Anleitung zum Entlieben

31.08.2007 um 19:05 Uhr

Mit Links

von: Lapared

(Nur ganz kurz und eigentlich auch nur wegen des netten Kommentars vom engelsche… Ach so, und Danke für die Glückwünsche… Und einen lieben Gruß an das andere Lchen: Happy Birthday!)

Bei mir war es ja so, dass sich - kaum war ich wieder ein Jahr älter - deutliche Verschleißerscheinungen bemerkbar machten.

Wie Sie wissen, zwingt mich meine Arbeit täglich zu körperlichen Höchstleistungen. Und die forderten nun ihren Tribut. Mit meinem rechten Daumen, der Tag für Tag kilometerlange Strecken kreuz und quer über das 32 Quadratzentimeter große Mausepad meines Laptops zurücklegen muss, fing alles an. Am nächsten Tag tat dann auch das Gelenk weh. Von da aus zog es weiter in den Ellbogen. In die Schulter. In den Nacken. Und endete schließlich im Kopp, wo sonst.

Lchen, stets ein Freund der Selbsttherapie, versuchte es mit Ausgleichssport. Ging tüchtig schwimmen, dann auf den Crosstrainer, dann wieder schwimmen. Ich wollte den armen verspannten Gliedern mal ein bisschen Abwechslung bieten und ihnen außerdem zeigen, was wirklich Anstrengung ist. Nur, dass es sich nicht um eine Verspannung handelte, sondern um eine Entzündung. Und jetzt ist der ganze Arm ruhig gestellt und ich schreibe mit Links.

Leider nur mechanisch gesehen. Mit dem Buch geht es gerade ziemlich schwer voran. Manchmal bin ich wirklich ganz verzweifelt. Mein Perfektionismus, der hier, durch das Blogformat immer so wunderbar ausgehebelt wird, macht sich bei diesem Buchprojekt lähmend breit. Nichts ist gut genug. Jeder Satz wird tausend Mal umgeschrieben und dadurch nur selten besser. Hinzu kommt, dass sich mein Geschmack ständig ändert. Was ich gestern gut fand, finde ich morgen miserabel peinlich. Und im Gegensatz zu hier ist ja noch nichts veröffentlicht, also lasse ich es nicht einfach stehen, ich gehe noch mal ran.

Na ja, aber ich fürchte, das ist alles gar nicht so schrecklich interessant. „Der normale Schaffensprozess“, sagt meine Lektorin immer, sie ist wirklich eine Seele, ist mal mehr und mal etwas weniger begeistert, aber im Großen und Ganzen überzeugt, dass alles super wird. Irgendwie. Wie immer, quäle ich mich vor allem selbst.

WE hat mir übrigens keinen Heiratsantrag gemacht. Poeh (ein sehr langes, erleichtertes Poeh). Er findet, dass ich mir zuviel Arbeit mache. Hm. Er erinnert mich gerne, dass ich Unterhaltung schreibe und keine Literatur. Ja, ja. Und dass das Buch „Anleitung zum Entlieben“ heißen wird, nicht „Krieg und Frieden.“ Har. Er findet meinen Perfektionismus „unangemessen“. Hmpf.

Aber er ist lieb. Sehr geduldig bei meinen Panikanfällen. Und vor allem ist er sehr froh, dass ich nicht mehr täglich Blog schreibe und dafür lieber mit ihm auf der Couch abhänge. „Du musst auch mal entspannen, Maus“, sagt er dann immer, schaltet den Fernseher ein und wartet auf die Schnittchen. Ich verkneife mir zu antworten, dass es für Maus auch immer sehr entspannend war, Blog zu schreiben. Ich lasse ihm die heilige Entspannungshoheit, dann ist zumindest er entspannt und unsere Beziehung auch.

Und mit meinem Daumen verfahre ich genauso: Er bekommt jetzt auch seine Maus.

