Anleitung zum Entlieben

04.11.2005 um 19:56 Uhr

Der kleine Unterschied

von: Lapared

Turbulenzen? Nein, „Turbulenzen“ war das falsche Wort. Aber irgendwie habe ich es schon wieder hingekriegt, mit jemandem zusammen und trotzdem alleine zu sein. Im Vergleich zu dem unüberbrückbaren Abgrund eines „Ich liebe Dich nicht“ sind es diesmal zum Glück nur ein paar Hundert Kilometer flaches, verkehrstechnisch hoch erschlossenen Land, die mich vom Mann meines Herzens trennen. Dachte ich jedenfalls. Aber falsch gedacht.

Dick hat wieder angefangen zu arbeiten. Ich meine, er hat wieder damit angefangen, was seine eigentliche Arbeit ist. Und seine Leidenschaft, die ihn schon einmal sehr krank gemacht hat. Nach 3 Jahren macht er jetzt wieder Kunst.

Ich denke, das hat auch mit mir zu tun. Nicht so eine Musenscheiße, das meine ich nicht. Ich inspiriere ihn nicht. Er will nur einfach wieder Erfolg und Geld, um das Leben mit mir genießen zu können. Schöne Kleidung, schöne Orte, schöne Dinge... das liebt er genauso wie ich. Das ist das eine.

Und das andere: Er traut sich jetzt wieder ran. Weil er jetzt mich hat, eine Gegenkraft zu dem Sog, den seine Arbeit für ihn darstellt, etwas, das ihn in zurückhält. Er sagt auch, dass er das zum Arbeiten braucht, das Gefühl, dass ich da bin. Allerdings... nicht physisch. Diesbezüglich meinte er, dass er nicht arbeiten könne, wenn noch jemand anders im Haus sei. Und dass wir uns in den nächsten drei Wochen wahrscheinlich nicht sehen können (aber wir könnten ja simsen!).

Na, wie hab ich das wieder hingekriegt? Vom unterkühlten Einmal-die-Woche-ich-liebe-Dich-nicht-Mann zum strahlenden Ich-liebe-Dich-über-alles-wir-sehen-uns-in-drei-Wochen-Prinz! Super.

Allerdings... und das unterscheidet eben Männer und Prinzen: Während ich an der Einmal-die-Woche-Sache nichts ändern konnte und es dem Ich-liebe-Dich-nicht-Mann naturgemäß vergleichsweise wurscht war, ob ich glücklich bin oder nicht, ist es dem Wir-sehen-uns-in-drei Wochen-Prinz eben ganz und gar nicht gleichgültig, wie es mir geht.

Nachdem ich gestern Abend gesagt habe, dass ich es schon schöner fände, wenn er Kunst und Leben zumindest ansatzweise vereinbaren könnte, dass ich es mit metaphysischen Gesimse nicht so wirklich habe, und dass ich für den Rest meines Lebens eigentlich genug habe von Männern, die mir ständig fehlen, hat Dick heute angerufen und gesagt, dass er nächste Woche kommt. Süß, gell? So kitschig es klingen mag: Love makes the difference.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNimien schreibt am 05.11.2005 um 00:13 Uhr:Ach, Lapared, ich freue mich so für dich!
  2. zitierenNurmalso schreibt am 05.11.2005 um 09:50 Uhr:Jetzt habe ich aber herzhaft gelacht ! Und zwar nicht wegen der Geschichte als solches, sondern weil ich fast das Gefühl habe, jemand schreibt ein wenig meine Geschichte !

    Aber schon schwierig nachdem man auf Abstand gehalten wurde, weil jemand NICHT liebt und dann auf Abstand gehalten wird, weil/obwohl jemand liebt, oder ?? Schön, dass der Abstand nicht krampfhaft festgehalten wird, genau, so soll\'s sein ! :-)

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.