Anleitung zum Entlieben

30.10.2006 um 23:51 Uhr

Libido lost oder... Lapared verblödet

von: Lapared

„Ist heute wohl nicht so Dein Tag?“ nölt Willi. „Nein, Willi, irgendwie nicht“, antworte ich sanft. Wir Freunde der Psychoanalyse quittieren solcherlei Geschehen mit Gelassenheit und wissendem Lächeln.

Schau, Willilein, es ist doch so. Sagt Dir der Begriff der Sublimierung was? Sublimierung, das ist die Umwandlung sexueller Triebenergie, sogenannter Libido, in geistige Leistung. Schnöder unbefriedigter Geschlechtstrieb wird in wunderbare Sonette, herrliche Kirchenmalerei voller nackter Weiber oder die Erfindung der Wasserstoffbombe kanalisiert - sacht Siggi. Nach Ansicht der Psychoanalyse fußt jegliche Kultur auf der Voraussetzung, dass der Mensch nicht ficken darf, wie und wann und wen er ficken will. Eine dolle Sache, aber die Kehrseite der Medaille ist, dass der Mensch, der gar nicht das Bedürfnis verspürt zu ficken, zur Null verdummt. Keine Ode an die Freude, keine Venus von Milo, keine cholesterinspiegelsenkenden Brotaufstriche... und auch keine genialen Werbekampagnen dafür, Willi.

Schau... ich hab halt nix zu sublimieren! Du UNbefriedigst mich ja nicht! Wie auch, ich hab doch gar keine Lust mehr auf Dich! Woher sollen das Genie denn kommen, Willichen?

Selber Schuld.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenBloomsbury schreibt am 31.10.2006 um 13:28 Uhr:Was machst du denn?
  2. zitierenGastleserin schreibt am 31.10.2006 um 13:59 Uhr:Schreibe gerade ein Referat über Freud und den Sublimations-Begriff. Darf ich Dich zitieren ;)))
  3. zitierenBürger B. schreibt am 31.10.2006 um 15:43 Uhr:Die Libido verschwindet nicht einfach so, sie migriert nur manchmal in Bereiche, in denen sie der Betroffene nicht vermutet. Dabei kann die Menge der Libido von Mensch zu Mensch verschieden sein. Treffen hoch- und niedriglibidinöse Individuen aufeinander, bleiben erstere unbefriedigt, während letztere den Vorgang nicht einmal bemerken. In gar nicht so seltenen Fällen sublimiert die überschießende Libido des energetischeren Partners nun einfach in eine ebenfalls kraftraubende Konflikt-/Verweigerungshaltung gegenüber dem vormaligen Sexualobjekt, mit der dieses nun ein zweites Mal völlig überfordert wird.

    Das hochlibidinöse Individuum steht in dieser Phase am Scheidepunkt.

    Im ungünstigen Fall behalten die Bindungskräfte die Oberhand, so dass die Entäußerungen der Libido zwischen den Extremalpunkten Liebe/Hass aufgeregt hin und her oszillieren, ohne dass das Individuum sich vom Sexualobjekt wirklich lösen kann. Eine solche Entwicklung ist um so wahrscheinlicher, je weniger das betroffene Individuum eigene Ich-Stärke im Laufe seines Lebens entwickelt hat.

    Im günstigen Fall gelingt die Loslösung und es folgt dieser Erfahrung eine mitunter sogar beglückende neue Leichtigkeit des Seins mit geeigneteren Sexualobjekten :).


    PS:
    Nicht um die brilliante Erklärung der Sublimierung zu bemäkeln, sondern um der Ehrenrettung der Psychoanalyse willen muss erwähnt werden, dass selbst der Meister nicht daran glaubte, dass ALLE Libido ohne psychische Selbstschädigung in Kulturleistung umwandelbar ist, sondern immer nur ein gewisser Anteil davon. Der/Die ungevögelte und verklemmte Bildungsbürger/in kann sich also NICHT auf Freud berufen, wenn er/sie uns seinen/ihren unerotischen Lebensentwurf als zivilisatorisch wertvolle Kulturleistung verkaufen will.

    „Im allgemeinen habe ich nicht den Eindruck gewonnen, daß die sexuelle Abstinenz energische, selbständige Männer der Tat oder originelle Denker, kühne Befreier und Reformer heranbilden helfe, weit häufiger brave Schwächlinge, welche später in die große Masse eintauchen ...“ (Freud, Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität, 1908)
  4. zitierenElRayo schreibt am 31.10.2006 um 17:53 Uhr:Ja, Sublimation, ich bin über Moravia darauf gestossen und hab es probiert;
    an sich hätte min. eine zweite Mona Lisa rauskommen müssen.

    Ich bin rasch wieder davon abgekommen (zwei Tage).
  5. zitierenKing Fisher schreibt am 01.11.2006 um 14:30 Uhr:Schöne Erklärung!
  6. zitierenGast schreibt am 04.11.2006 um 16:51 Uhr:hilfe....ich versteh kein wort...

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.