Anleitung zum Entlieben

24.11.2005 um 14:37 Uhr

Familienpolitik

von: Lapared

Seit 25 Jahren verfolge ich, was mein Liebesleben angeht, eine ganz klare Haltung. Zumindest meinen Eltern gegenüber.

Nachdem mich Justus B. und Matthias K. - zwei frühpubertierende Schulkameraden - damals eines unseligen Samstagnachmittags uneingeladen zuhause besucht hatten, was meinen Vater noch Tage später zu lustigen Neckereien verlockte („Na, für wen hat unser junges Fräuleinchen sich denn so chic gemacht?“), und meiner Mutter am Ende jedes ihrer zahllosen bündnisschmiedenden Telefonate mit Genossinnen und Genossen als putziges Privat-Geplänkel diente („...hör ma, unsere L. hat jetzt zwei kleine Verehrer - schreist Dich weg!!!“), war meine offizielle und inoffizielle Stellungnahme zu diesem Thema die Folgende:

„Lieber Papa, liebe Mama... Meinen Ehemann lernt Ihr auf meiner Hochzeit kennen. Alles davor geht Euch einen Scheißdreck an!“

Und genaus so bin ich die letzten 25 Jahre auch verfahren. Nie, ich wiederhole NIE, habe ich ein männliches Wesen mit nach Haus gebracht (ein weibliches sicherheitshalber auch nicht, Eltern kommen ja leicht auf Ideen). Und wenn jemand fragte, ob es da jemanden gäbe, antwortete ich an auskunftsfreudigen Tagen „Niemand, den ich heiraten werde!“ und in weniger gesprächigen Phasen mit bezauberndem Lächeln... gar nicht.
25 Jahre lang hat das wunderbar funktioniert.

Und nun kommt Dick plötzlich daher und will Weihnachten mit zu meiner Familie.

„Dick“, sage ich, „ich weiß nicht, ich bin nicht so der „Vater der Braut“-Typ, können wir uns den Firlefanz nicht sparen? Heiligabend fahre ich zu meinen Eltern, beschenke sie großzügig mit meiner stumm lächelnden Anwesenheit und verzehre 2 Kilo Rotkohl mit brauner Soße und Apfelkompott. Aber danach komme ich gern und pupse in Deinen Armen gen Neujahr, okay?!

Natürlich war er verletzt. Natürlich. Aber 25 Jahre kompromisslose Familienpolitik deshalb gleich in den Wind schreiben? Einknicken und das dann womöglich noch als „Endlich erwachsen werden“ bezeichnen? Nee! Definitiv, unwiderruflich: nee.

Sorry.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAmster schreibt am 24.11.2005 um 18:49 Uhr:Super. Sehr konsequent. Den Satz bring ich diese Weihnachten auch mal zuhause an, wenn ich darf!?
  2. zitierenlucha schreibt am 24.11.2005 um 21:45 Uhr:ZWEIFELOS

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