Anleitung zum Entlieben

08.10.2006 um 17:27 Uhr

Lpunkt stinkt´s

von: Lapared

In einer Welt der Würstchen war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein besonders winziges findet, das sich über Lapareds Schwimmstil amüsiert.

Ich tuckere gerade so das Becken entlang, als mir eine originelle Gespächseröffnung entgegenbläßt. „In der Agentur trägst Du nie Lippenstift“, schnauft Heino, ein Freelancerkollege, den ich plötzlich auf der Nebenbahn entdecke, „warum ausgerechnet auf der 50 Meter Bahn?“ Er bepisst sich fast. „Mein lieber, ahnungsloser Freund“, sage ich taumelnd von seinem Mundgeruch, „in der Agentur wäre es erwartet, Lippenstift zu tragen, aber im Schwimmbad ist es sehr mondän und verleiht mir trotz der Erbärmlichkeit der Situation eine würdevolle Haltung“. - „Ich sehe schon... das Wasser ist nicht wirklich Dein Element?!“ Was soll das denn bitte heißen? „Das Wasser ist keines Menschen Element“, sage ich, „sonst wären wir nicht Menschen sondern Fische.“ Können bzw. müssen Fische eigentlich riechen? Ich tuckere weiter, für mich ist das Thema mehr als beendet, aber er tuckert grinsend neben mir her. „Nur geschiedene Arztfrauen in Wellnesshotels tragen zum Schwimmen Lippenstift, und Pornodarstellerinnen beim Poolfick.“ – „Heino, mein Bester“,  warum rechtfertige ich mich eigentlich vor dem Stinker?, „schau, für einen auf Äußerlichkeiten fixierten Menschen wie mich ist es der beste Grund den Kopf über Wasser zu halten, wäre nicht meine Makeup ginge ich sofort unter.“ Insbesondere wenn der Arsch einer Kuh neben mit schwimmt. - „Aber es ist unhygienisch!“ er hält sich dran. Es ist Sonntag, ich gebe mich geduldig. „Keineswegs, es signalisiert dem Wasser ganz klar, wo die Grenze ist und selbst wenn nicht, bei all der Pisse hier im Becken, käme es auf ein bisschen Lippenrot gewiss nicht an“, ich lege einen Tuckerschlag zu, „ach ja und… von einem, dessen Kauraum Betäubungsgase freisetzt möchte ich keine Belehrungen über Hygiene, Dir täte ein bisschen mehr Mundpflege durchaus gut!“ – „Hey, hey, warum denn gleich so fuchtig?“ Ist das zu fassen, das Kuhgesäß besteht immer noch auf ein Gespräch. „Lpunkt, warum gehst Du denn schwimmen, wenn es so anstrengend für Dich ist?“ Gibt es eine blödere Frage? „Wenn es nicht anstrengend wäre, wäre es ja einfach,“ sage ich, „das ist nicht mein Stil.“ Ich lege noch einen Tuckerschlag zu und lasse ihn und seine Mundfäulnis hoch erhobenen Hauptes hinter mir. Und all die Speedotragenden kraulenden Würste auf der sogenannten „Tempobahn“ auch. Irgendwie machen sie mich wütend, diese Blender. Es gibt etwas Peinlicheres als langsam zu sein, sollen sie wissen, langsam zu sein und schnell auszusehen. Ich grinse betont vergnügt in ihre nach Luft japsenden auftauchenden Gesichter. Einige tragen sogar Nasenklammern! Wegen ein bisschen Wasser. Unsereins, die wir nicht abtauchen, schlägt bisweilen der feuchte Furz einer Kuh in der Nase. Tragen wir etwa Nasenklammern? Gibt es die überhaupt passend zu meinem Lippenstift? Blender und Stinker, was für eine Welt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensynchrono schreibt am 08.10.2006 um 17:56 Uhr:Erstaunlich, wie nahe Dir andere beim Schwimmen kommen. Mit Mundgeruch hatte ich da noch nie zu kämpfen. Allerdings öfter mit im Wasser gelösten Duftstoffen vornehmlich äterer, etwas beleibterer Damen - also deren Parföng... Immer wenn ich Schwimmbad höre oder lese, erinnern sich die Geschmacksknospen meiner Zunge daran.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.