Anleitung zum Entlieben

05.07.2005 um 20:15 Uhr

Misty-water colored memories... of the way we were

von: Lapared

Pünktlich zur besten Kuchenzeit (immer so zwischen 6.00 und 24.00 Uhr) statt Käsetorte: wieder eine kleine Erinnerung.

Heute habe ich mir einfach die Mails durchgelesen, die ich ihm geschrieben aber nie abgeschickt habe, nachdem er damals im Sommer mit mir Schluss gemacht hatte. Eine davon zitiere ich hier mal. Nur um mich daran zu erinnern, wie elend es mir damals ging. Ein paar Kommentare habe ich mir erlaubt einzubauen, aus heutiger Sicht.

Entschuldige, dass ich Dir schon wieder schreibe. Es hilft mir, ich fühle mich so allein. Und wenn ich Dir schreibe, ist es bisschen wie sonst, wenn ich Dir abends erzählt habe, was mir am Tag so passiert ist, auch wenn es nie etwas Wichtiges war. Wenn ich jetzt irgendwas sehe oder erlebe, merke ich, dass es nur sinnlos und unwichtig ist, wenn ich es Dir nicht erzählen kann.

Scheiße, ja, so geht´s mir immer noch...

Ich hab das geliebt, wenn Du immer so nachsichtig vor Dich hingelächelt hast, mit diesem Lächeln, hinter dem sich immer ganz andere Geschichten verbargen, die Du nie erzählt hast, wahrscheinlich, weil sie, anders als meine, wirklich wichtig waren.

Käse! Riesenkäse! Das einzige, was sich hinter diesem Lächeln verbarg und verbirgt, ist ein empirischer Hohlraum mit einer breiten Durchgangstür zu einem kreativen Hohlraum, sprich, Erlebnislosigkeit verbunden mit Erfindungslosigkeit.

Wenn Du noch mein Freund wärest, würde ich Dir heute davon erzählen, wie ich morgens aufgewacht bin mit Augen wie eine Kaulquappe nach einer durchsoffenen Nacht und dazu mit einem riesigen brodelnden Herpes auf der Unterlippe. Das war um Sechs in der Früh. Die nächsten Stunden hab ich mit blauen, Eiswürfel-gefüllten Gefrierbeuteln auf den Augen in meinem riesigen neuen Bett gelegen, das ich extra für uns beide gekauft hatte, und unter den Eisbeuteln kullerten unaufhörlich immer neue Tränen und aus meinen Lidern wurden langsam Schlauchboote.

Oh Gott ja, und draußen schien die Sonne, ein herrlicher Tag.

Wenn Du noch mein Freund wärest, würdest Du grinsen und wir würden Witze machen über dieses in Selbstmitleid zerfließende Monster mit den blauen Eisbeuteln auf den Augen, Zahnpasta auf der Brodellippe und einer Zigarette im nicht befallenen Mundwinkel.

Stimmt, damals wurde ich von einem zum anderen Tag Kettenraucher.

Vielleicht würde ich Dir auch erzähen, wie das Monster sich dann irgendwann aufgerafft und die Sachen Ihres Exfreundes gepackt hat, um sie ihm vor die Tür zu stellen. Ich habe bei Dir geschellt und zum Glück warst Du nicht da. Ich hätte nicht gewollt, dass Du mich so siehst, mit Sonnenbrille und Riesenherpes, ich hätte, wärest Du da gewesen, die Tasche nur schnell unten in den Hausflur gestellt.

Lüge! Ich wusste sehr wohl, dass mein Ausschnitt so tief war, dass es ihm nicht mal aufgefallen wäre, wenn eine Madenfamilie auf meiner Lippe gepicknickt hätte.

Keine Angst, ich komme nicht noch mal, irgendein Herpes wird da immer bleiben, für den ich mich schäme.

Anscheinend nicht genug.

Ich habe dann unten im Haus geschellt, der Mann rechts in der Wohnung war so nett aufzumachen. Mein Gott, und dann diese Treppe. Aber zum Glück konnte ich mir ja diesmal soviel Zeit lassen, wie ich wollte. Hab ich erzählt, dass ich abgenommen habe, 6 kg, nicht ganz freiwillig, wie ich zugeben muss.

Stimmt, in den zwei Wochen, die er sich nach dem „Warum kannst Du nicht einfach gehen“ nach Juist geflüchtet und ich jeden Tag auf einen Anruf gewartet hatte, war mein Appetit eher mäßig.

Jetzt bin ich fast so schlank wie Du. So schlank wie ich immer sein wollte, als wir zusammen waren, weil ich mich immer zu schwer für Dich fand. Ich habe mich z.B. nie getraut, mich auf Deinen Po zu setzen und Dir eine meiner legendären Rückmassagen zu verpassen, für die Du mich garantiert geheiratet hättest, so gut kann ich das. Aber ich dachte mir, was nützt ihm ein entspannter Rücken, wenn sein Becken unter mir gebrochen ist.

Meine Rückenmassagen sind in der Tat der Hammer.

Was könnte ich Dir noch erzählen, wenn Du noch mein Freund wärest. Ach ja, ich habe heute mit meiner Schwester gesprochen. Sie hat versucht mich aufzuheitern und irgendwelche unwichtigen, halbwitzigen Geschichtchen erzählt, diese unsensible Zahnbürste. Jetzt weiß ich, wie Du Dich gefühlt hast, als ich Dich an dem Abend nach der Beerdigung voll getextet habe, unerträglich ist das. Aber sie ist meine Schwester, Zahnbürste hin, Zahnbürste her, und scheißegal, wie viel sie quatscht, ich liebe sie.
Du mich nicht. Das ist der Unterschied.


Der große Unterschied.

Ich wollte Dir doch noch so viel erzählen.

Das will ich leider immer noch.

Aber wahrscheinlich erzähle ich es besser Dir, meinem geduldigen kleinen Weblog. Ist ja auch schön.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenJulsii schreibt am 15.10.2008 um 12:47 Uhr:Jaaaa ist es :) Danke !

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