Anleitung zum Entlieben

26.04.2009 um 17:00 Uhr

Eine neue Saison

von: Lapared

Ich schwanke noch.

Ich schwanke zwischen ungerechtem Zorn (Verlassen Sie bitte umgehend mein Schwimmbecken, mein Vater ist gerade gestorben!) und grenzdebiler Milde (Natürlich darf der Kleine in meine Fahrradspeichen treten, was bedeuten schon Fahrradspeichen, wir werden sterben, Sie, ich, wir alle… übrigens auch ihr dicker, jähzorniger Sohn).

Ich schwanke zwischen Hypochondrie (Niedlich? NIEDLICH? Nur weil sie auf meiner Nase sind, müssen es keine Sommersprossen sein! Der Lungentumor meines Vaters war auch ein metastasierter Hautkrebs, Schatz, du Idiot!) und Unbekümmertheit (Meinst du wirklich, ich muss zum Arzt wegen dieser Ohrgeräusche? Sie sind doch nur in einem Ohr, ich habe zwei, sprich ins andere!). Und manchmal auch Hysterie (Oh Gott! Gott!!! Ich glaube, ich höre Roland Kaiser!)

Drei Wochen nach dem Tod meines Vaters bin ich immer noch eine emotionale Nussschale. Wackelig und instabil. Und selbst lieben Freunden gegenüber, die nur trösten wollen, schwanke ich zwischen „Setz dich, mach's dir bequem, nimm dir 'nen Keks…“ und „Du ARSCH." (Damit wir bei der Trauerfeier in der Kirche nicht so schlimm heulen müssen, hatten meine Schwester und ich vereinbart, zur Not zum Altarkreuz zu gucken und an Das Leben des Brian zu denken… Aber jeder nur ein Kreuz… Ein Paket Kies, bitte… Also gut, ich bin der Messias und nun VERPISST EUCH… Guter Trick, übrigens, sehr guter Trick.)

Also, ich bin etwas unausgeglichen. Zum Glück weiß ich aber, was - als Einziges! - mich wieder in eine stabile Gemütslage bringt: Bewegung nämlich. Schwimmen am besten. Und seit ein paar Tagen tue ich das auch wieder. Damit ich dabei keine Mitschwimmer mehr des viel zu kleinen Beckens verweise (s.o.), haben sie gestern auch endlich das große Freibad aufgemacht. Heute bin ich eine herrliche Stunde lang geschwommen und hatte den 50 Meter Pool fast für mich, ha-ha! Morgen habe ich wahrscheinlich eine Erkältung ganz für mich (20 Grad sind schon etwas kühl). Aber egal…

Eine neue Saison.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenClaudia schreibt am 26.04.2009 um 19:20 Uhr:Fühl Dich mal ganz fest gedrückt! Mein Papa ist vor 15 Monaten an der gleichen Krankheit gestorben und es tut immer noch verdammt weh, wenn ich an ihn denke. Aber ich muss inzwischen wenigstens nicht mehr so oft weinen deswegen. Ist doch auch schon mal was...
  2. zitierenBchen schreibt am 26.04.2009 um 20:05 Uhr:Schwimm Lchen, schwimm!!!!
  3. zitierenMomratz schreibt am 27.04.2009 um 09:51 Uhr:Also das mit dem Leben des Brian ist ein genialer Tipp! Ich neige bei trauerbedingten Kirchgängen dazu schnell, viel und geräuschvoll in Tränen auszubrechen. Guter Tipp! Das Unausgeglichene wird sich von allein wieder einpendeln, und wenn du das Schwimmen als Ventil nutzen kannst, dannn schliße ich mich mal Bchen´s Kommentar an: Schwimm! Aber kauf dir vorher Kräutertee und heiße Zitrone ... nur so für alle Fälle ;o)
  4. zitierengreta schreibt am 27.04.2009 um 17:36 Uhr:es ist doch nicht schlimm, dass du dich so fühlst. leb das einfach, trauer runterschlucken ist nicht gut. deine freunde werden das schon verstehen. ist ja ne extremsituation. nimm dir einfach zeit und sei geduldig mit dir selbst.

    ganz liebe grüße
    greta
  5. zitierenKatja schreibt am 27.04.2009 um 18:18 Uhr:In Zeiten der Schweinegrippe sind solche Erkältungswitzchen aber auch ganz schön mutig ;)
  6. zitierenRömer 11.33 schreibt am 27.04.2009 um 22:23 Uhr:die Wege des Herrn sind unergründlich ...
  7. zitierenPhiline72 schreibt am 28.04.2009 um 14:24 Uhr:Ooh, da weiß man gar nicht, was man Dir schreiben soll- trösten kann wohl kein Wort der Welt. Laß Dir alle Zeit der Welt und versuche es grade jetzt nicht irgendwem recht zu machen! Wünsche Dir ganz viel Kraft.
  8. zitierenYvonne schreibt am 04.05.2009 um 23:48 Uhr:Hallo Lchen,

    ich haben vor kurzem dein Buch gekauft, also ich mit riesen Liebskummer im Buchgeschäft stand. Habe es erstmal zur Seite gestellt und es nach einigen Wochen ankuken und nicht mehr ganz so schlimmem Kummer gelesen. Dein Buch hat mir sehr geholfen meine Situation als nicht ganz so dolle schlimm und "ich will mich nieeee wieder verlieben" anzusehen.

    Dann habe ich natürlich seinen Blogg begonnen zu lesen. Ich bin genau an diesem Tag dazu gestoßen als du den Eintrag über den Tod deines Vaters gemacht hast.

    Mir tut das sehr leid und ich weiß alle Worte werden dir nicht helfen. Ich finde du machst das ganz richtig. Etwas finden was einem gut tut! Das Leben muss leider auch so weiter gehen und das wird es auch und es wird von Tag zu Tag, wenn auch kaum spürbar, besser!

    Aber wem sage ich das! Nachdem ich dein Buch gelesen habe bin ich der Mainung dass du vieles schaffen kannst!

    Ich sende dir Grüße!
    Yvonne

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