Anleitung zum Entlieben

25.11.2006 um 15:42 Uhr

Lapareds Freitag am Samstag

von: Lapared

(Bevor ich gestern Nacht feststellte, dass die blogigo-Seite nicht geht, berichtete ich dies von Lapareds Freitag…)

Wie versprochen, verkackt. Immerhin darf ich um Sieben gehen. Danke und auf Nimmerwiedersehen.

Im City-Spar treffe ich… ach hallooo!!!… jeden. Der City-Spar mit Feinkost-Käfer-Flair ist eine Institution und freitagabends die After-work-Location des gehobenen Innenstadt-Werbers mit Alsterblick. Der High-End-Kreativen. Am Wochenende müssen auch sie sich teilweise zuhause verpflegen, denn samstags und sonntags beginnt die Arbeit in der Regel erst ab elf. Der Werber braucht Lavazza für seinen Saeco-Kaffeevollautomat. Und Basilikum. Ab einem bestimmten Punkt braucht man frisches Basilikum. Ich bin noch nicht so weit. Fast an der Kasse sehe ich plötzlich… ach hallo… auch HK. „Na?" – „Na?“ Betretener Blick in die Einkaufskörbe. Brot, Milch, der gute Brie… alles andere haben wir auf Vorrat, dies ist der City-Spar mit Käfer-Flair, kein Dealer. „Wie war der Job?“ – „Verkackt. Wie war die Woche?“ – „Beschissen. Gehen wir was Essen?“ – „Gehen wir was Essen.“ Wir lassen die Körbe stehen und verlassen den Club. Gegenüber kaufen breitschultrige Mittfünfzigerinnen in Männerschuhen grau-schwarze Yamamoto-Gewänder, die sie – vermutlich zu schneeweißen Herrenhemden - bei der Premiere der kontroversen XY-Inszenierung im Schauspielhaus tragen werden. Was an zarten Asiatinnen zauberhaft wirkt, macht aus Frau Dr. Schmiede-Sulthaupt einen Trampel. Ihr Akademikerinnen-Kopf schaut aus dem Kleid wie aus einem Wigwam. Wir sehen es und müssen grinsen. „Sexy stuff, hm?“ Je weniger wir reden, desto besser scheinen wir uns zu verstehen. „Zieh doch mal an.“ Ich schüttle den Kopf. „Ich bin nicht so für´s Zelten.“ Zu wem hatte ich das nur schon mal gesagt? Ich denke an meine erste Nacht im Zelt im hohen Alter der nahenden Vierzig auf einem Zeltplatz eine Stunde nördlich von Amsterdam, während mein Land im Fußballzauber lag. Ich denke an den Geruch der Öllampe, die nachts im Vorzelt brannte, die warme Milch auf dem Gaskocher morgens für den Kaffee und das Spülen der angebrannten Töpfe vor den Waschräumen unter freiem Himmel. Wir hatten großes Glück mit dem Wetter. „Wo gehen wir hin...?“ fragt HK. Ich denke an das einzige Spiel, das ich schließlich doch gesehen habe, ich denke an das Spiel Deutschland gegen Italien, bei dem ich – wegen des gelben Kennzeichens seines blauen Wagen - als vermeintliche Holländerin zwischen Italienern vor der Großbildleinwand eines Campingplatzes in den Schweizer Alpen saß. Was finden die nur immer noch am Hitlergruß? Wir stehen vor einem Restaurant. „Italiener?“ – „Klar.“ Das Leben geht weiter.

(Heute, am Samstag, reicht es vielleicht, dies hinzuzufügen…)

Wir waren einfach essen und es war gut. Wir haben über die Arbeit geredet, die wir gemeinsam haben, über Menschen, die wir beide kennen, und immer wussten wir, dass es noch mehr gibt, womit wir beide täglich umgehen, und worüber man nicht reden muss. Eine Annäherung, keine Annäherungsversuche, drei geteilte Stunden, danach ging man auseinander, weiterleben. Was ich sagen will… Ich weiß nicht, was das wird und wo es hinführt. Dies ist kein Buch, leider nicht, es folgt keinem Plan, keiner idealen Spannungslinie, es geschieht und manches verläppert sich auch einfach. Pointenlos.

Es war ein angenehmer Abend.


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