Anleitung zum Entlieben

15.02.2006 um 22:30 Uhr

Drei Kreuze

von: Lapared

„Dick“, sage ich, „drei popelige Valentinskarten, das ist aber ein bisschen dünn!“ Tatsächlich hat es auch heute keine der mit so großer Vorfreude erwarteten 27 Karten in meinen Briefkasten geschafft. „Haha!“ sagt Dick nicht wirkt amüsiert. „Tja“, versuche ich es über die Fußballschiene, „schlechte Nachricht für Herrn van Basten, die deutsche Abwehr steht!“ Jetzt sagt Dick gar nichts mehr. Mit der mir eigenen Sensibilität lege ich noch nach. „Nicht eine neue Karte, die Deutschen halten ihren Kasten sauber!“ sage ich und freue mich. Kasten – Briefkasten, nee, wie witzig ich mal wieder bin! „Sie haben mir ein Hakenkreuz in den Lack gekratzt!“ sagt Dick. Seine Stimme zittert vor Zorn. „In den Städten ist es anders, aber hier ist seit dem Krieg noch nicht viel Zeit vergangen.“ Dick ist gerade bei seinen Eltern auf dem Land.

Ich merke, wie mir das Herz bis zum Hals schlägt. „Warum?“ will ich fragen, aber dann wird mir klar, dass diese Frage überflüssig ist. „Also hast Du jetzt ein Hakenkreuz auf Deinem Wagen?“ frage ich stattdessen. „Genau genommen sogar drei!“ sagt Dick, und ich: „Ich fürchte, dann kann ich nicht mehr bei Dir mitfahren - in Deutschland wird es nicht so gern gesehen, wenn man mit einem Nazi verkehrt.“ Ich möchte wissen, wer mir den Clown ins Essen gemischt hat. „Das ist nicht witzig“, sagt Dick. „Ich weiß“, sage ich. Und dann sagt erst mal keiner von uns beiden was.

Später, als wir aufgelegt haben, merke ich, dass ich eine Riesenwut habe. Hört das denn niemals auf? Und ich Idiot hatte gedacht, ich würde in diesem Land vielleicht sogar gerne leben...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 16.02.2006 um 12:21 Uhr:Ich hatte zwar noch nie ähnliche Erlebnisse, hab aber schon so einiges von anderen gehört! Mich macht das auch tierisch sauer: Es ist unsere nationale Geschichte, damit müssen wir uns auseinandersetzten, müssen die Gründe für diese Entartungen begreifen, um uns davor zu schützen, denn so etwas darf nie wieder geschehen. Ich hab viel Verständnis für die Gefühle von Familien, die im Krieg Grausames von Deutschen erfahren haben, aber auch Opfer sollten diesen Teil ihrer Geschichte aufarbeiten, um zu verarbeiten. Es ist ungerecht und schafft viel Konfliktpotential, wenn jedem, der irgendwelche historischen, aber nicht persönlichen Anknüpfungen bietet, mit Schuld, Ablehnung und Gewalt begegnet wird. Das ist ignorant und auch dumm! Pflegtest Du braunes Gedankengut, würdest dieses öffentlich machen, dann fände ich solche Reaktionen Dir gegenüber durchaus nachvollziehbar, und auch angemessen. Aber was passiert denn hier bei Dick? Dick liebt eine Deutsche Frau. Und deshalb wird er, wirst mittelbar Du als Nazi beschimpft? Unglaublich, welche radikale, dumme, vielleicht auch eifersüchtig Ignorante Typen da aktiv waren!



    Sorry für Dick. Ich kann abr auch Deine Gefühle sehr nachvollziehen, mich berührt es schon, während ich diesen Kommentar schreiben: Ungerecht, intolerant und feige. Ich hoffe, dass Dick eine ähnliche Einschätzung dazu hat. Vielleicht solltest Du das mit ihm mal besprechen, ohne Scherz!!!



  2. zitierenElRayo schreibt am 16.02.2006 um 16:20 Uhr:Man muss sich auch mal klarmachen, was die Niederlande durch die Nazibesatzung durchmachen mussten.



    Eindrücklichstes Dokument dessen ist das wirklich erschütternde Tagebuch der Anne Frank.



    Wart Ihr schon mal im Anne-Frank-Haus in Amsterdam?





    Andererseits könnte es auch eine Retourkutsche einer verflossenen Freundin/Rivalin sein...fest steht, dass es keinen Schlussstrich geben kann und darf.



    Aber Lapared und die Deutschen, die guten Willens sind, pauschal als Nazis abzuqualifizieren, ist das, was ich reversen Rassismus nenne (vergleichbar unseren Mädels, die NUR afroamerikanische Freunde wollen)...



    Das rassistisch/nazistische Potenzial in NL selbst ist ebenso nicht zu unterschätzen, aber das relativiert und entschuldigt gar nichts; schlimme Geschichte, Lapared und ich fühle da schon mit Euch. Gruss, ElR


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