Anleitung zum Entlieben

18.02.2006 um 22:17 Uhr

Manolos

von: Lapared

Carrie nennt es das Recht auf Schuhe. Kenner der Serie erinnern sich vielleicht: In der Wohnung ihrer alten Freundin Kyra, einer Mutter mehrerer Kinder, die die Ankunft eines weiteren feiert, muss Carrie ihre Manolos ausziehen. Prompt werden die Edelpomps von einem anderen Partygast geklaut. Die Gastgeberin ist bereit, Carrie ihre Schuhe zu ersetzen, aber nicht deren vollen Preis, nicht die 475 Dollar, die Carries dafür bezahlt hat, weil Kyra als mehrfache Mutter und Hüterin der wahren Werte des Lebens wirklich kein Verständnis dafür haben kann, dass jemand so viel Geld für ein Paar winzige Sandalen ausgibt. Sie erklärt Carrie klipp und klar, dass sie nicht bereit ist, ihren extravaganten Lebensstil zu unterstützen. Carrie fühlt sich danach eine Zeit lang mies, bis ihr klar wird, wie viel Geld sie umgekehrt schon ausgegeben hat, um die Lebensentscheidungen von Kyra zu feiern: Geschenke zur Verlobung, zur Hochzeit, zur Geburt ihres ersten Kindes, des zweiten, des dritten… Carrie rechnet und kommt auf über 1000 Dollar. Über 1000 Dollar, die sie selbstverständlich gerne hingeblättert hat, weil niemand auf die Idee kommt, Ehe und Familie als Lebensentscheidungen zu hinterfragen. Und mit einem Mal findet Carrie es ziemlich intolerant von ihrer Freundin, dass sie ihre Schuhe nicht bezahlen will. Es ärgert sie, wie selbstverständlich Kyra ihren Lebensstil, den Lebensstil einer berufstätigen, unverheirateten Frau, die schöne Schuhe liebt, verurteilt, und gleichzeitig erwartet, dass man ihre eigenen Lebensentscheidungen ständig mit ihr feiert. Also schreibt Carrie der Freundin eine Karte. Eine Hochzeitskarte. Sie teilt ihr mit, dass sie heiratet, und zwar: sich selbst. Und sie schreibt auch, wo ihre Hochzeitsliste ausliegt: bei Manolo Blahniks.
Die Freundin erweist sich als eine wirklich tolle Freundin. Sie versteht, was Carrie sagen will. Sie kauft die Schuhe und schenkt sie ihr. Mit den besten Hochzeitswünschen und der ausdrücklichen Hoffnung, dass Carrie mit Carrie glücklich werde.

Ich gebe zu, dass ich mich am Anfang ein bisschen schwer getan habe mit dieser Folge. Ich dachte nicht, dass es wirklich gleichgültig bzw. -wertig ist, ob man sich im Leben mit Kindern oder Schuhen umgibt. Und vor allem war ich der Ansicht, dass Schuhe in Wahrheit selten eine Entscheidung sind, sondern einfach das, was man – im Gegensatz zu wirklich wertvollen Dingen – für Geld kriegen kann. Und dass niemand sich selbst heiratet, wenn es jemand anderen gibt, der ihn liebt. In letzter Zeit bin ich mir nicht mehr so sicher.

Unnötig zu sagen, dass Carries Manolos mein Bikini sind.

Den einzig entscheidenden Punkt habe ich gestern jedenfalls vergessen. Es ist mein Geld, ich habe es selbst verdient, und ich kann es ausgeben, wofür ich will.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 19.02.2006 um 10:09 Uhr:Ich finde, zu so wenig Stoff gehört noch ein passendes \"Hüfttuch\" (Fachbegriff ist mir juszt entfallen!!!) Viel Spaß beim nächsten Mittagsshopping!
  2. zitierenglimmerbox schreibt am 19.02.2006 um 19:05 Uhr:Klar darfst du das, und der Bikini sieht an Curd schon mal total toll aus. Ob sich die Geldausgabe wirklch gelohnt hat, können wir dir natürlich erst sagen, wenn wir das edle Stück an dir gesehen haben.

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