Anleitung zum Entlieben

16.04.2006 um 00:01 Uhr

Land unterhalb des Meeresspiegels

von: Lapared

Und noch etwas Gutes hatte Paris... D. weiß jetzt, wie das bei mir ist. Er weiß, dass ich ihn manchmal, ziemlich oft, liebe, und manchmal, nach einer Nacht im Aschenbecher zum Beispiel in einer Filmkulisse ohne Streichorchester, nicht. Er weiß auch, dass es mir leichter fällt, jemand zu lieben, der mich nicht liebt, als jemanden, der mich liebt. Er weiß, dass er vielleicht nie das von mir bekommen wird, was er von mir will („Alles!“) und muss selbst entscheiden, ob das, was er bekommt („Ich bin da! Schon sieben Tage, ununterbrochen...“), ihm genügt.

Aber hat er eine Wahl? Genau wie ich selbst vor nicht allzu langer Zeit wird er sich sagen: wenig ist besser als nichts. Wird nehmen, was er kriegt. Wird den Status Quo akzeptieren. Ist nett. Erstmal. Solange bis sich die Wogen geglättet haben, bis sein Schiffchen wieder in ruhiger See segelt, bis er es wagen kann, einen neuerlichen Vorstoß zu starten. Dann wird er mir mehr oder weniger deutlich zeigen, wie unglücklich er ist. Wie weh ich ihm tue. Wird hinter der Freundlichkeit seine Kränkung durchblicken lassen. Und ich werde eine Zeit lang so tun, als ob ich es nicht bemerke. Er wird also deutlicher, dann muss geredet werden, und wahrscheinlich werde ich ihm nachgeben. Erstmal. Ich rede nicht gern. Und genauso wahrscheinlich nehme ich, was ich nachgegeben habe, bald wieder zurück. Allerdings: nicht alles, nicht vollständig, alles bis auf ein kleines Stückchen. Und so, auf diese mühsame Weise wird Dick versuchen, behutsam, Stückchen für Stückchen, Territorium zu gewinnen. Ach Dick...

Woher nimmt er nur die Zuversicht? Weil er ein Mann und Landnahme männlich ist? Weil er Löwe ist? Und, nicht zu vergessen: Holländer?!

Die Holländer haben das ja drauf. Sie können das. Sie mussten das, um satt zu werden. Einem anderen Element, zum Beispiel dem Meer, stückchenweise Territorium abringen. Rund ein Viertel ihres Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Die Holländer haben den Dreh raus, seelenruhig hinter den Deichen zu leben, in bestem Gottvertrauen, dass nichts passiert.

In Moment ist die See in der Tat sehr friedlich. Sehr. Glitzert leise in der Abendsonne als könnte sie gar nichts anderes. Wir sitzen in der Küche und malen – ziemlich bekifft, zum Soundtrack von Garden State – Ostereier an.

Ich hab mich nie wohler gefühlt. Ich glaub, ich kann wirklich nicht anders...


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