Anleitung zum Entlieben

22.01.2012 um 20:04 Uhr

Danke Malakeh!

von: Lapared

Ich habe Mist gebaut.

Meine Lebensabschnittsgefährtin ist daran schuld, sie hat mich auf die Idee gebracht. Sie hat sich nämlich selbst die Haare geschnitten. Mit der Gartenschere, weil sie die gerade in der Hand hatte, als ihr der Gedanke kam, ihre Haare seien zu lang. Also, ritschratsch, schon waren sie es nicht mehr.

Mich, die ich schon seit Wochen denke, dass ich mal wieder zum Haareschneiden müsste, es aber nicht schaffe, einen Termin zu machen, weil ich mich nicht entscheiden kann bei wem, mich hat das unendlich beeindruckt. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass ich das auch selber kann. Haareschneiden. Ich. Nun durchfuhr es mich wie ein Blitz: Yes I can! Friseure werden überschätzt.

Teuer sind sie außerdem. 40 Euro habe ich zuletzt bezahlt, nur fürs Spitzenschneiden. Und das, obwohl ich meine Haare doch ohnehin immer hochstecke (Stichwort: Hinterkopfvortäuschung). Eine Luftfeuchtigkeits-abhängige Naturkrause habe ich außerdem, zu schwach, Locken hervorzubringen, aber ausreichend stark, um jeden Schnitt in einen Mopp zu verwandeln, bei Nieselregen sehe ich aus wie diese 70er-Jahre Ufolampen... Sie hören mir ja gar nicht zu.

Sie sind noch bei der Lebensabschnittsgefährtin, stimmt´s? Das war doch nur ein kleiner Spaß am Rande, weil ich meine Zahnärztin noch immer häufiger sehe als Half und Curd zusammen. Und weil ich nicht schon wieder einen Eintrag mit „Meine Zahnärztin ist/sagt/tut“ anfangen wollte, die Zahnarztgeschichten kommen uns ja bald zu den Öhrchen raus, uns allen. Aber tatsächlich sind wir inzwischen per du. Sie heißt Malakeh - so schöne Namen gibt man Zahnärztinnen in Persien.

Du Malakeh, sage ich zu ihr (in Gedanken, denn ich kann ja nicht sprechen, in meinem Mund wird gearbeitet…) Du Malakeh, deine Frisur ist tadellos, erzähl mir mehr davon. Und sie - während sie irgendwo auf Nasenhöhe nach einer der abgebrochenen sechs (jawohl sechs!) Wurzeln meines oberen Backenzahnes puhlt – sie kann ja keine Gedanken lesen, holt stattdessen ein bisschen weiter aus und erzählt mir ihr ganzes Leben. Spannend!

Aufgewachsen im Iran, Flucht vor den Ayatollahs, Arbeiten für die CIA (mehr darf ich nicht sagen)… ein Teufelsweib, hätte mein Opi eine wie sie genannt. Ich war voller Bewunderung und beschloss noch während der OP: Sollte ich durchkommen, werde ich wie sie. Ich lebe wild und gefährlich und schneide mir tatsächlich selbst die Haare. Yes I do! Friseure sind für Mädchen.

Die 40 Euro wirst du noch bitterlich brauchen, wenn erstmal die Rechnung kommt für das Massaker hier, dachte ich außerdem. Und wahrscheinlich noch 4000 obendrauf, denn für all die Zähne, die sie runterschleift oder zieht, muss ja auch wieder was rein, so kann man das ja nicht lassen. Oder ich muss Bilder davor hängen. Also, es hatte alles auch einen finanziellen Hintergrund, das gebe ich zu.

Wieder zuhause holte ich jedenfalls sofort die Schere raus (eine Halthaltsschere, wenn eine Gartenschere ging, ging die sicher auch). Ich hatte mir alles ganz genau überlegt. Wenn ich an den Seiten Zöpfe machen würde, etwa auf Ohrhöhe… und dann die Zöpfe waagerecht vom Kopf halten und senkrecht abschneiden würde… dann müsste es eigentlich hinhauen. Dann würde sich a. eine kleine, Fülle spendende Stufe ergeben, weil das Deckhaar auf diese Weise stärker gekürzt wird als das darunter. Und b. sollte der Schnitt eigentlich eine hübsche runde Kontur haben, also hinten länger als an den Seiten, weil das hintere Haar ja einen längeren Weg bis zum Ohr hat – können Sie folgen?

Müssen Sie aber nicht. Meine Berechnungen erwiesen sich ohnehin als unzutreffend. Anstelle der leicht gestuften runden Kontur ergab sich eine wollige, aus der Stirn gerutschte Pilzfrisur. Sie ergab sich zudem in Blau. Eine kleine Sensation.

