Anleitung zum Entlieben

18.12.2006 um 16:19 Uhr

Dritter Advent - und wieder macht Lchen ein Türchen auf, obwohl jeder weiß, dass die Schokolade dahinter scheiße schmeckt

von: Lapared

„Sie lügt“, kräht Emmi. Schön, dass sie auch mal was sagt.

Ich stehe mit Lotte in der Küche und setze noch mal Kaffee auf. Sie kamen zu viert: Emmi, Lotte, Dackel Freddy und ein Napfkuchen. Und sie machen nicht die geringsten Anstalten, wieder zu gehen.

„Woher hat sie überhaupt meine Adresse?“ - „Sie war bei der Stasi“, flüstert Lotte. „Ich denke, Sie beide kommen aus Köln?“ – „Die Stasi war überall.“ – „Aber sie ist doch Ihre Schwester?!“ – „Das sagt sie“, Lotte kneift mir ein Auge. „Verstehe.“

„SIE LÜGT!“

Wir gehen zurück ins Wohnzimmer. Emmi verzieht keine Miene. Emmi ist die Dame, die ich aus den Fluten gezogen habe, ohne Haube sieht sie aus wie Helge Schneider. Seit zwei Stunden sitzt sie bewegungslos auf der Couch und außer „Sie lügt!“ hat sie noch nichts gesagt. Immerhin, ein Anfang.

„Aber schön, dass Sie sie sich gemeldet haben“, versuche ich´s noch mal. „Das war sie!“ Emmi deutet mit dem Kinn Richtung Lotte. Lotte sieht aus wie Rita Süssmuth und liebt das Gespräch um so mehr.

Jetzt lächelt sie entschuldigend, „Emmi telefoniert nicht gern, sie traut der Fernsprechtechnik nicht.“ Sie knipst mir wieder ein Auge. Oh Gott, ich bin an zwei Verrückte geraten! Einzig Freddy scheint normal. Leider war er zu schwach, die Treppen rauf zu steigen. Er sitzt unten im Treppenhaus und jault wie ein Hund.

„Und es macht ihm wirklich nichts aus, da unten zu warten?“ Jaul, Freddy, jaul!

Emmi wird gesprächig. „Er ist ein Hund. Er tut was man sagt.“

Natürlich.

Auf dem Klo schreibe ich HK eine SMS: „Ich will Dich, JETZT!“

Zwei Minuten später ist er da. Mit Dackel Freddy auf dem Arm.

„Der braucht was zu trinken!“ Wenn einer dafür Verständnis hat.

„Ich auch.“ Kurzer Einführung in die Lage

„Guten Tag, meine Damen“, HK sprüht vor Charme, „und Auf Wiedersehen. Frau Lpunkt wünscht Beischlaf, ich fürchte, Sie müssen gehen.“

Ins Theater, ins Theater hatte ich gesagt!

„Wir warten.“ Endlich hat Emmi ein adäquates Gegenüber. Sie verschränkt die Arme vor der Brust und legt den Kopf leicht schief.

HK beginnt sich in aller Seelenruhe auszuziehen. Er ist berühmt dafür, dass er sich gerne auszieht, deshalb darf auf den Weihnachtsfeiern der Agentur nicht fotografiert werden - ein Verbot, das seine Sekretärin veranlasst hat, eine sehr korrekte ältere Dame, nicht er. Mantel, Schuhe, Hemd, oh nein, Hose…

„Boxershort?“ Emmi verzieht abfällig den Mund. „Wie alt sind Sie? Fünf?“

„Emmi, nu komm!“ Lotte und der Dackel sind schon im Flur. „Komm!“

Emmi kommt, aber nicht gern. Zum Abschied bedenkt sie mich doch noch mit ein paar freundlichen Worten.

„Der Mann ist betrunken.“ Niemals! „Und ich gebe Ihnen einen Rat, normalerweise tue ich sowas nicht, aber ich schulde Ihnen ja wohl was, behauptet jedenfalls meine Schwester, die, wie sie hoffentlich bemerkt haben, komplett debil ist, noch blöder als ihr Dackel, also, ich sage Ihnen jetzt was, Sie können darauf hören oder nicht, mir egal, aber ich denke, damit sind wir, Sie und ich, dann auch quitt…“

Mir schießt das Wasser in die Augen, ich starre auf den Boden, na los, sag´s schon…

„…Kaufen Sie ihm neue Unterhosen.“

Als sie weg sind, koche ich vor Wut. „Nathan, dass wir in scheiß Nathan den Weisen wollen, solltest Du sagen!" Lotte war Deutschlehrerin, das hätte sie verstanden.

HK sitzt halbnackt auf der Couch und frisst Napfkuchen. „Das hätte aber keinen Spuß gemucht.“

Spaß, mit vollem Mund spricht man nicht. „Darum ging´s auch nicht, sie sollten nur gehen.“ Und in der Küche sind Tuller.

„Für scheiß Nathan wäre ICH aber nicht gekommen.

Klar, Curds weiße Couch kann man natürlich auch als Serviette nehmen.

„Bisschen trocken, gibt´s noch Kaffee?“

„HK, warum springst Du jedem mit dem Arsch ins Gesicht?“ Warum verdammt?

„Lpunkt, warum lässt Du Dich von jedem überfahren? Das waren zwei einsame alte Schachteln, Du schuldest ihnen nichts, im Gegenteil! Warum lässt Du Dir von denen den Sonntag versauen? Außerdem…“, er lehnt sich gesättigt zurück, „ich glaube, Emmi hat es gefallen.“

„Du hast doch gehört: Sie hasst Deine Unterhose.“

„Das sagt sie doch nur.“

„Ich hasse sie auch.“ Bananenflanke.

Seine Unterhose landet im Vogelbad meiner Mutter.

Verwandelt.

Was soll ich sagen... Es ist, wie es ist und von Anfang an war. Er stößt mich ab, und zwar auf eine kreisförmige Bahn. Am tiefsten Punkt angekommen, zieht er mich wieder an.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenK ohne H schreibt am 18.12.2006 um 16:49 Uhr:Das ist jetzt aber mal frei erfunden, nicht wahr?
  2. zitierenerphschwester schreibt am 18.12.2006 um 17:00 Uhr:wär aber ausgesprochen schade, wenn´s erfunden wäre.
  3. zitierenKollege schreibt am 18.12.2006 um 18:18 Uhr:Ha, jetzt weiß ich´s...
  4. zitierenrapunzelchen schreibt am 18.12.2006 um 23:02 Uhr:würde mich jetzt aber interessieren was der Kollege jetzt weiß :-)
  5. zitierenlucha schreibt am 18.12.2006 um 23:27 Uhr:Wahnsinnig klasse! Scheißegal, ob fiktiv oder nicht, ich hab die Zeilen nur so verschlungen.
    Mensch Lapared, hier hast du es uns mal wieder gezeigt: Dein Talent zum Schreiben!

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