. Da sind die Blicke dann meist mitleidig (arme Frau reist allein, lebt wahrscheinlich mit Katze, Stofftieren und Sehnsucht auf 36 Quadratmetern, was ja im Prinzip nicht falsch ist, aber man ja doch nicht so gern raushängen lässt), hin und wieder bekommt man "soll ich für Sie?" Angebote, worauf ich getrost verzichten kann, weil man da meist schief, abgeschnitten oder mit blödem Gesicht am Foto drauf ist. Und "Ich allein vor ..." sind ja schließlich Fotos für die Ewigkeit. ;-)

    Aber das mit dem Flirtfaktor ist eine ganz neue Perspektive. Ich sehe glorreiche Fotos vor mir: Curd mit Johnny D. auf dem roten Teppich, Curd mit George G. Nespresso trinkend, Cord mit Barack O. in der Airforce One...............

    lg Claudia
  2. zitierenZauberbonita schreibt am 08.03.2010 um 18:22 Uhr:Also, wenn ich mich mit langen Armen selbst fotografiere, ist das meistens auch schief, unscharf und mit blödem Gesicht ;-)

    Dann doch lieber die "Ich lasse mich von einem charmanten männlichen Passanten ablichten und wir kommen gleich ins Gespräch was für schöne Bilder meine Kamera macht"-Variante.

    *träum*
  3. zitierenMuschelsucherin schreibt am 12.03.2010 um 09:51 Uhr:Drum prüfe wer sich ewig bindet **

    ob sich nicht noch was Besseres findet ;o)
  4. zitierenlousalome schreibt am 13.03.2010 um 18:20 Uhr:Oh, ein neues Buch - ich bin gespannt! : )
  5. zitierenhedgehog schreibt am 02.04.2010 um 16:19 Uhr:Also, ich nehm Curd sofort! Vielleicht rettet er mich ja aus der misslichen Lage, wenn es schon mein Hund nicht tut!......

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