Anleitung zum Entlieben

23.11.2005 um 14:36 Uhr

Mein Kollege Charlie

von: Lapared

Und was meine Erfolgsbilanz hier in der Agentur angeht...

Manchmal schaue ich zwischendurch auf, mein Blick geht hinaus zum Fenster und ich denke an Charlie Brown. Siehst du, sag ich mir dann. Siehst du, wie ungeheuer sympathisch Looser auf der anderen Seite sind? Kannst Du Dich selbst - trotz dieser Vollschlappe – nicht wenigstens noch ein kleines bisschen mögen?

Oder ich versuche es so. Ich schaue auf, mein Blick schweift über die Medaillien-dekorierten Superbrüter in ihren chicen gläsernen Lege-Büros… die überzüchteten Werbe-Frühchen im Atelier… und ich denke: Ihr seid vielleicht jünger als ich... und begabter... und erfolgreicher... ja gut, und schlanker auch... aber wer von Euch würde wohl jetzt im Moment aufstehen, sich hinstellen und ohne jeden Zweifel sagen: ICH werde aus tiefstem Herzen geliebt!? (By the way: Dick im fernen Goudaland reißt sich – soweit über long distance möglich - schlicht den Popo auf, ganz bezaubernd, wirklich...)

Und was soll ich sagen... niemand nämlich! Niemand steht auf. Durch die Bank bleiben sie alle kleinlaut sitzen. Dieses sensationelle Liebesglück hat hier außer mir keiner, so.

Wahrscheinlich, weil du es nur gedacht und nicht laut gefragt hast, werden ein paar Spitzfindige vielleicht einwenden. Wer steht schon mitten in der Arbeit einfach auf, stellt sich hin und verkündet ungefragt: “Jawohl, ICH werde aus tiefstem Herzen geliebt!?

Na und, sage ich denen! Es ist doch mein Psychotrick! Denkt Euch Euren eigenen aus.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 23.11.2005 um 22:13 Uhr:Ganz recht hast Du, Lapared! In der ganzen Kunstwelt mit all den aufgemotzten Wichtigtuern, Narzisten und Psychopathen (letztere sind ja in den hohen Etagen überproportional häufig vertreten), ist es absolut wichtig, sich mal zu vergegenwärtigen, was denn eigentlich persönliches Glück und Zufriedenheit bestimmt. Klar, beruflicher Erfolg, Kohle, Macht! Alles ziemlich geil und macht - zumindest temporär - auch richtig Spass. Aber glücklich? So richtig aus den eigenen Tiefen Glück zu empfinden, das funktioniert doch eigentlich am besten über das Gefühl, geliebt zu werden. Insofern: Genieß es und sei stolz darauf, denn Du bist eben auch liebenswert, sonst würd dieses einmalige Phänomen der Liebe nicht existieren.

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