Anleitung zum Entlieben

10.04.2011 um 19:45 Uhr

Lchen macht in Politik

von: Lapared

Es ließt sich so harmlos: Weizenmehl, Margarine, Wasser, Emulgatoren (E471, E322, E472e, E481), Säuerungsmittel E330, Konservierungsstoff E202, Feuchthaltemittel E422, Stabilisator E420, Antioxidationsmittel E300... Und doch verbirgt sich hinter diesen harmlosen Zutaten eins der gefährlichsten Suchtmittel unsere Zeit. Die sogenannte Lütticher Zuckerwaffel des PENNY-Zulieferanten "Café Time". Vier Stück einzeln verpackt. Ich bin süchtig danach.

Und ich bin außerdem für eine Legalisierung gewisser Drogen. Wir sollten es machen wie in den Niederlanden. In den Niederland hatte ich nie Probleme mit Belgischen Zuckerwaffeln. Dort gab es sie bei der Supermarktkette Albert Heijn an jeder Ecke spottbillig zu kaufen, und ich konnte ihnen problemlos widerstehen. Zur Not, wenn ich nach dem ersten 12-er Pack nicht aufhören konnte, bin ich rasch in den Coffee-Shop gleich neben Albert Heijn und habe ein Tütchen geraucht. Schon war alles gut.

Erst hier in Hamburg, wo Lütticher Zuckerwaffeln von allen großen Lebensmittelhändlern wie PENNY, REWE oder ALDI boykottiert werden und nur dann und wann als rare Aktionsware im Regal auftauchen, sind sie für mich ein Suchtartikel geworden. Wenn es sie mal gibt, kaufe ich den ganzen Aktionstisch leer. Ein paar Tage bin ich im totalen Zuckerwaffel-Rausch. Momentan gibt es sie - Osteraktion! - und ich habe in den letzten Tagen so viele Zuckerwaffeln gegessen, dass ich mich selbst wie eine Waffel fühle. Und so aussehe. Mein Gesäß und meine Oberschenkel haben bereits das typische Dellenraster. Eine Folge falscher Zuckerwaffel-Politik in Deutschland!

Apropos Politik. Die SPD hat hier in Hamburg ja ganz fett abgesahnt. Zeit für mich, endlich zu meinen sozialdemokratischen Wurzeln zu stehen und mich offen und ehrlich auf die Seite der Sieger zu schlagen. Ich werde in die Hamburger SPD eintreten. Eine Lockerung der restriktiven Zuckerwaffel-Politik wird nicht das Einzige sein, für das ich mich engagiere. Hamburg, idyllisch gelegen in der Nähe von Krümmel und Brunsbüttel, braucht mich. Olaf Scholz braucht mich. Ich habe vor, mein Sprachtalent zukünftig in den Dienst einer größeren Sache zu stellen und dem Bürgermeister meiner Stadt die Reden zu schreiben. Er weiß davon noch nichts, aber er wird schon sehen, dass das besser für ihn ist, für uns alle, für Deutschland. (Sehen Sie, ich kann das. Und vor allen kann ich dank meiner enormen sprachlichen Beweglichkeit Zusammenhänge herstellen und Brücken geschlagen, egal wohin, ein echtes Pfund in der Politik.)

Womit wir wieder bei den Lütticher Zuckerwaffeln wären. Ich bin ein Berliner, sagte John F. Kennedy anlässlich des 15. Jahrestages der Berliner Luftbrücke vorm Schöneberger Rathaus. Worte, die in die Geschichte eingingen.

Ich bin eine Zuckerwaffel, wird Olaf Scholz sagen. Eines Tages, wenn er erschöpft von den großen Themen kurz vor Feierabend noch mal vor den Senat tritt und sich für eine ganzjährige Listung der Zuckerwaffel in Hamburgs Supermärkten einsetzt.

Es wird keine historische Rede sein wie die des Fürsprechers des Konkurrenzgebäcks. Niemand wird sie drucken, zitieren, das Ausland wird kaum Notiz davon nehmen. Aber sie wird überzeugen. Und Olaf Scholz wird damit aus vielen Süchtigen wieder glückliche entspannte Menschen machen, die wissen: Es gibt die Waffel von nun an immer. Ich muss sie nicht heute essen, sie ist morgen auch noch da.

Das ist Bürgernähe, hautnah. Nicht nur in Hamburg, genauso in Berlin und überall auf der Welt, wo Menschen leben, die Zuckerwaffeln lieben. Danke, Olaf Scholz.

