Anleitung zum Entlieben

07.05.2006 um 01:33 Uhr

Ratter ratter

von: Lapared

Und um noch mal auf die Reinterpretation von sieben Monaten Verhalten zurückzukommen, von sieben Monaten Worten, sieben Monaten Gesten, sieben Monaten Blicken… von sieben Monaten Beziehung vorm Hintergrund einer nicht ganz unbedeutenden neuen Information... Tja, das ist eine Menge Holz.

Ich fürchte, das wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Aber ich weiß, dass es langsam weniger werden wird (das auch als Aussicht für den strapazierten Leser). Dass aus der Ganztagsbeschäftigung allmählich eine Halbtagsbeschäftigung wird, eine stundenweise Beschäftigung… bis es schließlich keine Beschäftigung mehr ist, sondern nur noch ein Gedanke dann und wann. Oder, noch besser weil kürzer, ein Gedankenblitz. Man sieht ein Antihaarbruchshampoo, das man irgendwoher kennt, und plötzlich fragt man sich, ob das wohl ihr´s war, denn seine Haare waren nicht gespalten (die zumindest nicht), und ein kurzes Gefühl der Genugtuung durchströmt dich, dass sie zwar deinen Mann hat aber möglichweise auch Spliss.

Ich weiß gar nichts von ihr. Ich weiß nicht mal welche Haarfarbe sie hat. Er hat mal gesagt, dass ich eigentlich gar nicht sein Typ wäre, dass er mehr auf dunkel steht, deshalb vermute ich, sie sind braun oder schwarz. Ich habe im ganzen Haus nicht ein Mal ein Haar gefunden. Im Badezimmer lag ein Kamm, keine Bürste, alles war pikobello sauber, vor jedem Besuch hat er drei Tage geputzt. Er sagte: „Das tue ich für Dich, Schatz. Weil ich weiß, dass Du es gerne sauber hast.“ Und ich habe ihn dankbar angestrahlt und geküsst, ich weiß, was sich gehört.

Das ist das Eine. Aber so einfach ist es nicht. Man sieht nicht nur schöne Dinge in einem völlig neuen Licht. Bläst sich auf in gerechter Empörung und schmettert einmal mehr: der blöde Arsch. Man sieht auch Dinge, die man damals schrecklich fand. Unter aller Sau. Man sieht sie und versteht sie. Sein Fordern, sein Drängen, seine ständigen SMS. Ich dachte doch immer, Mein Gott, was ist los mit dem Kerl, was stimmt da nicht, warum geht der so aufs Gas? Spricht von heiraten, von Haus und Hund und Kindern (umd grüm Badezinnerchem!), mir muss man so was nicht erzählen, um mich ins Bett zu kriegen (mich schom!), mich hat das eher abgeturnt (nmich nicht!), also warum?

Ich hatte meine Theorien, ich glaub, ich hab es damals auch geschrieben. Da war die Jäger-Beute Theorie (die nicht nur das plötzliche Desinteresse sondern auch die an sich unfunktionale Hetze erklären würde), die abnorme Neigungstheorie (eine Vorliebe für mature Damen, vor der er vielleicht flieht), die schwule Neigungstheorie (sexuelle Unentschiedenheit, vor der er vielleicht flieht), ich wusste ja nicht, dass die Neigung, vor der er wirklich flieht zwei Beine hat. Haare, deren Farbe ich nicht kenne. Augen. Ich wusste nicht, dass die Neigung keine Neigung ist, sondern Liebe. 24 Jahre Liebe, die er durch die akute Verliebheit vielleicht eine Zeit nicht mehr gespürt hat, aber von der er ahnte, dass sie da ist, die er im Dunklen atmen hörte, und was, wenn sie aufwacht, was dann?

Nichts, mag man denken, weiter machen, seine Olle hat ja nichts gemerkt. Aber darum geht es nicht. Für ihn war das kein praktisches Problem.

