Anleitung zum Entlieben

22.06.2005 um 22:24 Uhr

No cake today

von: Lapared

Heute habe ich auf den Käsekuchen verzichtet. Kein Problem für mich, so was fällt mir nicht schwer. Wahrscheinlich, weil ich stattdessen ein Stück Erdbeertorte hatte. Mit Sahne. In einem Café mit deutlich geringerer Mütterdichte als gestern, sehr angenehm, dafür wimmelte es dort von Medienfritzen, aber wenigstens hatten die schon abgestillt (was bin ich nur für ein misanthropes - oder heißt es misanthropisches? Im Gegensatz zu misangemäßigtes oder misanarktisches... brüll - Arschloch!) Ich esse also genüsslich meine feine Torte, da kommt mir plötzlich dieser Spruch in den Sinn: Essen ist der Sex des Alters. Ich bestell erst mal noch Sahne nach. Nicht, dass das im Prinzip schlecht wäre. Im Gegenteil, ich finde es eigentlich eine ganz tröstliche Aussicht, dass Essen irgendwann den Sex ersetzt, zumal mir persönlich Torten im Großen und Ganzen leichter verfügbar erscheinen als Penisse, und weil - wenn man beides konsequent gegen einander austauscht - auch nicht mehr die Gefahr besteht, dass man sich durch ein Zuviel vom Einen (Backwerk) im Bezug auf das Andere (Geschlechtsverkehr) die Chancen versaut, weil nämlich kein Schwein eine Tonne vögeln will. Ich kann mir grad nicht ganz folgen, aber ich glaube, was ich sagen will, was mich etwas beunruhigt, ist dies: Bin ich meiner Zeit voraus? Es gibt ja auch Tortenesser, die sind eben Lustmenschen, die machen alles gern, was Spaß macht, Vögeln UND Torte essen. Mein Tortenkonsum jedoch verhält sich umgekehrt proportional zu meinem Geschlechtsleben, was zweifellos auf eine Ersatzfunktion deutet, doch nachdem Essen bereits der Sex meiner Jugend war (bis zu meinem 18. Lebensjahr, war der einzige, der igendwas in mich reinsteckte, ich selbst, und zwar meinen Finger, in meinen Hals, um - dreimal dürfen Sie raten, eben! - die Torte, nebst Pommes, nebst Fleischwurst, nebst Nutellastullen, nebst allem, was sich im Kühlschrank befunden hatte, in feinster Bulemikermanier wieder hinauszubefördern) also nachdem Essen bereits der Sex meiner Jugend war, kam mir plötzlich der Gedanke, dass ich eben NICHT meiner Zeit voraus bin. Dass ich NICHT so zunehmend gern Torte esse, weil ich alt werde (das wäre okay), sondern weil ich womöglich auf dem besten Weg zu einem Rückfall bin, Sie verstehen? Dass diese ganze Scheiße von damals wieder anfängt. Und wer ist Schuld, wer kann nur Schuld sein? 119. 119, der sich mal wieder nicht meldet. 119, der, wie mir Ilka erzählt hat, gestern mit einer "zierlichen blonden Frau in Riemchensandalen" im Sabotnik war. 119, den ich heute schon drei mal anzurufen versucht hab. Es schellt. 119, der vorbei kommt, sich gepflegt einen blasen lässt (nein, ich doch nicht, Curd war´s!) und wieder abschwirrt. 119, der beschissenverkackterweise einfach immer noch die Macht hat. Aber eins schwöre ich: Ich werde nicht wieder mit dieser kranken Scheiße anfangen. DAS ist er nicht wert, das nun wirklich nicht. Sprachs, und tapst zum Kühlschrank. Zum Glück beschränkt sich dessen Inhalt auf Sonnencreme und eine Zwiebel. Guter Kühlschrank. Anderes Thema. "Sideways". Feiner Film. Ansehen. Kommt am Anfang zwar ein bisschen schwer in die Gänge, aber dann... Das Bonusmaterial nicht vergessen, die geschnittenen Szenen sind ganz groß, keine Frage, dass es nicht der Regisseur war, der sie nicht wollte. Ach ja, und die Vorlage zur Figur von Miles, der sich mit gestrichen voller Hose an seine lieb gewordene Enttäuschtheit klammert, war übrigens 119.

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