Anleitung zum Entlieben

11.07.2009 um 19:50 Uhr

Lchen in Hochglanz

von: Lapared

Ich wohne in einem Haus, in dem die einzigen Fenster im Treffenhaus aus Holz sind und nur geöffnet werden, wenn einer der Hausbewohner Stuhlgang hatte. Ja, nun. Es ist eben ein sehr altes, sehr unsaniertes Haus.
Aus irgendeinem Grund sind diese Klo-Fensterchen außerdem stets mit Aufklebern versehen, durch welche die in der Mehrzahl ebenfalls schon älteren, gesetzteren Hausbewohner zusätzlich ihre tiefen Überzeugungen nach außen tragen („Streitkräfte des Warschauer Paktes“, „Autofrei, Spaß dabei: 27. Sept. 1981", „ProHanf“) Und jedem Besucher, der das Treppenhaus durchsteigt, wertvolle Denkanstöße mit auf den Weg geben („Dein Fernseher lügt!“, „Free America!“). Und natürlich ist jedes Fensterchen in einer anderen, schönen Farbe lackiert. Ein fantastisches Haus also - wo bitte darf man so etwas noch?

Ein bisschen komisch kam ich mir dennoch vor, als letzte Woche eine Stylisten im Auftrag des Hochglanz-Magazins myself mit ihrem Reise-Trolley voll mit Concealern, Foundations, Liplinern etc. dieses Treppenhaus hinauf zu meiner Wohnung erklomm (teilsaniert mit neuem WC und Lüfter!). Und kurz danach auch noch ein Profi-Photograf samt Profi-Assistent und Profi-Equipment. Huihuihui. In der nächsten myself wird es nämlich einen kleinen Text über mich geben, mit Bild, und dafür wurde ich zuvor ein wenig hübsch gemacht. Aber wirklich nur ein bisschen. Meine Haare fallen eigentlich immer in so schönen sanften Wellen. Und ich habe tatsächlich einen ganz ebenmäßigen Teint. Im Grunde steige ich genau so morgens aus dem Bett und dass WE mich später mit „Was machen Sie in Lchens Wohnung?“ begrüßte, heißt nichts. Gar nichts. (Dann sagte er noch: „Ach, und haben Sie heute Abend schon was vor?“ Höm. „Und… würden Sie mich heiraten? Wissen Sie meine aktuelle Freundin will mich nämlich nicht…“ Hmpf. Er hält sich dran, ich hasse hasse hasse das!)

Bezüglich des Hausflurs hatte ich mir übrigens völlig umsonst Sorgen gemacht. Man hatte durchaus Sinn für den speziellen Charme dieses Entrées (zumal die Fensterchen gerade allesamt geschlossen waren, halleluja!). Und auch für den Charme meiner Wohnung, der zwar ähnlich unaufdringlich wie der des Treppenhauses ist, aber dem netten Photograf mit seinen feinen Antennen für Ästhetik natürlich nicht entging. Er war begeistert! Begeistert von dem Fahrrad, das in meiner Wohnschlafarbeitsküche stand (japanischer Herkunft, wie er). Er hat es immer wieder fotografiert. Klick, klick, klick. Und noch mal die hübsche Klingel. Klick. „Ein paar Mal bist du aber auch mit drauf“, beruhigte er mich zum Schluss. Ahpuuuuuh. „Es kann höchstens sein, dass ich deinen Kopf oben abgeschnitten habe.“

Na, wir werden es ja sehen ;)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenechtzeitmaerchen schreibt am 12.07.2009 um 14:58 Uhr:--- und wir wollen es sehen! Ich zumindest! Speziell auf die Wohnung bin ich gespannt, nachdem ich auch eine Zeit in einer mit Ölofenheizung gelebt habe, die aber sehr schön war.
  2. zitierenBritta schreibt am 13.07.2009 um 20:51 Uhr:Dann kommt bestimmt auch bald "schöner Wohnen" zum Foto-Shooting :-)

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