Anleitung zum Entlieben

17.07.2006 um 23:01 Uhr

Ganztagsjob

von: Lapared

Seit Wochen geht es um nichts anderes als um Dick. Er bekommt meine ganze Aufmerksamkeit, Energie und Zeit. Gerne. Ganztagsjob Dick. Wie gut, dass ich mich nicht mit Erwerbstätigkeit aufhalten muss, oder Freundschaften, oder Interessen, und - Glückes Geschick! - selbst so etwas wie jene kleine WM kürzlich interessiert mich nicht. Ich habe kein einziges Spiel gesehen. Egal. Ganztagskick Dick.

Seitenlange Mails, stundenlange Telefonate, damit fing es an. Dann gemeinsam reisen (in seinem winzigen Zelt!). Jetzt also gemeinsam wohnen (in meiner noch viel winzigeren Wohnung!). Und seit Wochen muss alles Andere ruhen. Seit Wochen muss Wichtigstes ganz schnell nachgewiesen werden: Gefühlstiefe, Beziehungsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit... Seit Wochen absolvieren wir im Crashtest, wofür andere sich Jahre Zeit nehmen. Weil man die Frau Gemahlin schließlich nicht so lange auf eine Entscheidung warten lassen kann. Weil der Herr Gemahl schließlich wissen möchte, was er bekommt, falls er sie verlässt. Weil man Nest mit Nest vergleichen möchte und nicht Nest mit Vögeln.

Man? Dick.

„So, und darf ich jetzt mal sagen, was ich möchte?!“ Nordseeklima – Reizklima. Auch zu dieser Offenbarung hat mich die Seeluft gestern hingerissen. „Selbstverständlich!“ sagt Dick (Holländisch für: lieber nicht). – „Wenn´s nach meinen Wünschen ginge, liefe das Ganze so: Du verlässt erstmal Deine Frau! Du suchst Dir erstmal eine Wohnung! Eine Arbeit! Du baust Dir erstmal ein eigenes Nest, statt von einem ins andere zu flattern. Dein eigenes Nest, gern, liebend gern nur eine Astgabelung von meinem entfernt, in dem Du jederzeit willkommen bist, solange, bis wir hoffentlich bald ein gemeinsames bauen! So, mein Schatz, würde ich es mir wünschen.“

Tja. Wünschen kann man sich viel. Er sagt, für ihn käme das nicht in Frage. Er sagt, er würde nicht alles hinter sich lassen, sein Leben, seine Existenz, sein Zuhause... um danach in einer fremden Stadt alleine zu sein. Bei mir nur zu Besuch.

Und was soll ich sagen – das verstehe ich auch. Also weiter im Job. Und wie gesagt, zum Glück muss ich jetzt arbeiten. Noch ein Ganztagsjob. Das wird es uns erleichtern, hoffe ich.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNimien schreibt am 18.07.2006 um 07:41 Uhr:Deinen Wunsch kann ich absolut verstehen und nachvollziehen - und ich finde ihn nur fair. Warum sollst du allein das ganze Risiko tragen? Warum sollte er allein alle Fäden in der Hand halten? Du beweist ihm Gefühlstiefe, Beziehungsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit ... was beweist er nochmal?



    Mit jedem Eintrag, den du seit der Fußballpause hier schreibst, wächst mein Unbehagen. Das alles KANN nicht funktionieren. Das hat doch mit Liebe nichts zu tun. Er diktiert die Regeln und du verstellst dich, um ihn nicht zu verlieren. Was soll das? Die entscheidende Frage ist doch nicht: Ist dein Nest gut genug für den Herrn? Sondern: Wie sehr liebt er seine Frau und wie sehr liebt er dich? (Wobei ich mittlerweile glaube, dass er weder seine Frau liebt, noch dich.)
  2. zitierenElRayo schreibt am 18.07.2006 um 15:41 Uhr:Ganz genau. Sag ich auch.



    Warum suchst Du Dir nicht einen anderen?



    Der Kerl ist doch ein Baby.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.