Anleitung zum Entlieben

20.01.2013 um 18:30 Uhr

Licht aus!

von: Lapared

Sie haben eine neue Laterne aufgestellt, direkt vor meinem Schlafzimmerfenster. Zum Glück habe ich ein lichtdichtes Rollo. Aber wie Rollos so sind, schließt es an den Rändern nicht dicht ab. Das Laternenlicht, das nachts durch die Ritzen quillt, wäre ausreichend zur Durchführung einer Wurzelkanalbehandlung. Doch wer will das schon im Bett.

Diese Lichtverschmutzung überall ist eine ernste Sache. Nicht nur wegen der Milliarden Insekten, die jede Nacht Opfer deutscher Straßenlaternen werden. Und der armen Zugvögel, die sich verirren und elend umkommen. Das Fehlen nächtlicher Dunkelheit ist auch für den Menschen ungesund, sagen die Forscher. Manche haben sogar den Verdacht, es erhöhe das Krebsrisiko. Sehr ernst ist das also mit dem blöden ständigen Licht.

Ich schrieb daher an die Stadt, sie sollten die Laterne doch bitte wieder wegnehmen. Mein Schlaf werde gestört und mein Hormonsystem gerate ohne natürlichen Tag-Nacht-Zyklus ganz aus den Fugen. Außerdem bestehe keine Fluchtgefahr, die Straße vor meinem Schlafzimmer müsse nicht beleuchtet werden wie der Grenzzaun um Guantánamo. Die Energie könne man gut sparen!

Ich wartete ein paar Tage. Und schlaflose Nächte. Als zu meinem großen Erstaunen niemand meiner Bitte nachkam, kaufte ich mir in der Apotheke eine praktische Schlafbrille. Seitdem schlafe ich nachts wieder prima. Das Problem jetzt ist, dass ich nicht mehr aufwache.

Ohnehin leide ich ja unter dieser selektiven Taubheit für monotone, morgendliche Piepsgeräusche (ein Gendefekt). Aber die totale Schwärze über meinen Augen scheint mein Hörvermögen zusätzlich einzuschränken, ohne Licht höre ich den Wecker gar nicht mehr. Ich schlafe und schlafe, bis irgendwelche furiosen Alpträume von Killer-Kaffeemaschinen in Klingonenkostümen mich hochfahren und schnell in der Küche nachschauen lassen, ob mit meinem eigenen Maschinchen alles fein ist… Ich komme zu nichts.

Ich werde der Stadt noch mal schreiben. Ich werde fragen, ob sie als stimmige Ergänzung zu der Guantánamo-Leuchte auch so eine JVA-Sirene installieren können, die morgens vor meinem Schlafzimmerfenster losheult.

Diesmal antworten sie bestimmt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenMartina schreibt am 20.01.2013 um 18:58 Uhr:Du hast eine sooooo geniale Art zu schreiben! Du MUSST einfach wieder an den Rechner und ein neues Buch auf den Markt bringen. Habe mich schlapp gelacht beim Lesen. (Obwohl mir dein sehr ernst zu nehmendes Problem natürlich sehr nahe ging! Bin immer noch tief betroffen! (c: )

    Was die Helligkeit angeht. Früher haben wir die Laternen immer ausgetreten, ich weiß allerdings nicht, ob das bei den neumodischen Dingern noch geht, da ich aus dem Alter raus bin.

    Schlafe gut und wache noch besser auf!
  2. zitierenIna schreibt am 20.01.2013 um 19:40 Uhr:Oh, ich beneide dich, ich möchte auch mal soooo schlafen können....

  3. zitierenJuna schreibt am 20.01.2013 um 20:04 Uhr:Hab auch sehr gelacht eben! Wobei ich das total umgekehrte Problem habe. Mich beruhigt meine Straßenlaterne und ich mag die Helligkeit, die mir erlauben würde, mir des Nächtens die Fußnägel zu lackieren.

    Seit ein paar Tagen ist die Lampe kaputt. Schwarze Nacht auf der Straße. Wenn ich abends noch mal auf dem Balkon nach Luft schnappe, bevor ich mich ins Bett begebe, umfängt mich finsterste Dunkelheit und meine Verweildauer liegt bei 14 Sekunden; innerlich wie äußerlich schlotternd schließe ich schnell wieder die Tür und rette mich ins heimelige Licht nach drinnen. Ich hoffe, es kommt bald der Lampen-Mann und stellt die Ordnung wieder her.
  4. zitierenPe67 schreibt am 20.01.2013 um 21:15 Uhr:Herrlich, ich habe eben auch laut aufgelacht :o) Hat mir einen sehr bösen Blick des fernsehenden männlichen Wesens im Sessel eingetragen. Aber da steh' ich drüber! Und ich hätte spontan auch ans Austreten der Laterne gedacht, das ging hier früher auch!!! Aber wahrscheinlich ist das bei den neumodischen Dingern heutzutage anders. Aber probieren täte ich es mal, wenn es mit der JVA-Sirene wider Erwarten nicht klappen sollte :o)
    Viel Glück!
  5. zitierenTheFan schreibt am 20.01.2013 um 21:23 Uhr:Tja, Lichtsmog überall - in den Städten wird es nicht mehr Dunkel, und selbst auf dem Land blinken nachts die roten Lichter der Windmühlen, die man größtenteils nicht bräuchte, wenn nicht überall sinnfrei Energie verblasen würde :-/
  6. zitierenGast schreibt am 25.01.2013 um 23:58 Uhr:Licht- und Lärmverschmutzung verstopfen alle feinen Antennen von uns Schreibeulen. Geht gar nicht. Aus Notwehr lege ich mir im Morgengrauen das flauschige Riesenohr von Stoffhäsin Schnuffine über die Augen. Aaaaaah...tut das gut.
  7. zitierenNugget schreibt am 26.01.2013 um 10:56 Uhr:Hallo Elchen, was ganz anderes: Gerade lese ich ein schönes Buch von jemand anderem, und darin kommt - auf Umwegen - ein "holländischer Tulpenmann" vor, von dem nicht klar ist, ob er ein Eheschwindler ist. (Eigentlich ist es ein Buch, in dem ein Buch vorkommt, in dem der holländische Tulpenmann vorkommt. Das Buch heißt "The Fault in our Stars"/"Das Schicksal ist ein mieser Verräter", das Buch, das darin vorkommt, heißt "An Imperial Affliction", und der Holländer, der darin vorkommt, heißt "the Dutch tulip man". Hoffentlich war das nicht zu verwirrend.) Das Buch ist sehr schön, aber es ist viel jünger als dein Blog. Will sagen: Mit dem holländischen Tulpenmann hast du vielleicht einen echten, zitierfähigen Schurken geschaffen, der jetzt seinen festen Platz in der Weltliteratur hat. Oder sogar ein Topos. Ist doch toll, oder?
    Liebe Grüße, Nugget
  8. zitierenascentive schreibt am 27.01.2013 um 23:46 Uhr:Ich glaube, dass ich besser mit dem Licht, als mit einer Schlafbrille schlafen könnte. In jedem Fall ist es eine Beeinträchtigung - vielleicht ein Grund die Miete zu reduzieren ..... nur so ein Gedanke .....
    Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Vorhaben.

    LG Anja

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