Anleitung zum Entlieben

22.02.2006 um 22:25 Uhr

Interpersonelle Bedürfnisse

von: Lapared

Ich weiß, ich habe oft aufs Zugfahren geschimpft. Weil ich die Pünktlichkeit, die Voraussetzung ist, um daran teilzunehmen, als extrem widernatürlich empfinde. Wegen der Kegelvereine. Wegen der Eierbrote. Und weil es immer noch Menschen gibt, die tatsächlich glauben, nur weil zwei Sitze nebeneinander sind, wäre es auch akzeptabel, dass zwei Menschen darauf nebeneinander sitzen. Ich würde nie auf die Idee kommen, Doppelsitze wirklich als Sitzgelegenheit für zwei Personen zu missdeuten. Ich sehe darin grundsätzlich eine Sitzgelegenheit für eine Person mit Gepäck, der Wahlmöglichkeit zwischen Fenster und Gang und ihrem natürlichen interpersonellen Distanzbedürfnis (so nennen Psychologen den Mindestabstand, den eine Person von anderen gewahrt wissen möchte, weil sie sie sonst erdrosseln müsste), einem Distanzbedürfnis, das zwar individuell und kulturell verschieden sein mag, meiner Meinung nach aber immer, immer! mindestens einen Bundesbahnsitz beträgt. Ich sehe, das wollte ich damit eigentlich nur sagen, Zugfahren also grundsätzlich mit Skepsis.

Und doch werde ich am Wochenende 11 Stunden lang in der Bahn sitzen und von hier nach Amsterdam und 12 Stunden später wieder zurück fahren. Und das alles nur, weil ich so riesige Füße habe. Riesige 54 Quadratmeter groß, genau wie meine Wohnung. Und gleichzeitig auch ein mindestens ebenso riesiges Bedürfnis, den alten „Goudaschädel“ zu sehen. Ein interpersonelles Nähebedürfnis quasi. Ist es nicht schön...

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