Anleitung zum Entlieben

27.12.2005 um 18:57 Uhr

Ort und Raum

von: Lapared

Man kennt das ja. Man sitzt so in Aegypten, relaxt, wie es sich fuer einen 5-Sterne-Pauschal-Touristen, der im Herzen eigentlich ein total verrueckter Globetrotter ist, gehoert, in einer dieser urigen Kaschemmen, einem echten Geheimtipp, in dem nur Einheimische verkehren (und die paar anderen aus dem Ausflugsbus), und raucht eine Wasserpfeife. Laessig, unaufgeregt, als waere man mit der Wasserpfeife auf die Welt gekommen. Und man denkt so super Sache, koennte man doch eigentlich auch mal zu Hause machen. Und ein paar Tage spaeter sitzt man in Wuppertal mit der aegyptischen Pfeife auf der Ikeacouch, oder in Kiel oder Hoexter, und irgendwie schmeckt das Teil ploetzlich ganz anders. Irgendwie... irgendwie... scheisse. Tschuess Wasserpfeife, wofuer gibt's ebay.

Was ich sagen will...  Manches fuehlt sich nur gut an, wenn man es da laesst, wo es hingehoert. Aus der Umgebung heraus genommen, wirkt es irgendwie... falsch. Und eine Zeit lang dachte ich, es laege vielleicht daran, dass ich von meinem huebschen kleinen Hollaender immer so hingerissen bin, wenn wir uns in Holland sehen. Und Atemnot bekomme, sobald er daheim auf meiner Couch sitzt. Fast waere ich deshalb gar nicht mehr zu ihm gefahren. Und dann war es genau so, wie ich gehofft, aber als unerschuetterlicher Optimist natuerlich nicht eine Sekunde geglaubt habe. Kaum war ich da... PLING! Und das Laempchen strahlte wieder. Hoem.

Richtig! Genau das frage ich mich auch! Ist DAS Liebe? Schliesslich geht's hier nicht um ein Souvenier sondern einen Mann und darum, ob er der Richtige ist. Wieder mal Zeit fuer den grossen alten Pruefstein meines kleinen wirren Herzens, Zeit fuer die gute alte Frage: Wie war es eigentlich bei 119?

Wie war es mit ihm  in meiner Wohnung, bekam ich bei 119 auch Atemnot? Nein. Definitiv nein. 10 Sekunden kann ich die Luft schon anhalten. Viel laenger war er ja nie da. Und manchmal, wenn er so mit verschraenkten Armen auf meiner Couch sass, die huebschen Schuehchen schon wieder geschnuert und innerlich fingertrommelnd die postkoitale Hoeflichkeitsfrist abwartend... und wenn diese Frist dann manchmal laenger dauerte als ich gewohnt war - weil der Film noch lief oder weil er sich womoeglich wirklich mal zwei Minuten vergass und entspannte - dann habe ich mich zuweilen dabei ertappt, dass ich zwar wuenschte, er wuerde noch bleiben wollen, wegen der erfreulichen Implikationen, die das haette, und doch gleichzeitig kaum erwarten konnte, dass er den Flieger macht, wegen meiner Couch, die ich nun mal lieber fuer mich hab. In seinem Falle also auch.

Was ist das nur mit mir und meiner Wohnung? Warum reicht die Luft da nicht fuer zwei? Ist die Wohnung zu klein? Oder bin ich es? Oder kann ein Zuhause, wenn man dort lange genug allein fuer sich war, irgendwann so vollgepropft sein mit eigenen Gewohnheiten, Geschichten, Gedanken, dass ein anderer Mensch darin zwangslaeufig ein Fremdkoerper ist? Der egal, wo er hintritt und wie vorsichtig er sich bewegt, aneckt? Und dass man mit ihm an einen neuen Ort gehen muss, um Raum fuer Naehe zu finden?

Oder luegt sich L. mal wieder einen in die Tasche?

(Sorry, ich sitze in einer oeffentlichen Bibliothek. In einem Land ohne sz und ohne Umlaute.)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierendieFee schreibt am 28.12.2005 um 00:02 Uhr:Solange das L.(aemp)chen strahlt, ist es Liebe. Um aber an Haus, Hof, Kindern und Hund denken zu dürfen, bedarf es eines Kronleuchters, der aus sehr vielen solcher Momente zusammengesetzt werden muss. Soviel Zeit muss sein. Glaub mir, ich komme aus der Leuchtenbranche… *gg*
  2. zitierenchero schreibt am 29.12.2005 um 10:34 Uhr:So lange du dich nicht nach dem ersten halben Tag des wieder Alleinseins nach ihm verzehrst, ist es nicht der Richtige für Zukunftspläne. Diese Erfahrung hab zumindest ich gemacht, als notorische Möchtegern-Einzelgängerin in Sachen Wohnen. Notfalls bleibt immer noch die Variante mit zwei Wohnungen, was allerdings nicht extrem wirtschaftlich wäre. Lass dir Zeit, denke ich mal.

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