Anleitung zum Entlieben

22.04.2006 um 20:21 Uhr

Ganz kurz

von: Lapared

Heute muss ich mich wirklich kurz halten. Ich meine, wirklich kurz. Es ist wegen dieses Drehbuchs. Hab ich doch erzählt. Für Herrn O. wie die, wo waren wir stehengeblieben, na, sagen wir, wie die 1000 Oscars, die er mal gewinnen wird, und damit, versprochen, werde ich diesen schlappen, humpelnden, ach, rollstuhlgebundenen Running Gag auch endgültig zur Seite legen.

Na, jedenfalls. Das Drehbuch. Ich meine, es ist ja nur ein Kurzfilm. 15 bis 20 Minuten. Heißt 15 bis 20 Seiten, die schreibt ein erfahrener Lpunkt in drei Minuten, sollte man annehmen, und unter uns, Drehbuchseiten… Da steht doch nix drauf! Ein paar Regieanweisungen, ansonsten links Luft, rechts Luft und in der Mitte das bisschen Dialog, bitte!

Aber wie ich mich quäle…

Nicht, dass ich schon angefangen hätte. Das ist ja das Problem. Ich will, seit Tagen, aber … Lass mal so erklären. Ganz kurz, ich muss mich wirklich, wirklich kurz fassen. Es ist ein Studentenfilm. Heißt, ein Film, der nichts kosten darf. Und deshalb, ja deshalb, muss er richtig gut sein. Weil nämlich alle, alle, die dort mitmachen (WENN!) nur deshalb mitmachen, weil dieser Film richtig, richtig gut ist. Geld gibt´s ja nicht. Der Kameramann, die Schauspieler, der Beleuchter, der Kameramann, die Schauspieler... die alle machen diesen Film (WENN!!) umsonst. Die sehen nicht einen Euro. Die sind (WENN!!!) nur deshalb dabei, weil sie denken – sagte ich das schon? - dass dieser Film richtig, richtig, richtig gut wird.

Diese Verantwortung!

Man muss sich das so vorstellen. Ganz kurz. Herr O., von dem ja noch niemand weiß, dass es der Herr O. ist (der berühmte, legendäre 1001-fache Oscargewinner), wird das Drehbuch an Herrn Bleibtreu schicken, oder an Frau Jentsch oder an Frau Harfouch oder an… egal. Herr O. wie otal onbekannt schickt das Drehbuch also an wirklich namhafte Schauspieler. Und die sagen natürlich nein. Dann schickt er es an andere Schaupieler, wirklich gute Schauspieler, und die sagen wahrscheinlich auch nein. Aber selbst seine dritte Wahl, das sind immer noch recht renommierte Mimen, die können spielen, nicht nur Taxifahren, und damit die anbeißen, damit die sagen, kein Problem Herr O., ich arbeite gerne mal drei, vier Tage für Sie umsonst… dafür muss das Drehbuch richtig, richtig, richtig supergut sein.

Das schaff ich nie!

Und als wäre das nicht schwer genug: Der Scheiß muss Montag fertig sein. Montag! Nicht das ganze fantastische, begeisternde Drehbuch, zum Glück, aber zumindest zwei, drei Szenen, die in diesem fantastischen, begeisternden Drehbuch vorkommen könnten. Zwei, drei Szenen, die das Fantastische, Begeisternde dieses Drehbuchs quasi subsummieren, vorwegnehmen, in sich tragen, oh Gott, ich muss also das, was sonst ein ganzes Drehbuch leistet, auf drei vier Seiten bringen, ich muss, ich muss… aufhören. Aufhören die Wäsche zu bügeln, aufhören die Fenster zu putzen, aufhören den Eisschrank abzutauen, aufhören, mir in die Hose zu scheißen.

Und anfangen. Endlich anfangen.

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