Hach, ich freue mich auf´s Reden schreiben ;)  

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPenelope schreibt am 10.04.2011 um 23:36 Uhr:Weia! Grüße aus Berlin ... Apropos, schreib doch mal was zum Pralinenproblem der Menschen in diesem unseren Lande. Auch hier ist Belgien eine der Hauptquellen allen Übels. Ich sage nur weiße Pralinen. Mit Sahne. Neuhaus! Godiva! ("...Tiffany's ... Cartier...
    Talk to me, Harry, Winston, tell me all about it!" würde Marilyn jetzt singen). Ob Diamanten, Zuckerwaffeln oder weiße Pralinen - alles das sellbe ... Und Berlin bleibt doch Berlin!
    P.S.: Glückwunsch, das Leerformeln dichten gelingt auf landesüblichem Profiniveau - und ist im Pathos ungefähr so klebrig wie ich mir die Zuckerwaffeln vorstelle. Was sagt eigentlich Curd zu alledem, und was sind seine Drogen?! Leerformeln müssten seinem ungebrochenen Naturell doch auch liegen ..
  2. zitierenAndrea schreibt am 12.04.2011 um 15:33 Uhr:Satan weiche von mir! Als ob ich nicht schon genug Probleme habe, kommst du mir diesen blööööden Waffeln. Ich bin praktisch ein Lütticher Waffel Junkie und mußte mir die nun sofort kaufen Dabei hab ich bereits multiple Süchte. Warum mußt Du hier sowas schreiben, wo so labilen Personen, wie ich, hier mitlesen.
    Ich habe übrigens ein Rezept für diese Dinger. Frisch gebacken schmecken die noch tausend mal besser und sie sollen sogar haltbar sein... hahahahaha
  3. zitierendiddlmausanja schreibt am 12.04.2011 um 18:04 Uhr:Was ein Zuckerschock alles auslösen kann, sehr bedenklich.
    Es scheint die Sinne so zu benebeln, dass man freiwillig in die Politik geht. Dabei kenne ich sowas ähnliches: Toffifee. Gaaaaaaanz böses JuJu !!! Nur gelacht habe ich danach nie, wenn die Pfunde auf der Hüfte sich wieder finden ( obwohl es immer heisst: es steckt viel Spaß in Toffifee). Ja Kalorien sind kleine Tierchen, die Nachts die Kleidung enger nähen.
    Sollte jemand ein Pestizid dagegen finden: ich gebe gerne meine Maildadresse.
    Lg an alle Leidensgenossen.
  4. zitierenAndreaken schreibt am 13.04.2011 um 10:42 Uhr:@Andrea: Raus mit dem Rezept aber Dalli! Sabber!
    P.S.: Warum gibt es eigentlich wiederverschließbare Schokoladenverpackungen??? Wer braucht denn sowas?
  5. zitierendiddlmausanja schreibt am 14.04.2011 um 20:10 Uhr:@Andreaken: unser Gewissen....wir könnten aufhören...( Konjunktiv 2, etwas was unwahrscheinlich ist, war oder sein wird) :o)
  6. zitierenAndreaken schreibt am 15.04.2011 um 10:08 Uhr:@diddlmausanjaWie? Aufhören...meinst du Schokolade zu essen? Das ist kein Konjunktiv, das ist Science-Fiction. ;)
    Oh Mannomann: Zucker wird knapp. Ich geh jetzt erstmal Hamsterkäufe tätigen. Mädels seid stark!
  7. zitierenNordseeduene schreibt am 16.04.2011 um 23:08 Uhr:Lchen, ich wähle Dich sofort, denn Deine Reden sind jetzt schon klasse ;)
    Und wenn wir schon dabei sind: wie wäre es mit einer Zuckerwaffel mit Curds Konterfei? Mmmmmmmh!
    Bin ich froh, dass ich diese Waffeln noch nicht entdeckt habe, ich wäre bestimmt auch süchtig danach
  8. zitierenIna schreibt am 17.04.2011 um 16:14 Uhr:Eieiei,
    das mit den Waffeln war eine tolle Idee, hier gibt es jetzt belgische Butterwaffeln, sehr lecker, sehr süss und garantiert ohne Kalorien... - sagen zumindest unsere Jumiörchen und da die gertenschlank wie Walfischchen sind, muss da ja was dran sein... ;-)))

    Die wiederverschliessbaren Schokoladenverpackungen sind für die 300g Tafeln Noisette von Milka, die schafft man (fast) nicht komplett...

    Wo ist denn nun das Rezept??? :-)))

    Schönen Sonntag für alle!

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