Anleitung zum Entlieben

08.09.2006 um 22:21 Uhr

Nur unter Vollnarkose

von: Lapared

Mein Zahnarzt wird immer schöner. Ein einfacher Deprivationseffekt, könnte man meinen. Wir schreiben die Woche 6 n.D. (nach Dick).

Aber die Wahrheit ist, dass mein Blick sich zunehmend auch für die innere Schönheit dieses Dentisten öffnet. Zumindest ist mir klar geworden, dass er mich sanfter und gütiger behandelt, als alle anderen Männer, mit denen ich in den letzten Jahren so intim war, dass ich Körperteile von ihnen im Mund hatte. Er betäubt mich, bevor es weh tut, ich weiß das zu schätzen.

Einen Moment lang überlegte ich sogar, mich in ihn zu verlieben. Heute, als er mir drei wunderschöne neue Keramikkronen eingesetzt hat, konnte ich seinen Magen knurren hören. Ich stellte mir vor, wie es wäre, ihm und seinem Magen Schnittchen zu schmieren. Mit Salami und Gürkchen... à la 119. Er betäubt mich, bevor´s weh tut, was kann passieren?

Aber dann war sie plötzlich doch wieder da. Angst. Wird das genügen, dachte ich, kann lokale Betäubung dich hinreichend schützen? Und eine innere Stimme antwortete mir: Laparedchen, altes Mädchen... verlieb Dich wenn in einen richtigen Anaesthesisten, einen, der dir hammerharte Vollnarkosen geben kann. Sicher ist sicher.


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenKFM schreibt am 12.09.2006 um 14:02 Uhr:Ach ich, ich hingegen kann für den betäubenden Dentisten keinerlei Liebesgefühl entwickeln. Weil die Spritze beim spritzen auch nicht ohne ist und sich hernach schlicht ein Gefühl der Taubheit und Klobigkeit breitmacht. Vom Speichelfluss beim Sprechversuch noch eine Stunde danach ganz zu schweigen. Wohl aber bin ich in der Lage, für eine bestimmte Art von Sprechstundenhilfe zutiefst Gefühle der Sympathie und auch der Liebe zu empfinden. Es sind jene freundlichen Damen, die im Moment tiefster Bedrängnis durch grelles Licht, kreischendes Bohrwerkzeug, metallische Spreizklammern, Absaugschlauch und der gleichen dem Zahnarzt routiniert assistieren und dabei unser Haupt an ihrem warmen und weichen Busen betten, den ihnen der liebe Gott unter ihren Leinenkittel getan hat.
    So erging es mir dermaleinst am frühen Freitag morgen unter den Händen des Zahnarztes, als seine stahlblauäugige Sprechstundnehilfe mich auf diese Art alles Unbill vergessen ließ und ich der unkommoden Realität der Wurzelbehandlung mental völlig entrückte ...
  2. zitierensnufkyn_blues schreibt am 13.09.2006 um 18:31 Uhr:herrlich der text, lauter grinserchen auf der einen, ~röntgenomentalen antidepressivawört-chen auf der anderen seite
    ps. anaesthesist? zahni reicht! nichts wirkt berauschender und stillender als eine oral gelieferte spritze "höm"

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