Anleitung zum Entlieben

31.01.2006 um 22:01 Uhr

Old school

von: Lapared

Es heißt ja immer, man soll sich klare Ziele setzen. Das ist es, was jeder „Personal Coach“ dir erzählt, egal ob er im maßgeschneiderten Sakko für 400 Euro die Stunde dein erfolgloses Luschenego analysiert, oder sich in einer Hinterhofmuckibude im Netztop Deiner Fettwanne annimmt. „Wo, Frau L., würden Sie sich denn in x, y oder z Jahren bevorzugt sehen?“ oder „Wieviel soll denn runter, Gnädigste?“, unterm Strich sagen beide dasselbe: erstmal das Ziel bestimmen.

Also, was ist das Ziel?

Ich weiß, dass ich irgendwann mit meiner Schwester in einer Schabracken-WG enden möchte. Dort werde ich mit meiner künstliche Hüfte im Fernsehsessel sitzen, sie beim Staubwischen überwachen und ihr Gebiss verstecken, wenn sie mit einem ihrer Kerle zur Ü-80-Fete gehen will. Sie wird mich mit ihren alten BeeGees-Platten quälen, beim Backen jedes Mal versehentlich Rosinen in den Käsekuchen machen und Curd Rocks Füßchen, wenn ich nicht hingucke, in der Tür einklemmen. Wir werden es so schön miteinander haben. Wir werden uns von morgens bis abends ankeifen und drangsalieren, und wenn eine von beiden schließlich erschöpft den Löffel abgibt, wird die andere ihr zwei Wochen später vor Kummer folgen. Das finale Ziel ist damit wohl ziemlich klar definiert.

Aber was mache ich mit der Zeit davor? Ganz ehrlich…ich weiß es nicht! Ich weiß nicht, was ich will. Ich weiß nur, was ich nicht will: Ich will nicht weiter in Babsis Hintern verkehren.

Heute hat sie meine perfekte kleine, exakt 520 Anschläge lange Copy „old school“ genannt. „Old school“, das Gemeinste, was ein Werber zum anderen sagen kann. Gegen „old school“ ist man machtlos. „Old school“ erkennt nämlich an, dass etwas eigentlich gut ist. Aber eben nur auf alte Weise gut. Und wenn man älter als zwölf ist, sollte man dem auf keinen Fall widersprechen. Denn sonst gerät man unweigerlich selbst in Verdacht, old zu sein, zu old, und deshalb das Oldschoolige nicht zu bemerken. Hach. „Oldschool“ hat sie gesagt. Das „Du Nichts!“ der Branche. Der Vernichtungsschlag.

Und ich… Ich – ganz Profi und deutlich älter als zwölf - hab mein kleines Meisterwerk genommen, diesen Meilenstein der Werbegeschichte, an dem ich die ganze Nacht gemacht und geschliffen hatte, und hab freundlichst lächelnd gesagt:„Kein Problem, Babsi, ich schreib ne andere“.

Ich weiß nicht, ob ich mich des Verrats schämen oder auf meine Besonnenheit stolz sein soll. Ich weiß nicht, ob meine Reaktion professionell oder feige war. Ich weiß nur eins: In Babsi Arsch wird die Zeit bis zur Schabracken-WG verdammt lang.

P.S. Schon gut, schon gut. Mir ist durchaus klar, dass Babsis Arsch überall ist. Sogar vor ihrer eigenen Nase. Das ist ja das Entmutigende...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenElRayo schreibt am 01.02.2006 um 05:24 Uhr:Auf Trinidad, meinem Urlaubsziel 1996, ist Old School, eine ganz bestimmte Art, die Steel drums zu spielen, Du weisst schon , Calypso und so.



    Old School ist schon auch noch das Etablierte, Bewährte und Perfekte, auch, wenn ich es Dir unbesehen glaube, dass in der Reklame Stillstand als tödlich desavouiert wird.



    Aber warum eigentlich?



    War \"Retro\" nicht mal unheimlich hip und angesagt?



    Wir haben halt alle mal unser Handwerk gelernt; würde es was bringen, einzelne Seminare, was weiss ich, zu belegen und irre innovative Geschichten unterzurühren?



    Lass Dich von dem Knülch nicht unterkriegen, Lapared.



    Die meinen heute, sie können alles mit uns machen.



    *geht, die Ballade von der Seeräuber-Jenny trällernd, nach links ab
  2. zitierenschnuff schreibt am 01.02.2006 um 08:48 Uhr:IN-fucking-deed!

    In Britain \"old school\" would certainly be regarded as a compliment, but I am aware that BummBummBabsi never intended it as such.

    Therefore:

    Don´t let them bastards grind you down!!!!



    yours sincerely

    schnuff

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