Anleitung zum Entlieben

04.02.2007 um 18:19 Uhr

Frauchen

von: Lapared

Ein schöner Nachmittag mit Emmi und Freddy. Frauchen Lotte (ah, ein Frauchen!) ist immer noch sehr schlecht zurecht und Stieffrauchen Emmi (und noch eins!) ist wirklich ein böses Stieffrauchen, sie behandelt Freddy wie einen Hund (pfui, Freddy ist kein Hund sondern ein sturer aber liebenswerter, schwerstkranker alter Dackel), aber ich glaube Freddy steht drauf. Ich habe bemerkt, dass sein Stummel bei Feldwebel Emmi stärker wackelt, als bei der zärtlichen Lotte. Ich hoffe nur, sie selbst bemerkt es nicht.

Lotte war doch früher Deutschlehrerin und sie ist ganz wild darauf, mein Blog zu lesen. Ich bringe ihr Ausdrucke mit, wenn ich die beiden besuchen gehe, die liest Lotte dann zuhause auf ihrer Couch, während Emmi und ich, wir wilden Weiber, um die Alster laufen und dabei den Jungs nachsehen. Emmi darf das, sie ist süße achtzig und wieder Single, hat in ihrem Leben so viele Männer gehabt und doch alle wieder verloren, aus ihrem Herzen - das, sagt sie selbst, ein bisschen unstet schlägt, mal rasant, doch danach schnell wieder träge - an andere Frauen oder ganz einfach an den Tod, und ich, nun ja, ich denke, vielleicht bin ich auch noch nicht in meinem Hafen angekommen. Der, den ich dafür hielt, halten wollte, den ein Teil von mir immer noch dafür halten will, hat gestern Nacht – endlich passiert mal was im Bett - in meine blütenweißen Laken gekotzt.

Das dürfen Häfen, so ist es nicht, Häfen sind ruhig und sicher, aber manchmal auch schmutzig, es muss gut überlegt sein, ob man sie verlässt und das Weite sucht, nur um nach einer wilden, gefahrvollen Reise einen neuen Hafen anzulaufen, der vielleicht auch nicht besser ist. Häfen sind so. Im ruhigen Becken schwimmt viel Scheiß. Aber muss es denn so buchstäblich, so direkt vor meine Nase sein? Es war für uns beide nicht sehr angenehm.

Ich spaziere also mit Emmi und Freddy, wir checken die vorbeiziehenden Häfen, nicht ernsthaft natürlich, nur so als Spiel mit der Möglichkeit und stellen fest, dass es gar nicht so übel ist noch unterwegs zu sein. „Weißt Du...“ sagt Emmi, denn Sie duzt mich jetzt, wir haben angestoßen mit Kaffee und Gugelhupf, „weißt Du, das Leben ist ein Reise“, oh nee, Emmi, jetzt nicht solche Allgemeinplätze, „und zum Reisen gehört das Packen, es wird Zeit, dass Du Deine Koffer packst und diesem Suffkopp Lebewohl sagst, sitzt, Freddy, sitz!“ Das nenn ich ein Frauchen. „Mal sehen...“ sage ich, und laufe innerlich - wie Dackel Freddy äußerlich - völlig unbeeindruckt an der Seite meines Liebsten weiter. Freddy und ich, wir wissen, dass wir es tief in unserer Dackelseele selbst bestimmen, wie weit wir gehen und wann wir in Stimmung zum Gehorchen sind. Gell, Freddy, wir haben unseren eigenen Kopp.

Wieder zurück finden wir Lotte ganz enthusiastisch. Das ist herrlich, was Du da schreibst, Du bist reich, meine Liebe, Du hast ein Talent!“ Ich kriege glühende Ohren. „An Deiner Zeichensetzung und Deiner Rechtschreibung musst Du allerdings noch pfeilen!“ Pffft, Rechtschreibung, sicher meint sie Curd Rock. Noch ein Stück Kuchen und ich gehe nachhause, beziehe das Bett und fühle mich irgendwie leichter. Ich bin reich, hat sie gesagt, reich macht frei, Lotte und Emmi, zusammen geben sie doch ein ganz akzeptables Frauchen ab. Pack, Lchen, pack!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenpasiphae schreibt am 04.02.2007 um 18:59 Uhr:Danke für die Metapher, musste an meinen Hafen denken und sie passt. Hilft vielleicht irgendwann.
  2. zitierenNimien schreibt am 04.02.2007 um 22:56 Uhr:Die Hafenmetapher finde ich auch wunderschön.

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