Anleitung zum Entlieben

15.04.2012 um 18:15 Uhr

Neue Freunde

von: Lapared

Ja, das war traurig. Palmes Abschied, meine ich (um noch mal auf DAS Ereignis der letzten Wochen zurückzublicken). Bei Palmes Abschied hätte ich tatsächlich fast geheult.

Schließlich war Palme der längste lebende Mitbewohner, den ich je hatte. In meiner ersten Wohnung hier in Hamburg auf der Elbinsel Veddel, zwischen Bahnlinie, Frachthafen und Autobahnzubringer (aber mit Balkon!), da hatte mein Vormieter das, was später Palme wurde, hinterlassen. Einen winzigen Ableger. In einem Schnapsglas mit Hamburg-Wappen stand Palme in spe auf der Fensterbank. Natürlich nicht in Schnaps, sondern in Wasser (glaube ich jedenfalls…). 1994 war das, vor 18 Jahren. Im November hätten wir Palmes Volljährigkeit gefeiert und sie hätte endlich den Führerschein machen dürfen.

Stattdessen wurde sie in einem Auto-Anhänger abtransportiert. Ihre neuen Besitzer hatten sie der Länge nach auf die Ladefläche gelegt. Entgegen der Fahrrichtung, damit der Fahrtwind nicht an Palmes Blättchen zerrt, sondern in Wuchsrichtung geschmeidig darüber gleitet. Test bestanden. Palme wird es sicher gut haben bei ihrer neuen Familie.

Ganz komfortabel in einem Wintergarten soll sie jetzt stehen, mit viel Platz und Luft nach oben. Und zum ersten Mal in ihrem Leben hat Palme auch pflanzliche Mitbewohner. Angeblich sollen Pflanzen es ja mögen, zwischen Ihresgleichen zu sein. Es heißt, sie stehen total drauf, wenn sie die Berührung anderer Blätter spüren, Rrrrrrr… Für Palme war es das Beste so.

Trotzdem nagen mittlerweile Zweifel an mir. Die Frage ist ja, ob Palme das alles auch so sieht. Manchmal denke ich, Palme weiß vielleicht gar nicht, dass sie eine Palme ist. Ich glaube, Palme denkt, sie ist ein Mensch. Jedenfalls tickte sie wie einer, sie hörte z.B. gerne Musik und sah schrecklich gerne fern, am liebsten "Boston Legal" und "CSI: NY". Wenn sie jetzt die anderen Pflanzen im Wintergarten sieht, denkt sie wahrscheinlich, was soll denn all das öde Grünzeug hier, her mit der Fernbedienung! Oh je...

Curd macht sich auch schon Sorgen. Jeden Morgen guckt er in seinen email-Account, ob Palme endlich geschrieben hat. Aber in dem Scheißwintergarten hat sie womöglich nicht nur kein Kabelfernsehen, sondern auch kein WLAN. Auweia auweia auweia, arme Palme.

Andererseits… WS ist schließlich auch schon eine Weile da. Als ich nach zwei Jahren auf der Veddel nach Hamburg rein gezogen bin, auf „die richtige Seite der Elbe“ wie man in Hamburg sagt, da habe ich WS gekauft. Auf der richtigen Seite hatte ich nämlich keinen Balkon mehr und keine Wäscheleine. WS ist mein Wäscheständer. Ist auch schon 16 Jahre her, ach ja… 16 Jahre treue Dienste für unter zehn D-Mark (!), wenn ich mich recht entsinne - WS hat sich den Platz an der Sonne redlich verdient.

Und Curd ist flexibel…

 Schön, nicht? Wir zwei… Curd umd WS… im der Abemdsonne…

 Ich fimde dich auch sehr sympathisch, WS…

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenIna & Co schreibt am 15.04.2012 um 20:14 Uhr:Klar,
    Palme war etwas wohnlicher, aber WS mit Curd ist auch ein echtes Highlight... Oder Curd mit WS...?
    Die beiden zusammen sind jedenfalls ein Dreamteam in der Abendsonne...
    Allerdings machen wir uns alle hier echte Sorgen um die Verkabelung und die Elektrik, ist da alles in Ordnung? Oder stolpert ständig jemand... ;-)

    Ich würde einen schönen Knautschigen Lesesessel in diese Ecke stellen und Lchens Bücher vor und zurück lesen... So. Und nicht anders... :-)

    :-)
  2. zitierenMartina schreibt am 16.04.2012 um 01:21 Uhr:Nur eine Frage: Wie lange wohnst du bereits in der Wohnung?

    Ich mag es ja auch sehr puristisch, reduziert und praktisch und ich habe eine starke Abneigung gegen Steh-im-Weg-und-staub-mich-ab-Dinger, die nach langläufiger Meinung dekorativ sein sollen und ein angenehmes Wohngefühl verströmen ..... sagt man. (Wahrscheinlich habe ich, um das zu sehen, zu wenig weibliche Gene.)
    Aber was den Purismus angeht, scheine ich in dir meine Meisterin gefunden zu haben, wenn ich mir zumindest die eine Ecke auf den Bildern anschaue. (c:
  3. zitierenascentive schreibt am 19.04.2012 um 18:45 Uhr:Warum musste Palme denn nun gehen?
    Du hättest sie gut stutzen können und ihr einen frischen Anfang bieten können oder?

    ~Anja~



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