Anleitung zum Entlieben

22.07.2005 um 23:38 Uhr

Phase II

von: Lapared

Wie ich aus einem unlängst bereits ausführlich zitierten Artikel im SZ-Magazin* gelernt habe, unterscheiden Experten beim Liebeskummer zwei Phasen. Phase I - Wut, Verzweiflung, Auflehnung – habe ich jetzt endlich hinter mir. Heute früh erwachte ich frisch und ausgeruht in Phase II, der postbeziehungsmäßigen Depression. Hurra. Der Heilungsprozess schreitet also voran. Mit einem fröhlichen Moin Moin, wie man in Norddeutschland so sagt, begrüßte ich die zentralen Symptome: Niedergeschlagenheit, Leeregefühl, Resignation und eine Antriebsverarmung, die sich wirklich gewaschen hat, und vor der später, zur Kaffee-Zeit, selbst der normalerweise alles überwältigende Impuls kapitulierte, meinen Arsch hinüber zur Bäckerei-Konditorei „Sprüngel“ zu schwingen und mir ein Stück der besten Käsetorte der Welt zu organisieren. Es ist also ernst.

Andererseits... dem könnte man mitten in der Bikini-Saison ja sogar noch etwas Positives abgewinnen. Viel erschreckender ist dies. Als gegen Abend eine telefonische Anfrage kam, ob ich nächste Woche schon gebucht sei, fiel auch meine gewöhnlich durch einen spontanen Angstreflex motivierte, mit überzeugend gespieltem ganz außerordentlichen Bedauern vorgetragene Lüge, ich sei bereits gebucht und stünde nicht zur Verfügung, meiner akuten Antriebshemmung zum Opfer, und ich anwortete lethargisch und tragisch wahrheitsgetreu: „Nö.“ Und somit bin ich – mit oder ohne Antrieb - verbindlich eingeladen, mich nächste Woche wieder in das Heer der Werktätigen einzureihen.

* SZ-Magazin No. 27, S. 4 ff: „Vorbei! Warum es so entsetzlich weh tut, wenn die Liebe zu Ende geht“, Anmerkung: Das Problem ist ja eigentlich dies: Die Beziehung geht zu Ende - aber die Liebe latscht dickköpfig weiter.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSetare schreibt am 23.07.2005 um 18:52 Uhr:Amen *leise vor sich hingrummel*

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