Anleitung zum Entlieben

28.01.2013 um 02:30 Uhr

Haineid und Meerweh

von: Lapared

Gestern habe ich auf spiegel-online gelesen, dass man jetzt im Internet die Wege von Haien mitverfolgen kann. Die Haie tragen Satellitensender und auf sogenannten Tracker-Seiten kann man dann sehen, wo sie gerade so rum schwimmen. Nicht etwa, um beim eigenen Tagessport eine andere Route zu wählen, sondern um ihnen näher zu kommen. Innerlich. Das Ganze ist eine Idee von Naturschützern, um mehr Sympathie für die bedrohte Spezies zu schaffen. Ich fühlte mich ertappt.

Wenn ich schwimme und dabei keine blauen Kacheln unter mir sehe, schwimmt ein ungutes Gefühl immer mit. Mit einem Auge halte ich in nicht gechlorten Gewässern vollautomatisch nach diesen faszinierenden Mitlebewesen Ausschau. Da kann man mir noch so oft versichern, dass Haie in Baggerseen eher selten sind. Die Schwimmerin auf dem Filmplakat von „Der weiße Hai“, die winzig klein oben auf dem Wasser paddelt wie eine Aufzieh-Robbe in der Badewanne, während genau unter ihr in der Tiefe ein riiiiesiger zähnefletschender Hai auftaucht, das bin ich. Für immer. Egal in welchem Gewässer. Meine Angst vor Haien ist unauslöschlich in meine Badeseele gebrannt.

Aber eine hübsche Idee trotzdem, dachte ich. Dieses Hai-Tracking. Und probierte es mal aus. Auf http://sharks-ocearch.verite.com verfolgte ich eine Zeit lang die Wege Mary Lee, einer 5 Meter langen Haidame, die viele tausende Fans hat. Heute ist Mary Lee irgendwo vor Georgetown unterwegs. Das finde ich in der Tat sehr sympathisch. Sympathisch weit weg. Etwas anderes beunruhigte mich plötzlich viel mehr.

Irgendwie kam mir die Idee, wie es wäre, wenn man das mit mir machen würde. Wenn man mir einen Sender verpassen würde, sodass jeder meine Bewegungen im Internet mitverfolgen könnte. Lpunkt-Tracking, eine schreckliche Vorstellung. Schrecklich langweilig.

Mir fiel auf, dass ich mich seit Tagen (ach, Wochen!) immer nur zwischen drei Punkten hin und her bewege: Schreibtisch, Schwimmbad, Supermarkt… Schreibtisch, Schwimmbad, Supermarkt… Mein Leben spielt sich in einem Radius von 5 Kilometern um meinen Computer ab. Mary Lees Erlebnishorizont hingegen reichte im letzten Monat von Florida bis New Jersey. Okay, natürlich immer nur unter Wasser, aber trotzdem! Plötzlich fühlte ich mich ganz elend, mir fiel die Decke auf den Kopf. Lagerkoller. Wann würde ich mal wieder das Meer sehe? Ich war neidisch auf einen Hai!

„Komm, wir fahren mit Mama Bulli in die Waschstraße.“

Half weiß, wie man meinen Abenteuerdurst stillen kann. (Mama Bulli ist übrigens ein Transporter.)

Doch kaum vor der Tür, passierte das Unglück. Ich trat mit Schwung auf einen glitschigen Schneerest, flog und brach mir den kleinen linken Finger. Jetzt schreibe ich wie eine Schnecke und schwimmen kann ich erstmal gar nicht. Alles wegen Mary Lee.

Ich wusste es doch: Diese Haie sind ganz gemeine Biester. Und sie kriegen dich überall…

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenTheFan schreibt am 28.01.2013 um 07:09 Uhr:Ohje, Abenteuer Alltag :-( Gute Besserung!
  2. zitierendryad schreibt am 28.01.2013 um 07:48 Uhr:Oh je.. Gute Besserung!
  3. zitierenMartina schreibt am 28.01.2013 um 10:05 Uhr:Liebes Lchen, gute Besserung! Ich hoffe, es tut nicht zu sehr weh und alles wird wieder gut! Zum Glück soll das Wetter ja besser werden, sodass solch hinterlistige Schneerest-Attacken in Zukunft nachlassen.

    Ich habe übrigens gerade meinen Sommer-Urlaub gebucht. Eine Woche segeln im Mittelmeer. Ganz harmlos. Keine Schneerest-Attacken und auch keine Haie. Nur Delfine, aber die tun ja nichts, oder?
  4. zitierenIna schreibt am 28.01.2013 um 16:19 Uhr:Oje, armes Lchen, das tut sicher ganz schön weh... :-(
    Gute Besserung von uns allen hier!

  5. zitierenDie Drei Jumiörchen schreibt am 28.01.2013 um 17:28 Uhr:Liebes Lchem, das tut ums leid für dich! Sag dem ollem Fimger, das er schmell wieder heile werdem soll umd lass umser Papili mal dem Schmee fegem... Wo steckt der eigemtlich...???

    Dicke Heile-Kmutscherchem... :-***
  6. zitierenNicole schreibt am 31.01.2013 um 19:14 Uhr:Ach Lpunkt, irgendwie sehr beruhigend, dass ich mit meiner Hai-Angst (die mich sogar in Schwimmbädern heimsucht) nicht alleine bin. Danke dafür und gute Besserung! :)

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