Don Tom
GESTERN NACHT
Don Tom ist ja nicht irgendwer. Don Tom und ich haben – zumindest in meinem Kopf – eine Geschichte.
Sie begann vor mehr als zehn Jahren. Es war mein zweites Weihnachtsfest in der Agentur. Beim ersten hatte ich gerade vor einem Monat dort angefangen, war dick und ein unbeschriebenes Blatt. Beim zweiten hatte ich ein paar Preise gewonnen, ein paar Kilo abgenommen und ein ein paar Zentimeter zu kurzes Kleid. Don Tom war der schönste Mann auf dem ganzen Fest. Mein Art-Director stellte uns vor. Don Tom war auch der netteste Mann auf dem ganzen Fest. Und kurz davor die Agentur zu verlassen, um ins Ausland zu gehen. Ich habe damals leise scheiße gedacht. Und ich glaube, er hätte mich unter anderen Umständen auch gerne besser kennen gelernt.
Ein Wort zu dem Wort nett. Normalerweise gilt es ja als Schimpfwort. Dann, wenn es diese Standartmenschen mit abgerundeten Ecken beschreibt, die immer schön nett und geschmeidig sind, um im Gefüge zu flutschen. Aber so eine Art Netter ist Don Tom nicht. Im Gegenteil. Er ist kantig, frei und ohne Ängste anzustoßen, aber eben auf so gelassene, lächelnde, unaggressive Art. Wie auch immer.
Die Jahre gingen ins Land. Ab und zu sahen wir uns wieder, auf einem Sommerfest, einer Preisverleihung, einer Abschiedsparty... die Werberwelt ist klein. Und eigentlich trafen wir uns immer dann, wenn einer im Begriff war, in irgendeiner Weise weg zu gehen, in eine neue Stadt, eine neue Agentur, zu einem neuen Menschen. Eine Art Running Gag vom lieben Gott. Und ich hatte mir längst angewöhnt, mit zu lachen.
Zwei Mal hat Don Tom mich gefragt, ob wir noch trinken zu gehen. Beide Male habe ich abgelehnt. Aus Gründen, die ich nicht kenne, wohnt er ein paar Zimmer weiter den Hotelflur entlang. Gottes Running Gag. Und nun sitze ich hier, kurz vor Mitternacht* und noch nicht abgeschminkt, und lausche den Schritten im Flur.
Curd pennt nach seiner Sause wie ein Seemann. Ich denke, ich lege mich gleich ein wenig dazu.
*Einstellen geht erst Morgen früh.
HEUTE MORGEN
Curd geht´s gar nicht gut.
Was mögen diese Augen gesehen haben. Als ich gestern nach Hause kam, lief Pay Channel...
Don Tom ist ja nicht irgendwer. Don Tom und ich haben – zumindest in meinem Kopf – eine Geschichte.
Sie begann vor mehr als zehn Jahren. Es war mein zweites Weihnachtsfest in der Agentur. Beim ersten hatte ich gerade vor einem Monat dort angefangen, war dick und ein unbeschriebenes Blatt. Beim zweiten hatte ich ein paar Preise gewonnen, ein paar Kilo abgenommen und ein ein paar Zentimeter zu kurzes Kleid. Don Tom war der schönste Mann auf dem ganzen Fest. Mein Art-Director stellte uns vor. Don Tom war auch der netteste Mann auf dem ganzen Fest. Und kurz davor die Agentur zu verlassen, um ins Ausland zu gehen. Ich habe damals leise scheiße gedacht. Und ich glaube, er hätte mich unter anderen Umständen auch gerne besser kennen gelernt.
Ein Wort zu dem Wort nett. Normalerweise gilt es ja als Schimpfwort. Dann, wenn es diese Standartmenschen mit abgerundeten Ecken beschreibt, die immer schön nett und geschmeidig sind, um im Gefüge zu flutschen. Aber so eine Art Netter ist Don Tom nicht. Im Gegenteil. Er ist kantig, frei und ohne Ängste anzustoßen, aber eben auf so gelassene, lächelnde, unaggressive Art. Wie auch immer.
Die Jahre gingen ins Land. Ab und zu sahen wir uns wieder, auf einem Sommerfest, einer Preisverleihung, einer Abschiedsparty... die Werberwelt ist klein. Und eigentlich trafen wir uns immer dann, wenn einer im Begriff war, in irgendeiner Weise weg zu gehen, in eine neue Stadt, eine neue Agentur, zu einem neuen Menschen. Eine Art Running Gag vom lieben Gott. Und ich hatte mir längst angewöhnt, mit zu lachen.
Zwei Mal hat Don Tom mich gefragt, ob wir noch trinken zu gehen. Beide Male habe ich abgelehnt. Aus Gründen, die ich nicht kenne, wohnt er ein paar Zimmer weiter den Hotelflur entlang. Gottes Running Gag. Und nun sitze ich hier, kurz vor Mitternacht* und noch nicht abgeschminkt, und lausche den Schritten im Flur.
Curd pennt nach seiner Sause wie ein Seemann. Ich denke, ich lege mich gleich ein wenig dazu.
*Einstellen geht erst Morgen früh.
HEUTE MORGEN
Curd geht´s gar nicht gut.
Was mögen diese Augen gesehen haben. Als ich gestern nach Hause kam, lief Pay Channel...

Toller Schreibstil, ok. Geniale Nebencharaktere, kann schon mal vorkommen. Auch im Real Life. Bei Barcelona wurde ich schon misstrauisch. Aber so einen Don Tom kann sich normaler Weise nur eine Buchautorin aus dem Ärmel schütteln, nicht das Leben.
Wie auch immer. Hut ab. Vor allem
Ach ja, natürlich solltst Du mit TOM was trinken gehen! Prost und einen tollen Abend!