Anleitung zum Entlieben

08.06.2007 um 22:40 Uhr

Nachschlag

von: Lapared

Abends um acht wollten WE und ich uns im Freibad treffen. Schön in den letzten Sonnenstrahlen zwei, drei Bahnen tuckern... danach auf die warme Steinen sinken und alte Käsebrötchen aus WEs Kantine futtern, so hatten wir und das gedacht.

„Ich schaff´s nicht, tut mir leid.“ Zehn vor acht. Zeit umzudenken. Auf halber Strecke - abgehetzt - schminke ich mir die Brötchen ab, halte aber an den Schwimmplänen fest.

Knurrig begebe ich mich ins Wasser. Und gerate wenig später in den Sog eines großen weißen Mannes mit Rennkappe, der schnaufend das Wasser quirlt. Zack, immer auf´n Kopp! Leicht betäubt schwimme ich weiter. Am Beckenrand erwarte ich seine Ankunft (er quirlt beinah auf der Stelle), um die Entschuldigung entgegenzunehmen. Er drückt mir seinen Arsch ins Gesicht, beim Versuch einer Rollwende, hat er wohl mal im Fernsehen gesehen. Lpunkt setzt sich in Gang. Elegant wie ein Ausflugsdampfer gleite ich neben ihm dahin und belächle seinen hochroten Kopf jedes Mal wenn er sich mit weit aufgerissenen Augen aus dem Wasser dreht. Die Rennmaschine. Dann demütige ich ihn und ziehe erhobenen Hauptes an ihm vorbei. Ha!

Später bei Käsebrötchen erzähle ich WE davon. „Lpunkt“, sagt er, „das hast Du doch nicht nötig...“ Natürlich nicht. „…Du verschwendest Deine Energie.“ - „WE, das sind die kleinen Triumphe, von denen sich mein Ego nährt. Ich hatte keinen glorreichen Tag.“ – „Der Mann sicher auch nicht.“ UND? „Das lässt man doch einfach auf sich beruhen.“ Man oder Frau? „WE, mit leerem Magen fehlt mir aber die Größe dazu. Wo waren überhaupt die Käsebrötchen, DU bist schuld.“ Attacke! „Und Du bist ziemlich zickig, Schatz.“ Bums!

Wir streiten und ein wenig. Ich hasse es, wenn man mich zickig nennt! Ich bin ein Lamm, Du Arsch, aber das heißt nicht, dass mir jeder auf die Rübe hauen darf! Eine Sozialstudie! Ich plane eine Sozialstudie über das Schwimmverhalten von Männern und Frauen in vollen öffentlichen Bädern! Ich wage die Hypothese, dass Männer meistens sturr geradeaus schwimmen, Frauen hingegen Slalom! Dass die Herren eine riesen Welle machen, Frauen gleiten ohne Spritzer! Und auch noch schneller (aber das merkt keiner, eben, weil sie Slalom schwimmen)! Das Freibad, ein Abbild unsere Gesellschaft, ha!

„Das letzte Brötchen?“ WE scheint meine Rage etwas ungeheuer. „Her damit!“ Erst beim dritten belegten Brötchen beruhige ich mich. „Du bist doch sonst nicht so auf dieser Männer-Frauen Schiene?“ Stimmt! Stimmt, ich glaube, ich habe unsere Urlaubsdiskussion noch nicht verdaut. Es ärgert mich. Es ärgert mich, dass ich (ich!) nicht gerade auf mein Ziel zusteuere. Dass ich immer artig gucke, ob ich dabei auch ja niemanden über den Haufen schwimme. „WE", sag ich, „noch mal wegen dem Urlaub. Ich fahre, wenn, erst im August. Wenn Du nur im Juli kannst, dann finde ich das wirklich schade, wirklich, aber dann fährst Du besser ohne mich.“ Zack! „Okay.“ Ich bin satt und überlasse ihm nun doch das Brötchen. „Ich hatte den Urlaub schon eingereicht…,“ er kaut ein bisschen schwer, „aber ich guck mal, ob sich das noch schieben lässt.“ Von wegen, Energieverschwendung.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensnufkyn_blues schreibt am 08.06.2007 um 23:56 Uhr:eLhcem der lammbock :-)
    und ich glaube beim lesen hab ich nervös chips verschlungen und mitgefiebert. und so viele ausrufezeichen hastu noch nie benutzt. und ein hoch auf die sukzessiven triumphe!

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