Anleitung zum Entlieben

22.05.2006 um 22:15 Uhr

Noch mal das Ganze… in vier Teilen. TEIL I

von: Lapared

Letzten Mittwoch, am 17. Mai, kurz nachdem Curd seinen Bären gerettet hatte, war auch ich immer noch sehr mit meinem beschäftigt. Ich hatte angefangen, einen Eintrag zu schreiben, ich wollte davon erzählen, was ich mir in den Nächten davor noch so alles geleistet hatte…

Es wird wohl nicht von heute vergehen. Vierzehn Tage hab ich gewartet. Von dem Moment an, als er damals aufgelegt hatte, hab ich gedacht, gleich schellt´s. Gleich schellt´s und er sagt: „...ein Scherz. Ich bin natürlich nicht verheiratet. Aber ich dachte, im Vergleich dazu erscheint es Dir angenehmer, dass ich unangemeldet vor der Tür stehe.“ So wie in dem Witz, in dem die 15-jährige ihren Eltern in einem Brief mitteilt, dass sie auszieht, dass sie mit einem 40-jährigen Mann zusammenleben wird, dass sie ein Kind von ihm bekommt. Dass er schon drei Frauen und acht Kinder in einem anderen Land hat, aber dass sie das nicht stört, weil sie ihn über Alles liebt. Und im P.S. Sorry, das ist alles gelogen. Wahr ist aber: Ich bin hängen geblieben, und ich dachte, im Vergleich findet Ihr das sicher nicht ganz so schlimm.

Vierzehn Tage habe ich gewartet. Als mir klar wurde, dass es kein Scherz war, habe ich ihm gemailt, seitenlang, telefoniert, nächtelang, sogar gesimst, ich, zwei- und dreiteilig. Denn er hatte mich darum gebeten, immer wieder. Immer wieder. Er sagte, wir müssten reden, schreiben, dann würden wir wieder zueinanderfinden. Noch am 11. Mai. hatte er mir das geschrieben: „Mein Herz ist bei dir. Mein Herz war von anfang an bei dir. Ich liebe dich ich liebe dich ich liebe dich (…) Ich will dein Stimme hören ich will schon Tage dein stimme horen. Ich will dich anrufen, hab es schon oft versucht. Ich will mit dir in Kuchen sitzen. Ich liebe dich.“ Er meinte Küche, aber ich hätte mich auch mit ihm in Kuchen gesetzt. In Kuchen, in Brennesseln, in alles, sogar in ein Zelt mit Kriechtiergefahr. Ich habe geschrieben, komm, komm, sitz mit mir in der Küche, und bleib so lange Du willst. Lass uns reden und kochen und essen und gemeinsam das Geschirr spülen, 30 Jahre, Du spülst ich trockne ab.

Hier habe ich am Mittwoch aufgehört zu schreiben. Ich musste aufhören, weil es schellte. Es schellte.

Ich hatte eigentlich noch erzählen wollen, wie oft ich ich ihm zwischen dem 11. Mai und dem 17. Mai (eben diesem Mittwoch) geschrieben habe. Wie oft. Und immer wieder habe ich ihn gebeten, zu kommen. Und unter dem Deckmäntelchen der Verzweiflung angefangen zu drohen: Komm, wenn Du mich nicht verlieren willst. Bitte komm. Und als er nicht kam, hab ich ihm das geschrieben, ich weiß nicht, ob ich auch davon erzählt hätte, wenn es nicht vorher geschellt hätte und ich nicht mehr dazu gekommen wäre.

Am 14. Mai., nachts, als alle blauen Pullöverchen längst schliefen, habe ich also das geschrieben, das: Komm, komm wenigstens ein letztes Mal, ich möchte Dir in die Augen sehen und Lebewohl sagen, ich möchte Dich noch einmal umarmen, Dick, einmal noch, und dann Abschied nehmen, von unseren Träumen, den wunderschönen Plänen und unseren großen Problemen, die wir genauso hatten. Ja, auch ich kann ganz großes Gefühlskino. Alleine, nachts. Und später in dieser email, inzwischen war der 15. Mai., schrieb ich sogar DAS: … Ich verspreche Dir, ich mach keinen Stress, ich werde schrecklich lieb zu Dir sein, endlich, beim letzten Mal. Und am nächsten Morgen werden wir unsere Kleider anziehen und lächeln, wir werden uns die Hand geben und Auseinandergehen für den Rest unsres Lebens. Zwei demolierte Menschen, die sich lieben, aber eben nicht den Weg zu einander gefunden haben. Stilsicher auch in der Schmonzette. Und als die Dämmerung anbrach am 15 Mai., und die Umnachtung ihren Höhepunkt erreichte, DAS große Finale: Lass es nicht so enden, komm und verabschiede Dich ordentlich, Dick. Mach für die zwanghafte deutsche Jungfrau ein letztes Mal Ordnung. P.S. Und vor allem verabschiede Dich von Curd. Sacht nichts...

Zwölf Stunden später am Abend des 15. Mai habe ich ihn dann angerufen und es zurückgenommen. Habe gesagt, was ihm ohnehin klar gewesen sein muss, dass es nur ein Trick war. Dass ich dachte, wenn er erst einmal hier wäre, könnte er nie wieder zurück. Dass er mich nicht ansehen könnte, und sagen, dass er wirklich geht, dass er erleuchtet vom Glanz meiner Herrlichkeit erkennen würde, dass sein Arsch auf immer in meine Küche gehört. Wage es nicht zu kommen, um Dich zu verabschieden, hab ich abends am 15. Mai. zu ihm gesagt. Tu mir das bitte, bitte nicht an. Bitte nicht. Und dann, zack, habe ich letzte Karte gezogen. Auch ich wollte den Bären immernoch in die Wohnung schleifen. Komm jetzt oder komm nie, hab ich gesagt. Und vor allem: Komm nur, wenn Du kommst, um zu bleiben. Versprich mir das. Versprich, dass Du nur kommst, wenn Du kommst, um zu bleiben. Schlagerheldenhaft.

Und zwei Tag später, am 17. Mai. als ich hier gerade den letzten Schwank aus meiner Verzweiflungskiste zum Besten geben wollte, schellte es. Dick war gekommen.

(Fortsetzung… siehe TEIL II)

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