Anleitung zum Entlieben

12.03.2006 um 22:23 Uhr

Klare Fronten bei 90 Grad

von: Lapared

Heute war einer dieser Tage, an denen man unbedingt draußen gewesen sein muss. Die Sonne schien, in der Nacht war frischer Schnee gefallen, die Luft war klar und und klirrend kalt. Was läge näher, als nach der Arbeit noch ein bisschen ins Freibad zu gehen?

Ein Traum. Funkelnder Neuschnee rund um das türisfarbene Becken, das Wasser lauwarm aber dampfend wie ein heißer Teller Sternchennudelsuppe auf der Sonnenveranda einer Skihütte in 3000 Meter.

Beinahe quietschend vor Vergnügen mit kraftvollen Entchenpaddelschlägen und lang gestrecktem, vor- und zurücktuckerndem Hals durchpresche ich die von eisigen Windböen gepeitschten Dampfschwaden. Als ER plötzlich direkt vor meiner Nase aus den Fluten taucht: der nette Mann aus dem Bad, Dauerleser erinnern sich...

„Nee!“ bibber ich, denn im selben Moment, in dem man aufhört sich zu bewegen, fällt einen blitzschnell die lauernde Kälte an. – „Doch!“ bibbert er, ihm geht es offenbar nicht besser. – „Wir haben 6 Grad Minus und einen halben Meter Schnee, doch Du wie stets in Badehose.“ – „Aber mit Mütze!“ – „Bademütze! Weißt Du, dass ich Dich nur halbnackt kenne!“ – „Wird Zeit, dass Du mich ganz nackt kennst.“ Hoho! Ich tue, als hätte ich es nicht gehört. „Sollte ich irgendwann bei Dir im Krankenhaus liegen, wäre ich nicht überrascht, wenn Du in Badehose zur Visite erscheinst.“ – „Ich muss Dich enttäsuchen im Dienst trage ich einen Bikini!“ – „Einen weißen, hoffe ich.“ –„Willst Du mich nun nackt sehen oder nicht?“ Das war deutlich. „Sehr verlockend, aber… nein.“ – „Gut dann frage ich anders: Sollen wir in die Sauna gehen? Ich friere mir den Arsch ab...“ – „Das klingt schon besser.“

Und in der Sauna brach es plötzlich aus ihm raus. „Ich bekomme ein Kind!“ flüstert er. Ich schaue ihn erschrocken an: „Ist es von mir?“ - „Im Ernst, im Juni kriegt meine Freundin ein Baby“, er wischt sich den Schweiß von der Stirn, „so schnell geht das.“ - „Du bist Arzt, in weniger aufgeklärten Kreisen giltst Du immer noch als Partie!“ – „Hör auf.“ – „Das erhöht die weibliche Empfänglichkeit enorm, wusstest Du das denn nicht?“ – „Du bist fies.“ – „Aber wenigstens hast Du qualifiziertes Personal, war sie nicht Kindergärtnerin?“ – „Allerdings.“ - „Wann nimmst Du Dir eine Geliebte? Vor oder nach dem zweiten Kind?“ – „Interesse?“ – „Nein, Danke.“ – „Das war natürlich ein Scherz.“ – „Natürlich.“ Das Wasser rinnt ihm die Stirn herab. „Und Du, warum hast DU noch kein Kind?“ Mir selbst ist immer noch fröstelig. „Ich bin selbst eine Partie, das erniedrigt die weibliche Empfänglichkeit enorm“, sage ich und vergesse zu flüstern. „Du bist ein Arschloch“, grinst er, „DAS erniedrigt Deine Empfänglichkeit!“ – „Das möglicherweise auch!“ grinse ich zurück. – „Können wir nächste Woche mal ein Bier trinken gehen?“ – „Können wir!“ ich bin erfreut. „Und können Sie vielleicht endlich die Fresse halten?“ ein anderer Saunagast ist es nicht so.

Der nette Mann aus dem Bad... vielleicht wird ER ja ein Freund. Zumindest sind die Fronten hier geklärt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierendieFee schreibt am 12.03.2006 um 22:41 Uhr:Coool!! *thumbsup*
  2. zitierenlucha schreibt am 13.03.2006 um 18:12 Uhr:... oder auch ganz schön heisssssss!

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