Anleitung zum Entlieben

15.09.2005 um 11:32 Uhr

Notwehr

von: Lapared

„Und ich? Richte mich auf den nächsten Besuch des Holländers ein.“ Sehr schön. So kann man das auch sagen.

Oder so: Der Herbst ist da. In der Küche bullert die Heizung. Im Flur über dem Stuhl hängt ein Bikini, sein Schwarz von der Sonne verblichen, und man kann sich kaum vorstellen, dass man ihn vor nicht ganz einer Woche noch getragen hat. Jetzt futtert man warmes Brot mit gesalzener Butter, süße Mandeln, tiefschwarze Schokolade mit Erdbeeren und Pfeffer... nimmt eine Decke, schlurft mit schwerem Bauch auf dicken Strümpfen in eine gut geschützte, vertrauenswürdige Ecke und kugelt sich dort leise schnarchend ein. So klingt es eigentlich auch ganz nett, oder?

Aber die Wahrheit ist die: Ich fresse. Ich fresse mich aus der Affäre. Das ist nichts Neues, das ist meine gute alte, hundertfach bewährte Strategie mich Situationen, die mir nicht geheuer sind, quasi gewissenlos zu entziehen. Charmant lächelnd (mit einem gedachten „That´s beyond my control“ wie in Vollendung von John Malkovich in „Dangerous Liaisons“ vorgetragen, als er Michelle Pfeiffer abserviert), unverrückbar aber mit einem kleinen, traurigen Hauch von Bedauern, streiche ich mir dann über mein bis zum Platzen gefülltes, von Nahrungszufuhr diesen Ausmaßes total überraschtes, überfordert glucksendes Bäuchlein... und sage gnadenlos alles ab, was angesagt war. So auch den Besuch des Holländers. Er wird sich noch ein paar Tage gedulden müssen. Und 119, auch Dich kann ich auf diese Weise leider leider nicht erhören.

Die ganze Wahrheit ist das wohl auch noch nicht. Die ganze Wahrheit ist ein kleines bisschen weniger witzig. Zumal ich gleich Stunden auf dem Stepper rackern werde, um Bäuchlein, nachdem es seine Funktion brav erfüllt und mich vorerst aus allen Affären gezogen hat, schleunigst wieder los zu werden. Ich kann Bäuchlein nämlich nicht ausstehen. Ich könnte schreien, wenn ich es sehe.

Ach ja, und bei Curd will es auch nicht richtig heilen: Bei seinem etwas zu ausgelassenen Morgenyoga ist seine Naht wieder aufgeplatzt. Er wird sich mit seinen Spielverabredungen wohl ebenfalls noch ein wenig gedulden müssen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenchero schreibt am 15.09.2005 um 11:37 Uhr:Curd und du, ihr macht es euch wahrlich nicht leicht ...
  2. zitierenEllaken schreibt am 15.09.2005 um 12:12 Uhr:Immerhin, schwarze, gepfefferte Schokolade... Wenn noch was davon da ist, gib sie Curd. In Maßen ist das manchmal sehr heilsam. Obwohl, Curdchen scheint mehr der Vollmilchtyp :-)
  3. zitierenlucha schreibt am 16.09.2005 um 12:27 Uhr:Nunm dann ist es eben im Moment so, war ja auch tiereisch was los bei dir in der letzten Zeit; nen bischen Pause, wenn auch auf diese ganz schön anstrengende Art erzeugt, ist doch okay.



    Ach ja: Sei doch nicht so streng mit deinem Bäuchlein, na und. Glaub nicht, dass das aus dir einen anderen Menschen macht! Gib dem Stepper auch eine Pause!

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