Anleitung zum Entlieben

12.09.2006 um 22:10 Uhr

Fritz kann sich endlich hinlegen

von: Lapared

Das ist das Gesicht der Armut, dachte ich, als ich gestern Morgen die Filtertüte vom Vortag im Mülleimer entleerte und anschließend unterm Wasserhahn abspülte, weil es die letzte gewesen war. Das Gesicht der wahren Armut. Der Armut an Zeit! An Selbstbestimmung! An Freiheit! Hier verstanden als Möglichkeit, die scheiß Agentur mal 5 Minuten zu verlassen, um bei Spar neue Kaffeefilter kaufen zu gehen. Ich armes, armes Laparedchen, dachte ich, nix als Kohle scheffeln, zu mehr kommt man nicht.

Das ist das Gesicht der Demenz, dachte ich hingegen heute Morgen, als ich dieselbe Filtertüte ein zweites Mal im Mülleimer entleerte und danach unterm Wasserhahn spülte, weil ich die Filtertüten, die es mir gestern Mittag zu erwerben gelungen war, gestern Nacht im Büro vergessen hatte. Nur noch Werbung in der Schüssel, sann ich, das Leben außerhalb der Agentur existiert nicht mehr.

Das ist ein Arsch in meinem Gesicht, dachte ich schließlich heute Nachmittag, als ich das Vergnügen hatte, die Resultate meines selbst- und kaffeefilterlosen Einsatzes dem zuständigen Häuptling vorzutragen. Mit anderen Worten, das war mal wieder nix. Ich Flasche.

Nun habe ich die ganze Nacht Gelegenheit, alles noch mal und besser zu machen. Aber die gute Nachricht ist: Ich habe an die neuen Filtertüten gedacht. Und zumindest Fritz, so hatte ich den alten Kaffeefilter im Zuge unserer wachsenden Vertrautheit genannt, Fritz kann sich endlich hinlegen.


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