Anleitung zum Entlieben

16.12.2005 um 23:17 Uhr

Omma

von: Lapared

Weihnachten, Zeit des Besinnens, Zeit des Rückblicks... manche wurden geboren. andere starben. Zum Beispiel mein Opa, genau auf Heiligabend. Zuviel Kartoffelsalat.

Doch das ist schon lange, lange her und eigentlich erinnere ich mich gar nicht mehr daran. Aber natürlich sprachen wir jedes Jahr davon. „Wir können Weihnachten nicht Ski fahren“, sagte mein Mutter, „einer muss bei Omma bleiben, Oppa ist doch Heiligabend gestorben!“ Ach ja. „Dann nehmen wir Deine Mutter eben mit“, sagte mein Vater, alter Pistenjäger. - „Spinnst Du, ich will mich auch mal erholen!“ - Weihnachten, Fest der Liebe, Fest der Familie.

Heute bin ich Omma. Ich glaube, meine Eltern würden Weihnachten immer noch gerne in die Berge fahren, aber heute heißt es: „Wir können Weihnachten nicht Ski fahren, dann sitzt unsere L. allein, die hat doch niemanden!“

Niemand, das war in der letzten Jahren 119 und wird dieses Jahr Dick sein. Mir ist es Recht so. Weihnachten fahre ich nun mal zu meinen Eltern. Das einzige Mal im Jahr. Und lieber die alte Jungfer geben, als mit ansehen, wie meine Lebenspartner unter der Folter lauwarmen Gänsebratens und falscher Freundlichkeit fahrlässig eingestehen, dass sie arme Schlucker sind, die auf mein Erbe spekulieren.

Und ich werde am darauffolgenden Werktag enterbt.

Außerdem... irgendwie mag ich es, „Omma“ zu sein und ihnen die Bergtour zu versauen. Kennt einer den Film „Tante Danielle“ von Ètienne Chatiliez? Großartig. Gucken! Mein absolutes Rollenmodell.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.