(Jetzt war es doch nicht sooo kurz, aber hier im Blog geht es wirklich mit Links.)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenerphschwester schreibt am 01.09.2007 um 07:59 Uhr:hüte dich vor männern, die dich "maus" nennen. mäuse sind so leicht austauschbar.
    als mein bruder zu hause auszog, um von der ehelichen wohnung besitz zu ergreifen, vergaß er wohlweislich einen karton mit briefen von lauter mäusen und spatzen.
    seine frau nannte er übrigens bei ihrem namen, was immerhin ca. 20 jahre lang seine wirkung behielt ... bis da eine neue maus ... äääh frau nicht nur auf ihrem vornamen, sondern auch auf seinen nachnamen beharrte.
  2. zitierenEarlyGrey schreibt am 02.09.2007 um 13:00 Uhr:Ja, schade, dass du dir beim Schreiben solche Qualen bereitest und nicht einfach so schreibst, wie hier im Blog! Das ist doch gerade das Tolle - und deswegen hast du doch wohl auch den Vertrag bekommen! Warum nun also für das Buch "gestelzt" schreiben und Sätze friemeln und feilen... statt so frisch und frech wie hier? DAS wollen wir doch alle in dem Buch lesen - dich und deine Sprache dort wieder finden!

    Aber ich habe vielleicht gut reden. An einen "Roman" habe ich mich ja noch nicht gewagt (obwohl es ein heimlicher Wunsch ist), sondern nur Fachbücher (gerade eins über Spiele in Seminaren). Und die schreibe ich so runter wie ich rede - das ist gerade das Besondere, da die meisten Menschen lieben verständliche und lockere Bücher lesen.. Also - hau in die Tasten wie dir der Schnabel gewachsen und der Bauch gestimmt ist - es wird bestimmt toll!!!!!
    Mit Links ist natürlich Scheiße - meine aktuellen Gebrechen sind Knie, Schulter und Hüfte - auch nicht so prickelnd- abgesehen von einer Gastritis, die ich auch nicht loswerde. Die Psyche jault und mein Kopf rätselt immer noch: was isses??

    Schöne Zeit auf der Couch (aber WE könnte sich zumindest die Schnittchen selber holen und DICH verwöhnen - oder??:-)
  3. zitierenMargit schreibt am 02.09.2007 um 19:47 Uhr:@erphschwester: ja die mausi-theorie hat etwas: bestes beispiel sind bei uns in ösi die lugners, wo das mausi nun nach 17 jahren (glaub ich) auch wieder christina heissen will und den herrn baumeister kurz und mit vielen euro-millionen "gemausert" die villa verließ *lach*
    mein göga nennt mich übrigens "hase" und ich ihn "bär" das hält immerhin schon 28 jahre! also es kommt schon darauf an, ob es ein kosename aus liebe und spiel oder ob der name die person verkleinern soll....
  4. zitierendas andere L.chen schreibt am 05.09.2007 um 02:04 Uhr:Danke für die Glückwünsche *strahl* Hömma Maus...um was wollen wir wetten, dass du die Maus für den Daumen nie anschließt oder spätestens nach dreil Mal in die Ecke knallst, weil sie dich nervt und du dir statt dessen lieber auch noch die Sehnen von Zeige- und Mittelfinger malträtierst ;-) ?
    Nee und Schätzelein, ich versteh ja sowieso gar nicht, wieso die nicht einfach dein Blog veröffentlichen wollen, wie es ist. Schon klar, ist ja quasi und de facto schon veröffentlichkeit, aber ich find das schitte. Schau mal, ich hab dich erst vor kurzem entdeckt und frimel mich von hinten durch's Knie ins Auge durch. Bin bei Oktober 2005 angelangt und ich sach' dir..meine Fingersehnen...sag doch der Tante vom Verlag, dass die Leute (also ich) unbedingt erst mal dein Blog in gedruckter Form auf chlorfrei gebleichtem Zellstoff benötigen, bevor..ja, bevor du unser weiblicher Irving sein kannst. So. Ach und noch was zur Aufmunterung von zwei sehr geschätzten Oberhausenerinnen: "Wenn'se Mittwoch überleb's, is' Donnerstach!"

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.