Lpunkt wechselt das Fach
Hätte ich doch die Klappe gehalten. Hätte ich bloß die Klappe gehalten. Hab ich aber nicht. Und nun ist er weg. WE. Mein Liebster. Knalltütchen. Weg.
Angefangen hatte es mit dem Buch. „Schatz“, rutschte es mir raus, als WE fragte, ob er es denn jetzt endlich lesen darf, „Schatz, lieber nicht.“ Blöder Fehler. „Erst wenn Curds Bilder auch fertig sind!“ versuchte ich zu retten. Zu spät. Mein Schatz hatte Witterung aufgenommen. In einer einzigen Nacht hatte er den Schinken durch und am Ende war ich überführt: „Lchen, du liebst diesen Heini noch.“
Verstehe.
Ich fand mich sehr nett. Und überaus einfühlsam. Mit Engelsgeduld habe ich WE erklärt, dass es sich um einen Roman handelt. Einen Liebesroman. (Nächstes Jahr hole ich den Pott!) Und dass es dafür nun mal notwendig ist, dass der Leser den Eindruck gewinnt, dass die Heldin, die keineswegs gleichzusetzen ist mit der Autorin, dem Helden eine gewisse Sympathie entgegenbringt. (Jetzt kenne ich die Tricks!) Und natürlich habe ich meinem Schatz hoch und heilig und sehr süß und unter größtem mentalen wie körperlichen Einsatz über Tage, Wochen stets auf Neue versichert, was in einer solchen Situation zu versichern ist: Dass da nichts mehr ist. Gar nichts. Niente. Nada. Null.
Mit Erfolg. So weit.
Und dann las ich vor ein paar Tagen diesen Artikel über polyamore Beziehungen. Im Rahmen meiner Sex-Recherche, (Sie wissen schon, das Interview, Dienstag ist es nun endlich endlich endlich so weit, wegen des nervösen Augenflatterns und des Stotterns bin ich jetzt in Therapie...) las ich über diese Menschen, die nicht nur einen, sondern zwei oder sogar mehrere Menschen gleichzeitig lieben, mit dem Herzen, aber nicht nur damit. Und gleichzeitig Beziehungen mit ihnen führen. Nicht heimlich, ganz offen. Und weil ich früher noch nie etwas von dieser sogenannten „Polyamory“ gehört hatte, sagte ich zu WE: „WE, Schatz, weißt du, wie man dieses Polyamory ausspricht?“ Prompt nahm Schatz seine Fährte wieder auf, überzeugt, dass ich ihn behutsam an die Tatsache heranführen will, dass ich polyamor veranlagt bin und wir an der Schwelle zu Sodom und Gomorrha stehen.
Ach, ach, ach…
Ich also wieder losgelegt. Sie wissen schon… hoch und heilig und sehr süß und unter größtem körperlichen wie mentalen Einsatz stets auf Neue… Bis mein Schatz mit seiner Eifersucht den falschen Moment erwischte. Ich hatte seit zehn Stunden nichts gegessen und war aggressiv wie ein Pinscher. „Liebe ist kein Kuchen!“ fauchte ich WE an, „Selbst wenn! Selbst wenn ich Dick oder 119 oder sonst irgendwen noch gern hätte, das nähme dir doch nichts weg!“ (Das hatte ich auch in dem Artikel gelesen, das berühmte Kuchenbild, ich war ganz fasziniert von dieser Logik. Und überhaupt von dem Gedanken an Kuchen. Genau so hatten mir meine Eltern früher immer erklärt, dass meine Schwester mir nichts von ihrer Zuneigung wegnimmt. Ich hatte ihnen natürlich nicht geglaubt, war aber, da ich meine Schwester meinerseits auch ganz sympathisch fand, bereit, ihnen ihre Vernachlässigungen nachzusehen). Also, ich schmettere meinem Schatz das berühmte Kuchenbild an den Kopf…
Ganz großer Fehler.
Und nun ist WE also weg. Für drei Tage bei seinem alten Schulfreund Andi auf Fehmarn. Da wollte er zwar ohnehin hin, aber irgendwie fühlt es sich ganz übel an, kein Tschüss, kein Kuss, kein Garnichts.
Manmanman…
Wenn er Montag wieder kommt wird jedenfalls Kuchen auf dem Tisch stehen, hab ich mir überlegt. Ein großer. Selbst gebacken, mit Sahne und vor allem… ein GANZER. Alles andere ist doch Käse. Schätze ich. Und außerdem war das der letzte Liebesroman, den ich geschrieben habe. Das nächste Buch wird ein Krimi. Die Heldin wird den Helden umlegen, dann muss WE sich nicht mehr bedroht fühlen. Der Krimi ist ohnehin das bessere Format. Womit ich übrigens auch sagen will: Britt, Dein Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen! Herzlichen Glückwunsch!

Sei keine Knalltüte WE... da gibt es schon mehr als genug von!!!!
L.punkt, wenn Krimi dann aber mit einem vergifteten Kuchen... bitte... :-)
Ich kann WE ein wenig verstehen, aber ein groooßer, ganzer Kuchen zur Rückkehr ist natürlich ein (mörderisch) guter Plan!
LG!
Männer reagieren doch NIE so, wie man es erwartet... ;-)
Wenn er das nächste Mal ausreißen will und in meine Richtung schippert - bitte bescheidsagen - oder gleich mitkommen und Lesung in Lieblingsbuchhandlung abhalten!!!! (super Idee, oder?!)
lg
lieben gruß,
Luise
www.postlagernd.wordpress.com
schätze das liegt wieder irgendwie am Ego oder so..Männern kann man ja nicht oft genug sagen wie TOLL sie sind, und das er NATÜRLICH der einzig wahre ist und alle anderen plööd...logo! (aber bloß nicht erwarten das diese Lobhudelei erwidert wird...öhöm..)
Aber denken wir uns das Szenario mal andersrum, also der Mann hätte einen Liebesroman geschrieben und Frau wäre deswegen eifersüchtig...dann wäre die Eifersucht der Frau bloß typisch weibliche Hysterie und der Mann würde sich keinen Kopf drum machen!
Ich würde KEINEN Kuchen backen, das wäre wie ein Schuldeingeständnis! ;-)
Männliche Egos ignoriert man besser und tut so als wär nix gewesen.....
Loki
Beziehungsstress gibt's allerdings mitunter auch wenn man Krimis schreibt. Ich glaube, kein Genre der Welt kann davor schützen. Nur kann man seine Aggressionen bei Krimis wunderbar auf dem Papier ausleben. :-)
Aber jetzt holst du nächstes Jahr erst mal den Pott mit dem Liebesroman, dann sehen wir weiter.
Ich drück die Daumen, dass WE zur Vernunft kommt (soll auch bei Männern ab und zu mal vorkommen).
Vor allem würde mich schon aus reinem Eigennutz interessieren, ob die Kuchen-Versöhnung erfolgreich war!
Liebe Grüße
Britt
(die schon mal die Dr.Oetker-Packungen im Küchenschrank stapelt ;-)
in der Tat besitze ich auch das Buch mit dem kleenen Curdchen und lese hin und wieder hier im Blog mit.
Die "normale" Weltsicht wie du sagst, kommt sicher von meiner Vorliebe für Psychologie..man kann jede Reaktion bzw jede soziale Interaktion in ihre Bestandteile zerlegen...und heraus kommt, was wir schon immer wussten:
Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen ;-) wir sprechen nicht die selbe Sprache!*lach*
Loki