Anleitung zum Entlieben

25.01.2007 um 22:35 Uhr

Erlösungsbericht

von: Lapared

Ein weiteres aufregendes Zahnarztabenteuer. Dachten Sie, dachten ich, würde folgen, wenn die Lapared sich nach ein bisschen privatpatientenhaftem Zieren schließlich doch in die Hände der dicken, dunklen Frau begibt. Wie sehr wir uns doch alle getäuscht haben...

Nach den ersten 20 Minuten von unendlich vielen, unendlich langen, die noch folgen sollten, war mir klar: Diese Frau rechts über mir ist kein Zahnärztin. Und die links über mir ist keine Zahnarzthelferin. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis eine von beiden sagen würde: „Los spucken Sie´s aus! Wo wohnt Osama Bin Laden?“ Keine Ahnung, aber die CIA ist überall.

„Meisenweg 17“, schreie ich in vorauseilender Geständigkeit. Und nun lasst mich gehen, ihr brutalen Wachteln, ich hab doch alles gesagt. Aber man glaubt mir nicht, sie bohren weiter. „Heidi Sölz und Detlef Kapusta!“ brülle ich die Namen zweier von mir besonders geschätzer Ex-Kollegen, denn ich weiß, als nächstes wollen sie Kontaktpersonen. Und ich lüge nicht, immerhin sind beide - was wohl, höm - Kontaker. „Detlef mit f!“, man will ja niemand Falschen diffamieren.

Doch sie sind immer noch nicht zufrieden. „Dann versuchen wir es anders,“ sagt die, die ich noch vor wenigen Minuten für eine Ärztin hielt. Wie zynisch sie ihre Tarnung wählen, diese Folterknechte. Ärztin! Heilberuflerin! Wie infam...

Beide Frauen setzen große dunkle Sonnenbrillen auf, schwarz eingefasst, auch ich bekomme eine, aber mir pinkfarbenen Rand, aha, denke ich, nach der körperlichen nun die seelische Traktur. Pink zu meinem rostbraunen Pollunder... „Verlängerungschnur!“ brülle ich das erste Wort, das mit in den Sinn kommt. Denn daran sollte ich denken, wenn HK und ich morgen aufbrechen Richtung Finca, „Verlängerungskabel für den Heizstrahler!“, ein sehr originelles Code-Wort finde ich. Was ich doch sicher auch verraten soll. Aber sie glauben mir nicht.

Sie versenken ein weiteres Folterinstrument in meinem Mund, glühend rot. Ich spare mir weitere Geständnisse und überlege gefasst, wer meine DVD-Sammlung bekommen soll. Kurz darauf riecht es verbrannt und aus meinem Mund steigt weißer Rauch auf. Haben wir einen Papst? Jedenfalls haben wir ein Wunder. Der Schmerz nimmt nicht zu, der Schmerz lässt nach....

„Mit dem Laser geht´s besser, hm?“, die Dicke streicht mir über die Wange, „ich habe den Eindruck, mit dem Bohrer tue ich Ihnen zu weh“, der Rauch nimmt die Form eines Fragezeichen an. „Übrigens, wenn Sie Schmerzen haben, können Sie auch einfach die Hand heben oder Aua sagen.“ Wieso, Meisenweg 17 ist ja wohl mindestens ebenso unmissverständlich. „Der Laser ist zwar viel teurer als der Bohrer“, sagt sie und setzt die Behandlung fort, „aber bei sehr schmerzempfindlichen Patienten geht es nicht anders.“ Jetzt bin ich wieder Schuld. „Und Sie sind ja privat, da übernimmt die Kasse das“. Das Fragezeichen löst sich auf. Sie setzt Spritzen, die meine Ohrläppchen betäuben, aber meine Zähne nicht, sie bohrt am offenen Nerv, sie foltert mich - aber nur um den privaten Satz zu kassieren. Sie ist Zahnärztin! Ganz normale, harmlose Zahnärztin. Wie konnte ich zweifeln...

Später erzähle ich HK von meinem leidvollen Tag. Und der wundersamen Erlösung durch diesen kleinen geilen Leuchtapparat. „Ich wünschte, für mein Leiden gäbe es auch einen Laser“, sagt HK. Zum ersten Mal, endlich, spricht er das Thema von sich aus an. Das es immer erst weh tun muss... Am Ende war es doch noch ein guter Tag.

P.S. Und morgen fahren wir und erlösen Curd Rock. Mit Hilfe eines dieser kleinen geilen Flugapparate und für das Gemie gern aus meiner ganz privaten Kasse. Erlösungsbericht II am Montag!

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