Anleitung zum Entlieben

03.05.2006 um 00:38 Uhr

Ei, Ei, Ei!

von: Lapared

Hach, das wollte ich noch erzählen, dann höre ich aber auch auf...

Ich weiß jetzt auch, wie es vermutlich aufgeflogen ist. Er hat den Zeitpunkt gar nicht selbst bestimmt, ER hätte wahrscheinlich noch ein Weilchen gewartet. Noch hatte ich ihm ja keinen Antrag gemacht…

Ostern, wir erinnern uns. Ein großer Tag für Curd Rock. Und auch für Lapared, ein Mann hat Eier für eine Stoffwurst bemalt, weil es meine ist, für mich, hat Öhrchen aufgeklebt und ihnen orange Mützchen gemalt…

Nachmittags war ich allein im Haus. Dick war schwimmen, ich schrieb mein Blog und dabei lief Remy Zero, Fair… (läuft jetzt auch gerade, ich geb´s mir richtig!) Und ich schaue so auf, schaue mich um, in „meinem“ Haus, freue mich, wie gut es dort riecht, und denke, ach… eigentlich könntest Du ihm auch ein paar Eierchen machen.

Ich also kleine Zettelchen geschrieben, kleine Zettel, die ich dann winzig klein zusammengefaltet habe. Draußen habe ich ein Osterei drauf gemalt und drinnen standen so Sachen. Dass ich bei ihm sein will, dass noch nie jemand so gut zu mir war, dass ich Platz für ihn machen werde… so Sachen halt. Dass ich ihn liebe…

Na ja, und dann hab ich die Eierchen versteckt. Eins – das war einfach – in einem der hinteren Eierbecher, eins im Kühlfach aufgeklebt auf die Rückseite einer neuen Packung Schinkenspeck, eins im Hohlraum einer der Slupturen an der Wand, eins oben an der Klospülung, die regelmäßig alle paar Tage nicht funktioniert, und die man repariert, indem man auf die Brille steigt und oben am Hebel des alten, rostigen Wassertanks rumfummelt... Sieben brilliant versteckte Eierchen insgesamt.

Ja, und ich hab nichts davon gesagt. Ich hab gedacht, das ist doch nett, wenn er später, wenn ich schon längst wieder weg bin, nach und nach zufällig die Eierchen entdeckt. Hübsche Idee oder hübsche Idee, hab ich gedacht. Bei deren Umsetzung ich – das nebenbei – keine Schränke geöffnet oder Zimmer betreten habe, die ich nicht schon vorher von innen gesehen hatte. Aber ich gebe zu, dass mir auffiel, dass es einige Türen gab in diesem Haus, hinter die ich noch nie geblickt hatte. Ich dachte, es wären vielleicht seine Arbeitsräume, ich dachte, da wäre vielleicht etwas, was ich nicht sehen soll, ja. Ich dachte an Dinge - Kunst, Bilder, Erinnerungen - aus einem früheren Leben, das man in unserem Alter haben darf, ich dachte an Spinneweben und Wollmäuse groß wie Straußeneier, ich dachte an Pornosammlungen, inklusive Schwulenvideos vielleicht (er hat doch so viele schwule Freunde) oder „Hemmungsloser Omasex I-III“ (er hat doch mal von einer Beziehung zu einer Sechzigjährigen erzählt). Aber ich hab nicht nachgesehen, ich habe Respekt vor fremdem Revier. Und ich dachte nicht, nie, an die Kleider und Fotos und gebrauchten Socken seiner Frau. Die übrigens durchaus eine Frau und gar nicht sechzig ist. Sondern genau so alt wie er. Sie kennen sich von der Uni.

Wahrscheinlich hat es sie diesmal getroffen. Wahrscheinlich hat die Klospülung nach einer ihrer Verrichtungen nicht funktioniert. Auch eine wahrlich beschissene Art und Weise zu entdecken, dass der Mann im eigenen Haus eine andere bumst.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenkunstseidenes schreibt am 03.05.2006 um 01:39 Uhr:Das tut mir schrecklich leid!



    Wie hat er sie, vor allem, wie hat er DICH verheimlichen können? Wie kann jemand so kaltblütig sein, warum ein solches Spiel. Männer in der Midlife Crisis? Ich habe den Glauben an die Männerwelt verloren, aber das, was du schreibst, ist mit Abstand das schrecklichste, was ich mir so ausmalen kannund niemandem, wirklich niemandem wünsche ich sowas.



    Ich habe mich immer gefragt, ob du nicht uns verarscht, die Leser und Leserinnen deines Weblogs. Das passte alles so gut, dieses Blog ist einfach so in sich stimmig wie ein gutes Buch. Höhen, Tiefen, tiefste Tiefen, schwindelerregende Höhen. Doch bisweilen spürt man, wie persönlich das alles ist, man spürt die beidseitige Abhängigkeit.



    Es erscheint mir bloß alles so unwirklich, so überzogen, aber so sind die Dinge wohl nun einmal und ich weigere mich wohl bloß zu glauben, dass das Leben so spielt. Dein Leben wird die radikale Feministin in mir ganz sicher nicht zum Schweigen bringen. Was du schreibst, tut einfach unglaublich weh. Und ich wünsche dir sehr, dass du einen Weg findest, damit umzugehen. Es tut mir einfach verdammt leid für dich...



  2. zitierensimplicius schreibt am 03.05.2006 um 02:15 Uhr:irgendwie fällt mir zu dem ganzen nur die traurig schöne melodie von \"als ich fortging\" ein



    diese letzte geschichte hat aber etwas groteskes, das szenario vor ort mag \"lustig\" ausgeschaut haben..



    wie auch immer alles gute und verzweifle nicht zu sehr über das warum. du verdienst besseres

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