 TA-DA! Mein erster eigener Haarschnitt!

Ich bin jetzt wie Curd unter die Permanent-Mützchenträger gegangen. Und da bleibe ich mindestens die nächsten 3 Jahre nach dieser verunglückten Aktion (man schneidet ja immer noch ein bisschen nach, um es besser zu machen - aber man macht es nur kürzer…). Außerdem fange ich bei den Schlümpfen an, ich bin der Zahnlos-Schlumpf, der immer nur mit zusammengepressten Lippen spricht und lacht. Zähne weg, Haare ab - Danke Malakeh!

Aber was ich eigentlich sagen wollte, meine Botschaft an diesem verregneten Sonntagnachmittag: Das Friseurhandwerk wird unterschätzt. Ja, ja.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenIna schreibt am 22.01.2012 um 20:27 Uhr:Liebes Lchen,

    die Jumiörchen lassen grüßen, auch Schlumpfig steht dir gut! :-)

    Aber du hast Recht, das Friseurhandwerk wird unterschätzt, wir alle denken "och, so ein paar Zentimeter kann ich doch auch selber!", aus den paar Zentimetern wird dann meistens ein paar Zentimeter mehr (wegen dem Nachbessern) und letztendlich hören wir uns von dem Frisör unseres Vertrauens auch noch bittere Vorwürfe an: Warum bist du nicht mal eben kurz reingekommen, ich hätte doch mal eben die Kontürchen geschnitten...

    Hätte er, und wahrscheinlich noch umsonst... :-)

    Also Finger weg von den Haushalts-, Garten - oder Papierscheren!!!

  2. zitierenOliver schreibt am 23.01.2012 um 10:45 Uhr:Intergalaktisch Deine neue Frisur Lchen. Und Dein Lächeln: eine Wonne. Ein Sonnenaufgang. Ein intergalaktischer Sonnenaufgang.
    Doch das ist alles nichts gegen Deinen Blick. So als ob Du in diesem Moment mit einem UFO gelandet wärst. Im Wald. Und wenn erblickt Lchen dort?

    Einen Kraftprotz von Holzfäller. Der eine Lichtung fällte, damit Dein UFO landen konnte. Wie cool is das denn? Genial! ;-)

  3. zitierenUli schreibt am 23.01.2012 um 19:20 Uhr:Der Schlumpf könnte dein Bruder sein. Wie aus dem Gesicht geschnitten ;)
  4. zitierenHedera schreibt am 25.01.2012 um 08:55 Uhr:@Oliver: hast du Drogen genommen? ich mach mir sorgen um manche leser lchen...wirklich...
  5. zitierenPhil_Sophie schreibt am 25.01.2012 um 15:00 Uhr:Aller Anfang ist schwer. Das Leben gibt dir Zeit für einen weiteren Versuch, einen Zentimeter pro Monat. Genügend Zeit für eine andre Taktik und diese im Theoretischen zu testen...
  6. zitierenShellie schreibt am 27.01.2012 um 15:15 Uhr:@ Hedera: Daumen hoch ;o)

    Ich hätte den neuen Haarschnitt doch gerne ohne blaues Schlumpfversteck
    gesehen, so schlimm kann es doch gar nicht geworden sein... neee, oder doch???
    Ich selbst bin auch immer sehr schmerzfrei - wenn auch nur eine einzelne
    Ponysträhne nervt: schnipp schnapp, weg damit :o)
  7. zitierenFrau Neugierig schreibt am 29.01.2012 um 17:50 Uhr:Hallo L'chen,

    Foto met muts is feige! ;o)

    Hab selbst jahrelang unerschrocken selbst an mir rumgeschnippelt, nachdem meine Mutter (vor gefühlte eine Million Jahre gelernte Friseuse) irgendwann keine 600 km mehr fahren wollte, nur um mir die Haare zu schneiden. (Ja, genau, ICH versteh das auch nicht ...!)

    Naja, jedenfalls hab ich dann die Sache (so schwer kann das ja nicht sein) selbst in die Scheren (HAHA) -Hände genommen. Getreu dem Motto: "Schief ist modern!". Wichtig ist nur, dass man den zweifelnden Blicken erhobenen (verschnittenen) Hauptes begegnet und sich selbst als den grössten Trendsetter schlechthin gibt.
  8. zitierenLolaFernanda schreibt am 02.02.2012 um 15:23 Uhr:HalliHallöchen :)
    Leider kam die Warnung zu spät. Auch wenns nur der Pony war...ich trau mich kaum noch vor die Tür...das schlimmste is, man kann ihn einfach nicht verstecken...egal was ich tue...er fällt immer auf. So ein Schande...naja...
    :P

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