Anleitung zum Entlieben

21.08.2006 um 22:47 Uhr

Macher und Zuschauer

von: Lapared

Ein angenehmer Nebeneffekt meines Bluthochdrucks ist, dass ich geradezu berste vor Energie. Berste. Ein Nebeneffekt der Energie ist, dass sie mein charmantes phlegmatisches Wesen, das fürs Bersten nicht ausgelegt ist, unangenehm stört. Ich kann damit nichts anfangen. Ich weiß, ich sollte sie nehmen und in konstruktive Bahnen lenken, sollte mein Leben neu aufstellen, wachsen, mich entwickeln, bedrohte Singvögel retten, tirili. Stattdessen fühle ich mich wie ein aufgeblasener Luftballon, aus dem die Luft entweicht und der im Zickzackkurs durch den Salon schießt.

Zum Glück weiß ich, wer mir helfen kann. Er hilft mir immer, wenn Energie mein Phlegma hemmt: Der Stepper, mein Freund, mein Retter. Da stehe ich dann und strampel und trete wie der Frosch in der Milch. Zwei, manchmal drei Stunden am Tag. Dabei sehe ich Filme, werde endlich ruhig, weil ich mich bewege, vergesse die Singvögel und warte, dass unter mir Butter wird. Erlaubt ist, was funktioniert.

Nur manchmal, wenn ein Film gut ist, fällt mir wieder ein, dass ich das ja auch mal wollte: Filme machen. „Wenn man Ihnen zusieht, möchte man nicht glauben, dass Sie unter Millionen Spermien das Schnellste waren!“ (aus Der rote Kakadu), “Der Traualtar heißt Altar, weil dort Opfer gebracht werden. Menschenopfer!“ (aus A good Woman)... manchmal reicht auch ein besonders blöder Spruch. Aber dafür, fürs Filmemachen und so, fehlt mir irgendwie… die Energie.

Was soll´s, es gibt Macher und es gibt Zuschauer. Wenigstens bleibe ich schlank.


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenwalkunafraid schreibt am 21.08.2006 um 23:13 Uhr:mach ihn, deinen Film!

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