Anleitung zum Entlieben

24.07.2007 um 22:05 Uhr

Neue Gefahr für Hamburgs Autos?

von: Lapared

Schön ist außerdem nicht, wenn man (ich) - gepackt von blankem Entsetzen über den vielleicht etwas zu zynischen Ton, das vielleicht etwas zu zackige Tempo, den vielleicht etwas zu bissigen Humor, den man da auf den ersten Seiten seiner neuen Existenzgrundlage verbreitet hat - spontan alles stehen und liegen lässt, um sich mal kurz an die breite, trostspendende Schulter seines Lebensabschnittspartners zu werfen, ohne Voranmeldung. Und wenn man (ich) dann feststellen muss, dass die Schulter momentan belegt ist. Von Mrs. „Irgendwie liebe ich sie noch, aber ich will nicht mehr mit ihr zusammen sein“. Bitte anstellen!

„Julias Vater ist gestorben“, kommentierte WE die etwas unglückliche Situation.

„Oh!“ sagte ich, ein weiterer Beweis meiner verbalen Brillanz. Und zu ihr: „Herzliches Beileid!“ Immer die passenden Worte, die Frau Autorin. Und abschließend zu WE: „Und Dir viel Spaß beim Trösten.“ Zynisch, zackig, bissig. Brillant!

Ich hab dann auf dem Absatz kehrt gemacht und bin wieder gefahren. Kaum zuhause, war ich dann nicht nur wegen der Tonalität meines Buchanfangs verunsichert, sondern auch wegen des verbalen Kleinods, das ich meinem Liebsten soeben an den Kopf geschmettert hatte.

War das angemessen? Ich meine… es ist ja nicht so, dass ich die beiden - wie man so sagt - in Flagranti erwischt hätte. Alles in allem wirkte die Situation durchaus gesittet. Zumal ich vorher geschellt hatte. Und so kann man es ja auch sehen: Seine frühere Freundin hat ihren Vater verloren, das ist schrecklich. In ihrem Kummer, der - wenn ich von mir ausgehe - endlos sein muss, hat sie die vertraute Nähe eines Freundes gesucht. So sollte man es vielleicht sehen. Und ich habe wieder mal nur die unpassendsten Worte dafür.

Also habe ich WE eine SMS geschrieben und mich entschuldigt. Obwohl ich mir – das gebe ich zu - bei meinen Reueempfinden momentan ebenso unsicher bin, wie mit den ersten Seiten.

Bestimmt habe ich überreagiert, bestimmt ist alles „rein freundschaftlich“, bestimmt habe ich mich in widerwärtiger Weise ins Unrecht gesetzt, ich, mit meinem chronisch schwächelnden Enddreißigerinnen-Ego, das eben nicht robust genug ist für einen jüngerer Mann. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht vögeln sie sich ja vereint in Trauer die Seele aus dem Leib - oder hätten es zumindest, wenn ich nicht plötzlich uneingeladen in das Trauerkränzchen geplatzt wäre. Und vielleicht wäre es ja auch von WEs Seite die angemessenere Reaktion gewesen, seine Ex-Freundin mal kurz in ihrer Trauer allein zu lassen, um seiner Jetzt-Freundin hinterher zu sprinten und ihr ein paar beruhigende Worte zu spenden. Oder wenigstens anzurufen.

Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Aber ich will es nicht wissen, ich will mich jetzt nicht damit befassen, das läuft mir ja nicht weg. Das sicher nicht.

Ach, was für ein Theater, mir ist gar nicht gut, gar nicht. Zum Glück gibt es ja bewährte Mittel der Ablenkung. Nein, ich peile nicht wieder die 3 Promille an. Hamburgs Auto sind sicher. Zurück an die Arbeit.

P.S. Und noch ein Drama: Curd Rock - zurück aus dem Strandkorb - hat eine Socke verloren.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenIngo schreibt am 25.07.2007 um 00:22 Uhr:Sei nicht so gehässig mit Dir selbst, Frau. Seit wann schaut man einem Engel beim Ficken ins Gesicht?
    Da Trost und Ficken in etwa soweit auseinander liegen wie Curd und Baumarktnegerküsse, bemerkst
    Du auch irgendwann den Egoismus in Deinen Zeilen.
    Gerade DU! Egoistisch! PAH!

    ;-D
  2. zitierendecaxoza schreibt am 25.07.2007 um 17:53 Uhr:Ich kann dich durchaus verstehen. Der Verlust des Vaters ist ganz bestimmt furchtbar. Aber, warum geht sie dann nicht zu ihren Freunden? Warum gerade zu ihrem Ex? Das ist schon eine etwas unglückliche Situation und ich finde auch, dass WE sich zumindest mal bei dir melden könnte! Mehr Selbstsicherheit was die eigenen Gefühle angeht bitte!
  3. zitierenSolex schreibt am 25.07.2007 um 18:11 Uhr:Was WE macht ist nach meine Meinung menschlisch.Lapared ist klein, aber Sie ist auch
    gluck , Sie weißt es
  4. zitierenEve schreibt am 26.07.2007 um 14:53 Uhr:Paredchen -

    ich weiss, mit dem entsprechenden Erfahrungsschatz ist es schwer, aber man muss versuchen, nicht immer vom negativen auszugehen. WE's Ex hat wohl das Gefuehl, dass er sie am besten kennt und findet mit ihrer Trauer bei ihm wohl den groessten Trost. Das hat nichts mit Sex oder Beziehung oder Verlangen zu tun, sondern einfach mit menschlicher und seelischer Verbindung. Soll's ja auch ab und zu geben.. ;-D
    Viel Erfolg beim Schreiben!

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