Es wäre so einfach, sich zu entrüsten, und Lügner Lügner zu brüllen. Einfach, gesünder, und wahrscheinlich viel besser für mich. Aber erstens habe ich, da wird mir niemand widersprechen, es nicht gerne einfach, ich bevorzuge es schwierig, langatmig und kompliziert. Und zweitens. Zweitens glaube ich nicht, dass er mich nur belogen hat. Ich glaube nicht, dass er nur mich belogen hat, so rum ist vielleicht richtiger.

Immer wieder hat er gesagt hat, dass er mich liebt, immer wieder, man, ging mir das auf den Sack! Und dazu stets sein tragischer Blick! Wahrscheinlich stimmt es, dass er es in dem Moment, in dem er es gesagt hat, auch selbst geglaubt hat. In jedem einzelnen. Aber ich denke, nicht mir hat er das immer wieder auf´s Neue versichert, sondern sich. Sich selbst hat er versucht zu überzeugen. Sich selbst hat er versucht weiszumachen, dass er mich liebt. In Wirklichkeit liebt er seine Frau. Man, geht mir das auf den Sack.

Macht es nun einen Unterschied, ob er mich oder sich selbst belogen hat? (Oder mnich!?) Ob er durch sein Klammern mich festhalten wollte oder sich? (Mihc!)

Aber schön, dass wir drüber gesprochen haben.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenpocoos schreibt am 07.05.2006 um 01:39 Uhr:schlaflos in hamburg -

    schlaflos in bayern -

    und \"unsere\" jungs ?

    wo pennen die grade ?
  2. zitierenElRayo schreibt am 07.05.2006 um 02:05 Uhr:Pfft. Schlafen kann ich, wenn ich tot bin; komme gerade aus einem schönem, kleinem, knackigem Punkrockkonzert im K4 in Nürnberg, war da mit einem gutem Freund.



    Und les dames waren weit weg.



    Es dreht sich nicht alles im Leben um die Liebe.



    Rock\'n\'Roll rettet.



    http://elrayossb.blogg.de
  3. zitierensanftmut schreibt am 07.05.2006 um 02:27 Uhr:yep stimmt :-)! mich auch bei bedarf!

    die jungs sind saufen ..wie immer..

    und wir gehn jetzt ineinandergerollt penen..

    MOIN die herren.. .-) nacht zusammen!*°
  4. zitierenlucha schreibt am 08.05.2006 um 19:48 Uhr:Oh je, das tut richtig weh, Dich so leidend erleben zu müssen. Der reine Sachverhalt ist einfach - dieser auch; Emotionen, Motivationen zu erklären hingegen unheimlich schwer! Dick scheint ein sehr komplizierter Mensch zu sein, seine Gründe kann ich nichtmals erraten, zuwenig kenne ich ihn. Über die Monate, die ich Dein blog gelesen habe, glaube ich dich ein wenig kennengelernt zu haben. Vielleicht ist es nicht Dick, den du vermisst, sondern das gefühl von Geborgenheit und Liebe, das war es vielleicht auch, was dich so an ihm fasziniert hat, das er dich liebt. und ich bin mir sicher, dass er dies - fast verzweifelt - auch so empfunden hat, vielleicht auch jetzt noch empfindet.



    Zurückgestossen zu werden von dem Menschen, der Dir gerade aber dieses Gefühl geschenkt hat, der dich dazu gebracht hast, dich auf ihn durch diese emotionale Sicherheit, die er dir vermittelte, einzulassen, ist grauenvoll. Es tut mir leid.



    Davor ist du nie geschützt, je mehr du dich öffnest, desto mehr bist du verletzlich, aber ohne das erlebst du auch keine Liebe. Auch wenns wunderschöne Stunden gab, denk nicht daran. ich glaube, jetzt hilft echt nur Gegenaktivität, raus mit Dir, Curd soll die Trauerarbeit machen, du hast genug getrauert, genug analysiert. Schmeiß den Gouda in den Eimer, probier Tiramisu, Tapas oder Hering!
  5. zitierensanftmut schreibt am 11.05.2006 um 11:22 Uhr::-)! YEP so mach mers :-)!*°

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