Anleitung zum Entlieben

03.07.2005 um 18:59 Uhr

Operation "Käsekuchen" - die Abwehr steht

von: Lapared

Mein bester Freund Robert lebt zur Zeit in Askese. Da ich annehme, dass er mehr oder weniger regelmäßig in mein Blog schaut, möchte ich die nur wenige Minuten zurückliegende Erfahrung rein faktisch beschreiben, ohne die aufwühlende Sinnlichkeit, die emotional damit einher ging. Ich habe ihn gefunden, endlich, den perfekten Käsekuchen. Gar nicht mal weit von hier, genauer gesagt (Robert weghören, Du fastest) direkt gegenüber, nur 10 Meter Luftlinie entfernt. Da gibt es so ein kleines Omacafé, Bäckerei-Konditorei „Sprüngel“ mit Pralinenpyramiden und Zuckerfiguren im Schaufenster. Wenn ich aus dem Fenster gucke, kann ich genau in den winzigen Gastraum sehen. Es gibt dort fünf Tische mit zerschlissenen Damasttüchern, dazu jeweils zwei weiß lackierte Polster-Stühle und in der Ecke einen geschwungenen Garderobenständer mit einem großen Umhängeschild „Keine Haftung“. Meistens sind nur die beiden Tische am Fenster besetzt, in der Regel von älteren Damen in pastellfarbenen Feinstrickpullovern mit Ansteckbroschen. Ich selbst war noch nie dort. Ich hatte ja keine Ahnung. Ein Käsekuchen! Ich sag nur soviel: hammermäßig. Robert weghören. Außen goldgelb mit gerösteten Mandelblättern und einem Hauch Puderzucker obendrauf. Innen saftig und gleichzeitig krümelig. Abwesende Rosinen. Der Boden ein Hauch. Knappe Einmeterfünfzig hoch. Was für ein Kuchen. Und ist es nicht eigenartig? Man sucht ihn sein Leben lang, frisst sich rund um den Globus, dabei hat man dieses Prachtexemplar die ganze Zeit direkt vor der Nase. Da gehe ich gleich morgen wieder hin. Dann werfe ich mal einen Blick in Backstube und schau mir den Bäcker an.

Drei Stück habe ich von dem scheiß Käsekuchen gegessen. Ich platze gleich, das ist gut. Heute Abend kommt nämlich 119 vielleicht zurück. Für normalen Sex stehe ich nach dieser Orgie nicht zur Verfügung.

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