Anleitung zum Entlieben

15.10.2005 um 23:59 Uhr

Kill Sweety

von: Lapared

Ich gehe davon aus, dass Curd alles brühwarm erzählt hat. Wahrscheinlich gleich gestern Nacht noch, kaum dass meine Schwester weg war. Ich bin vielleicht genervt. Ich! Wenn in neun Jahren in Deutschlands „heißester“ Werbeschmiede irgendwas von mir Eindruck gemacht hat, dann nicht meine unzähligen genialen Werbewürfe sondern mein legendäres Nervenkostüm. Ich war, das wusste jeder, durch Nichts zu erschüttern. Meine Reizbarkeit galt als die eines Weißbrots, meine Ruhe erschien manchen als grenzkomatös. Aber der gestrige Tag hat mich geschafft. Und ich frage mich: Wie macht dieser kleine, blonde Mann das? Wie bringt er es fertig, aus 500 Kilometern Entfernung allein mithilfe primitivster Mittel der Telekommunikation von morgens bis abends meine Befindlichkeit zu bestimmen? Ständig kommen SMS. Oder es kommen keine (und die sind die schlimmsten, stumm anklagende Schweige-SMS, die sagen: „See! Now I´m quiet! Guess why?“). Ja, ja, Handy abstellen, da bin ich dann auch irgendwann drauf gekommen. Aber wenn es aus ist, habe ich das Gefühl, ich trage ein stranguliertes Vögelchen in der Handtasche. Eigenhändig, kaltblütig erwürgt. Und wenn ich es wieder anstelle wird es zu mir aufblicken, mich anblinzeln und sagen: Verpiss Dich, verfickter Vögelchen-Würger! Hmpf. Know what I mean? Jedenfalls... Gar nicht so leicht das alles.

Meiner Schwester ging es übrigens genauso. Obwohl sie Dick gar nicht kennt, obwohl sie ihn aufgrund eines Fotos sogar mit dem für sie charakteristischen äußerst generösen „Sympathievorschuss für attraktives Aussehen“ bedacht hatte, war sie nach einer kurzen Kostprobe seines Telekommunikationsverhaltens nicht nur bereit für einen Vögelchenmord - sondern zum Zerstückeln und Vergraben der Vögelchenteile.

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