Anleitung zum Entlieben

14.07.2005 um 00:09 Uhr

Danke SZ-Magazin

von: Lapared

Eine Schande eigentlich bei dem Wetter, aber nachdem ich nun nicht nur das Gift sondern auch das Gegengift fürchte und den Nackenhaaraufsteller ebenso wenig sehen möchte wie den Spitzenmann meiner Matching-List, habe ich die Pflege meines Teints heute einfach mal zurück gestellt, das Bad, das auch ohne mich aus allen Nähten platzt, gemieden und stattdessen daheim meinen lange überfälligen „Verwaltungstag“ absolviert. Eine Scheiße.

Eine meiner ungezählten liebenwerten kleinen Macken ist, dass ich keine Briefe öffne. Oder nur ganz selten, wenn der Stapel neben der Haustür über den Winterschuhen durch die zunehmende Höhe langsam instabil wird und sich einige der Absender penetrant zu wiederholen beginnen, was immer ein schlechtes Zeichen ist, weil sich dadurch abzeichnet, dass tatsächlich etwas in der Post ist, was sich durch Ignoranz nicht von selbst erledigt. Bei der Bearbeitung des Stapels gehe ich in der Regel in vier Schritten vor, und nicht ohne Stolz möchte ich bemerken, dass ich die ersten drei davon, also fast alle, heute bewältigt habe. Im ersten Schritt sortiere ich die Sendungen nach Farbe, Form und Größe. Im zweiten Schritt öffne ich mit meinem Käsemesser die Umschläge. Im dritten Schritt entnehme ich das darin befindliche Papier (in der Regel ist es Papier). Im vierten schließlich entfalte ich selbiges und lese, was darauf geschrieben steht – aber das, wie gesagt, war heute nicht mehr zu schaffen.

Eine Ausnahme habe ich allerdings gemacht. Das SZ-Magazin von vergangenem Freitag habe ich mir sofort angesehen. Schlagzeile auf dem Titel: "SCHLUSS! Wenn Frauen verlassen werden, heulen, schreien, verzweifeln sie. Und manche sterben daran." Na bitte. So gesehen halte ich mich doch blendend.

Und: Ich bin keineswegs verrückt. Mitnichten. Wenn ich den Artikel mal zitieren darf: "Das Gehirn verarbeitet Trennungsschmerz in den denselben Arealen wie den Liebesrausch. Und setzt dabei dieselben Hormone frei, nämlich Dopamin und Noradrenalin. Während die Liebe zerbricht, läuft im Gehirn des verlassenen Menschen also dieselbe Maschine wie beim Verliebten, und zwar auf Hochtouren. Mit dem unseligen Effekt," jetzt kommt´s, "dass der Verlassene genau den Menschen noch mehr vergöttert, der ihm die kalte Schulter zeigt. (...) Dieselben Hormone animieren den verlassenen Liebhaber, mit aller Kraft um den Partner zu kämpfen. Sie rauben ihm allerdings auch den Schlaf, den Appetit und verwandeln sonst stabile Menschen in orientierungslose Wracks." YES!!!

Und weiter zu meiner Entlastung: "Das Gehirn besteht aus drei Teilen, Reptilienhirn, limbisches System, Neokortex. Das Reptilienhirn steuert Basisfunktionen wie Herzschlag, Atem oder Schlucken. Gefühle entstehen im limbischen System. Im Neokortex ist in erster Linie der Intellekt zu Hause: Sprache, logisches Denken. (...) Und hier beginnt für den US-Psychologen Thomas Lewis das Missverständnis: `Die meisten Menschen sind sich nur ihres verbalen, rationalen Teils im Gehirn bewusst. Sie denken, unser Gehirn müsse Argumenten und der Willenskraft folgen. Tatsächlich aber bedeuten Logik und gute Ideen nichts für zwei unserer drei Gehirnteile. Kein Mensch kann seine Gefühle so einfach kontrollieren wie seine Hand, wenn er nach einer Tasse greift.´“ Oder – wenn ich ergänzen darf - nach einem Glas Wodka-Martini. Danke Thomas, Danke SZ-Magazin. Stößchen!

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