Anleitung zum Entlieben

09.05.2006 um 02:01 Uhr

Proviant für alle

von: Lapared

Happyend? Hat einer hier Happyend gesagt?

Während ich heute Nacht meine Gartenbankphantasien kultivierte (ohne allerdings genau zu wissen, ob das wirklich so traumhafte Aussichten wären, ich meine…14 Ma!) ist seine Frau zurückgekommen. Sie hatte das Haus - nachdem sie D. zur Rede gestellt hatte, er hat es nicht von selbst gesagt – verlassen. Gestern Abend ist sie zurück gekommen. Heute Morgen wieder gefahren. Und was dazwischen war – angeblich nur Gespräche – ist das, was heute tagsüber meine Phantasie beschäftigt hat. Gartenbänke kamen darin nicht vor, Sitzgelegenheiten allgemein eher weniger, Möbiliar für zwei dagegen schon.

„Um herauszufinden, was zwischen uns noch ist“, sagt Dick, „muss ich mit ihr reden“. Was soll ich sagen? Das muss man verstehen. „Und mit Dir rede ich doch auch,“ sagt Dick, „wir mailen und wir telefonieren, auch wir müssen herausfinden, was zwischen uns ist.“ Wo er Recht hat, hat er Recht.

Sie ist heute früh also wieder gefahren und auch sie hat ein „kann sein“ mitgenommen. Ein „kann sein“ und ein „Ich liebe Dich“, es ist ein gerechter Dick, er schnürt jeder Frau dasselbe kleine Proviantpaket mit Stärkungen für die Warteposition. Ein gütiger Dick. Es soll uns dort an Nichts mangeln was unsere Hoffnung nährt und unsere Leidensfähigkeit verlängert. Ein „kann sein“ und ein „Ich liebe Dich“. Meins mit einem „im Moment“ garniert, ihrs – vermute ich - mit einem kleinen „noch“.

Hier bin ich übrigens zum ersten Mal in der Versuchung zu lügen und Dinge zu schreiben, nur um einigermaßen akzeptabel dazustehen. Denn natürlich höre ich es auch durch die schalldichte Scheibe meines Screens, das tosende Klatschen aus dem virtuellen Zuschauersaal. Das Klatschen der geneigten Leser, die enthusiastische ihre Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wie Laparedchen, kann man nur so bekloppt sein? Wer bitte soll da noch folgen?

Ich kann nur sagen, ich bin nicht stolz darauf. Stolz ist das Letzte, was ich empfinde, hier in meiner Warteposition mit meinem „kann sein“ und meinem mit einem „im Moment“ dekorierten „Ich liebe Dich“ aus Dicks hübsch geschnürtem Überlebenspaket.

Aber ich habe ihm auch etwas gegeben. Schaun wir doch mal, was ich ihm heute morgen in den Proviantsack gepackt hab. Ich dachte, auch in der Entscheiderposition kann der eine oder andere Knochen zum Nagen sicher nicht schaden. Ein Knochen in Form einer Mail.

Lieber Dick, natürlich liebst Du auch SIE, das weiß ich, sonst wäre die Entscheidung ja leicht, sonst hättest Du sie längst gefällt. Du brauchst Zeit, um herauszufinden, wen Du mehr liebst, oder - da es vielleicht sehr unterschiedliche Lieben sind, die sich nicht mit gleichen Größenmaßen messen lassen - welche Art der Liebe für Dich die Wertvollere ist (hat jemand je eine taktvollere Umschreibung gefunden für: Willst Du Ruhe oder willst Du ficken? Aber weiter…) Nimm Dir die Zeit herauszufinden, was Du willst. Ob das mit uns nur Verliebtheit war oder etwas, wofür Du bereit bist, die letzten 24 Jahre aufzugeben. (Und jetzt pass auf…) Ich selbst werde dasselbe tun. Ich werde versuchen herauszufinden, ob meine monentane Verzweiflung und Kampfbereitschaft mehr ist als ein Greifreflex, weil etwas von mir weggezogen wird, das ich lange mehr oder weniger unbeachtet in Händen hielt. (Doch damit nicht genug…) Schon vor einigen Tagen habe ich mit 119 telefoniert. Er liest mein Blog und hat sich gemeldet um zu fragen, wie es mir geht. Ich werde mich mit ihm treffen, weil er mein Freund ist und weil ich gerne mit ihm rede. Aber nicht nur deshalb. Auch ich muss herausfinden, ob es wirklich Du bist, den ich will. Oder doch noch der, den ich so lange Zeit im Dunklen atmen hörte (schnarchen, aber das bleibt unter uns). Und die Tatsache, dass ich ihn nicht haben kann, ist für diese Frage unerheblich, Du weißt, auch ich denke nicht praktisch. (Und jetzt…) Vielleicht klingt es wie eine Retourkutsche, aber das ist es nicht. Auch ich kann das nur herausfinden, wenn ich ihn sehe und mit ihm rede. Dick, wir, wir beide, werden sehen.

Ist das ein Knochen oder ist das ein Knochen?

Verzweiflung oder Verletzheit kann man dazu natürlich auch sagen. Aber immerhin… eine Lüge ist es nicht. 119 hat angerufen und gefragt, wie es mir nach dieser Scheiße geht. (Der Zuschauersaal brüllt.) Ich hatte es nur nicht erwähnt, es hat mich nicht beschäftigt. Es hat mich nicht beschäftigt.

P.S. Den Job fahre ich voll an die Wand. Und ehrlich gesagt… Auch wenn es sich jetzt fast unerheblich anfühlt, langfristig gesehen ist das vielleicht die größere Katastrophe. Freie dürfen nicht versagen - deshalb kriegen sie so viel Geld. Meine Schuld, dass ich hingegangen bin, ein freier Job ist keine bezahlte Beschäftigungstherapie. Ich dachte, ich krieg das hin. Ich Rindvieh.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenpocoos schreibt am 09.05.2006 um 10:48 Uhr:mir wurde in vergleichbarer situation gesagt:

    \"ich weiß doch auch nicht wie es weitergeht\"

    und

    \"mach es dir doch nicht so schwer\"

    und

    \"trotz allem liebe ich dich doch\"

    und was soll mir solcher schrott ?

    denn das ist es: SCHROTT !

    und auch das ist es: wir frauen machen es uns schwer !

    nur: wie kriegt man die kerle > leicht <a rel="nofollow" us dem herzen ?

  2. zitierenkunstseidenes schreibt am 09.05.2006 um 10:48 Uhr:Ach Mensch...
  3. zitierenAmster schreibt am 09.05.2006 um 12:47 Uhr:Du musst weg. Wenn der Job zuende ist, fahr ein paar Tage ans Meer und latsch am Strand entlang. Ohne Handy, ohne Laptop. Der Zuschauerraum verkraftet das. (Aber natürlich nur schwer)
  4. zitierenlucha schreibt am 09.05.2006 um 19:25 Uhr:Scheiße, Du bist so voll von der Rolle!!!! Bitte pass auf Dich auf, ein Treffen mit 119 kann dir Klarheit geben, aber kann dich auch in noch tiefere Tiefen stürzen!



    Slebstwahrnehmung ist auch gesört, du bist doch eine klasse Texterin, das lesen wir jeden Tag!!!

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.